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Vom Feld ins Grundwasser

© Symbolbild/dpa

In einigen Hausbrunnen hat ein Umweltverein hohe Nitratwerte festgestellt. Genutzt werden kann das Wasser trotzdem.

Von Verena Toth

Döbeln. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der Verein VSR-Gewässerschutz bei Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen seiner Informationsveranstaltungen am 21. Juni in Döbeln abgegeben wurden. „In jeder dritten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter“, so die Information des Vereins. Insgesamt 70 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen hatte Projektleiter Harald Gülzow aus dem Raum Döbeln, Hartha und Striegistal entgegen genommen.

Gefunden wurde bei den Untersuchungen unter anderem ein Wert von 112 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Niederstriegis. Weitere mit Nitraten stark belasteten Brunnen stellten die Umweltschützer beispielsweise in Roßwein mit 86 Milligramm pro Liter (mg/l), in Etzdorf mit 97 mg/l, in Otzdorf mit 71 mg/l, in Waldheim mit 90 mg/l oder in Ebersbach mit 74 mg/l, fest. „Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“, so das Ergebnis. Wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Nitratbelastetes Grundwasser führe beim Bewässern zu einer zusätzlichen Düngung. Das müsse in die Berechnung über den Stickstoffbedarf der angebauten Pflanzen miteinbezogen werden. „Nur so kann eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung in Gemüse verhindert werden“, heißt es weiter. Den Hauptgrund für die hohe Nitratbelastung im Grundwasser sieht der Verein VSR-Gewässerschutz in der intensiven Landwirtschaft.

Auch das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie untersucht regelmäßig Grundwasser sowie Ackerböden nach dem Stickstoffgehalt und relativiert die genannten Ergebnisse. Zwar könne bestätigt werden, dass die angegebenen Konzentrationen den regionaltypisch bekannten Nitratkonzentrationen im Grundwasser entsprechen. „Die vom Verein VSR untersuchten Proben stammen aber nicht aus dem öffentlichen Trinkwassernetz. Die untersuchten privaten Hausbrunnen werden in der Regel auch nicht für den Trinkwasserkonsum genutzt“, so Sprecherin Karin Bernhardt. „Für Trinkwasser gelten die gesetzlichen Bestimmungen der Trinkwasserverordnung. Diese wiederum gilt aber nicht für Grundwasser – also auch nicht für die von VSR angegebenen Werte“, erklärt sie noch.

Es sei falsch, die Verursacher der hohen Nitratwerte allein auf die aktuellen Landwirte zu schieben, wehrt sich Ingrid Classen vom Regionalbauernverband Döbeln-Oschatz gegen den Vorwurf des Vereins. „Dazu muss man nämlich auch beachten, dass es 20 bis 50 Jahre dauern kann, ehe Nitrate tatsächlich im Grundwasser ankommen. Denn das ist immer von der Beschaffenheit des Bodens abhängig“, erklärt sie. Sie gibt zu bedenken, dass diese Werte demnach auf die Gegebenheiten vor mehreren Jahrzehnten zurückzuführen seien. Zudem seien auch heutzutage Vorschriften mit dem Düngerecht geben, die den Bauern ganz genau vorgeben, wie viel und wann gedüngt werden darf. Außerdem müssen die Landwirtschaftsbetriebe in jedem Frühjahr eine Bodenprobe entnehmen und in einem Labor untersuchen lassen. „Die erlaubten Düngemengen richten sich dann immer gezielt nach diesen ermittelten Bodenwerten und der Kultur, die angebaut werden soll“, so die Vertreterin der regionalen Landwirte.

Eine der Hauptaufgaben des Landesamtes bestehe in der fachlichen Begleitung von Betrieben im Hinblick auf eine bedarfsgerechte Nitrat-Düngung im Ackerbau und im Grünland, sagt Karin Bernhardt. Die Nitratbelastung in den sächsischen Böden wird von der Behörde seit 1990 in einem Nitratmessnetz untersucht und überwacht. „Auf etwa 1 000 fest eingemessenen Dauertestflächen in Form von Acker- und Grünlandflächen werden jeweils im Frühjahr zu Vegetationsbeginn und im Spätherbst nach Vegetationsende Bodenproben aus einer Tiefe von bis zu 60 Zentimetern entnommen und auf Nitrat-Stickstoff untersucht“, erläutert sie. Darüber hinaus werden seit 2009 in den Gebieten mit Stickstoff belasteten Gewässern Maßnahmen gefördert und umgesetzt, mit denen der Nitratgehalt verringert werden soll. „Dazu gehören Vorkehrungen, die einerseits zu einer besseren Verwertung des eingesetzten Stickstoffdüngers führen. Andererseits soll beispielsweise mit dem Anbau von Zwischenfrüchten der Verlagerung von Rest-Stickstoff ins Grundwasser entgegengewirkt werden“, sagt Karin Bernhardt.