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Vom Joghurtbecher zum E-Auto

Mit seinem zonalen Heizsystem ist das Freitaler Start-up Watttron rasant gewachsen. Die Industrie spart durch die Erfindung viel Geld.

© Ronald Bonß

Von Stephan Hönigschmid

Folie erhitzen, tiefziehen, und fertig ist der Joghurtbecher. So läuft vereinfacht gesagt die Produktion von Verpackungen heute. Allerdings hat dies den Nachteil, dass sich das Material bei der Verformung quasi nur zufällig auf die verschiedenen Bereiche verteilt. In der Folge sind die Seitenwände manchmal recht dünn und der Boden stabil oder umgekehrt. Wirtschaftlich ist dieses Vorgehen kaum. Zudem wird unnötig Energie verschwendet. Aber vielleicht gehören diese Zeiten ja bald der Vergangenheit an. Grund ist eine Innovation des Freitaler Start-ups Watttron.

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„Unsere Idee besteht darin, dass wir das Material nicht an allen Stellen gleich erhitzen, sondern es viele kleine Heizkreisläufe gibt, die wir über Temperaturprofile einer eigens entwickelten Software gezielt ansteuern“, sagt einer der Gründer des Unternehmens und Geschäftsführer Sascha Bach (39). Man könne sich das wie bei einem Monitor mit seinen unterschiedlichen Pixeln vorstellen. Bei der Watttron-Anwendung seien diese etwa fünf mal fünf Millimeter groß, sagt Bach. Bis zu 30 Prozent Energie und Material lassen sich so in der Produktion einsparen. „Das ist ein Mittelwert. Teilweise liegt das Potenzial sogar bei bis zu 50 Prozent“, sagt Bachs Co-Geschäftsführer Marcus Stein (28), der ebenfalls zum Gründerteam gehört.

Obwohl sich das Prinzip auch für die Herstellung von Innenverkleidungen von Autos und Teilen für den Kühlschrank eignet, reagieren vor allem Maschinenbauunternehmen noch zurückhaltend auf die aus dem Institut für Verarbeitungsmaschinen und Mobile Arbeitsmaschinen der TU Dresden in Zusammenarbeit mit den Fraunhofer-Instituten IKZS und IVV hervorgegangene Erfindung.

„Wir bewegen uns im Spannungsfeld zwischen Mikroelektronik und Maschinenbau. Gerade viele Sonderverpackungsmaschinenbauer tun sich noch schwer mit der Mikroelektronik“, sagt Stein. Sein Kollege Sascha Bach ergänzt: „Wir haben unseren Fokus deshalb auf die industriellen Endanwender gelegt. Damit fahren wir sehr gut.“ Darüber hinaus profitiere man vom Trend zur Industrie 4.0. „Das Timing ist sehr entscheidend. Auch die beste Technologie nützt nichts, wenn nicht die richtige Stimmung herrscht.“ Momentan sehe es in dieser Hinsicht günstig aus.

Dank des Interesses befindet sich das Start-up anderthalb Jahre nach der Gründung auf Wachstumskurs. Zwölf Mitarbeiter und zwei Praktikanten gehören neben den vier Gründern aktuell zum Team. Und auch die Fläche der Firmenräume im Freitaler Technologie- und Gründerzentrum wird sich erhöhen. „Als wir eingezogen sind, hatten wir 60 Quadratmeter. Jetzt sind es 150, und demnächst erweitern wir auf 400 Quadratmeter“, berichtet Bach. Der Standort sei ideal, weil er logistisch gut gelegen sei und es Räume mit Expansionsmöglichkeiten gebe, was in Dresden schwer gewesen sei. „Die Stadtverwaltung hat uns sehr unterstützt. Sie ist bemüht, Firmen anzusiedeln“, sagt Stein. Einziger Wermutstropfen sei das fremdenfeindliche Image der Stadt. „Beim Kundenkontakt ist das immer Thema.

Im Gegensatz zur Stadt ist der Ruf von Watttron einwandfrei. Bereits mehrfach wurden die innovativen Gründer für ihre Arbeit geehrt. Unter anderem konnten sie sich über den deutschen Verpackungspreis 2016 und den Gewinn des Futuresax-Ideenwettbewerbes 2017 freuen. Mit voller Kraft soll es nun weitergehen. Neben dem Thermoformen beschäftigt sich die Firma mit dem Verschließen und Versiegeln von Verpackungen und möchte die Technologie zu einer Plattform entwickeln. Denkbar seien E-Autos, die intelligent beheizt werden, um die Reichweite zu erhöhen.