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Vom Kaninchenzüchter zum Karnevalisten

Eine Ausstellung in Leipzig widmet sich dem Vereinsleben in Deutschland - und zeigt einen Wandel auf.

© Symbolbild: Jürgen Lösel

Leipzig. Vom Kaninchenzüchter bis zur Karnevalistin: Die Deutschen lieben ihre Vereine und sie werden gern als Vereinsmeier verspottet. Immerhin 44 Prozent der Deutschen sind Mitglied in mindestens einem Verein, von denen es im ganzen Land 600 000 gibt. Anhand von 300 Exponaten illustriert die Ausstellung «Mein Verein» seit Donnerstag im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig die Geschichte des deutschen Vereinswesens. 2017 war die Schau bereits in Bonn zu sehen. «Für Leipzig ist sie aktualisiert worden», sagt Projektleiterin Angela Stirken vom Haus der Geschichte in Bonn.

Zu sehen sind unter anderem: ein Großer Schellenbaum aus dem Kölner Karneval, eine Narrenkappe und der Umhang eines Elferratsmitglieds der 1950er Jahre aus dem thüringischen Wasungen. Der von der Leipziger Mannschaft signierte Ball des ersten Bundesliga-Spiels zwischen RB Leipzig und dem FC Schalke 04 steht für moderne Formen der Fangemeinschaften.

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Einen breiten Raum nimmt das Vereinswesen in der DDR ein, dargestellt an den Kleingärtnern. Zunächst wurden die Vereine von der SED-Führung als Hort kleinbürgerlicher Spießigkeit verpönt. In den 1970er Jahren wurde jedoch klar, wie wichtig die Parzellen für die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse in der DDR waren. So förderte der Staat den Ausbau der Anlagen, die Gärtner verdienten mit der Abgabe von Obst und Gemüse gutes Geld. 1988 hatte der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter der DDR schließlich 1,5 Millionen Mitglieder.

«Das Bild der Vereine hat sich in den zurückliegenden Jahren gewandelt», sagt Stirken. «Es geht nicht mehr nur um Geselligkeit und gemütliches Beisammensein, sondern um gesellschaftspolitisches Engagement und den gezielten Einsatz für bestimmte Projekte. Solche Fördervereine erlebten derzeit einen Gründerboom.

Die Wissenschaftlerin nennt in diesem Zusammenhang die Tafeln in Deutschland mit ihren 60 000 Helfern und den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Im März 1990 gründete sich eine Fördergesellschaft, die sich für die Wiedererrichtung des im Krieg zerstörten Gotteshauses stark machte. Nach der Wiedereröffnung im Jahr 2005 war der Zweck der Gesellschaft erfüllt, sie löste sich auf. (dpa)