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Vom Keller bis zum Boden

Die Seeg hat auf der Burgstraße 2 ein faszinierendes Meißner Kleinod saniert.

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© Claudia Hübschmann

Von Tim Blumenstein

Meißen. Mit einer Baustellenlampe ausgerüstet, steigt Dombaumeister Knut Hauswald die Stufen zum Keller herab. Der Eingang liegt hinter einer schweren Eisentür. Es ist kühl, die Luft wird ein wenig feuchter. „Passen Sie auf, wo Sie hintreten“, sagt er. Auf den Treppenstufen stehen Kerzen, die den Weg nach unten weisen. Um sich nicht den Kopf zu stoßen, werden zusätzliche Taschenlampen angeknipst.

Dann stehen Hauswald und seine knapp 20 Begleiter in einem der ältesten Steinkeller Meißens. Der sandige Lehmboden, die kalten Steinwände, die verwinkelten Gänge – die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. „Die Gewölbe stammen noch aus der Zeit vor dem 15. Jahrhundert, das kann man sehr schön an den gotischen Spitzbögen sehen“, so Hauswald.

Immer wieder leuchtet er auf die alte Steindecke und beschreibt anhand kleiner Details die Entstehungsgeschichte der historischen Räume. „Früher wurde hier Bier gebraut“, sagt Hauswald. Über Holzrohre wurde die Maische in die Kellergewölbe geleitet, um sie dort gären zu lassen. „Daher kommt auch der Begriff der Kellerei“, so Hauswald. Einst gehörten die Kellerräume zu schmalen Giebelhäusern, die damals überall in Sachsen zu finden waren. Heute sind nur noch die Gewölbe übrig. Seit nun fast 300 Jahren existiert das Gebäude schließlich in seiner heutigen Form, erzählt Hauswald. Nach dem verheerenden Brandanschlag der Schweden im Jahr 1634 habe der Meißner Kämmerer Jauch das Haus wieder aufgebaut. Im Laufe der Jahre entstand so auch der kleine säulenbestückte Innenhof, sagt Hauswald.

Es ist eine Geschichtsstunde der besonderen Art. Eigentlich sind Hauswalds Zuhörer in die Burgstraße gekommen, um die frisch sanierten Wohnungen in den oberen Etagen zu besichtigen. Die Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsgesellschaft Meißen (Seeg) hat zum Tag der offenen Wohnungstür geladen, das Interesse ist groß. Seeg-Mitarbeiter führen durchs Gebäude, Knut Hauswald erklärt anhand von Skizzen und Grundrissen die Geschichte des außergewöhnlichen Hauses.

So weiß er, dass bei Rohrarbeiten in drei Metern Tiefe eine alte Holzstraße aus dem frühen 12. Jahrhundert gefunden wurde, die zeigt, dass die Burgstraße schon damals existierte. Die Stadt Meißen ist also über die Jahrhunderte gut drei Meter in die Höhe gewachsen. Bereits vor zwölf Jahren erwarb die Seeg das direkt zwischen Markt und Burgberg liegende alte Grundstück, das lange Zeit leer stand. „Nach langer Planungsphase haben wir schließlich letztes Jahr direkt nach dem Weinfest mit den Bauarbeiten begonnen“, sagt Seeg-Geschäftsführerin Birgit Richter.

Knut Hauswald, der eine besondere Vorliebe für Bauarchäologie hat und sich bestens in Meißens Geschichte auskennt, war als leitender Architekt von Anfang an dabei. Insgesamt 1,3 Millionen Euro wurden in die ehrgeizige Restaurierung und den Ausbau des alten Hauses investiert.

Auf drei Etagen entstanden so neun außergewöhnliche, zum Teil großzügig geschnittene Wohnungen zwischen 34 und 97 Quadratmetern: Eine Einzimmerwohnung, fünf Zweizimmer- und drei Dreizimmerwohnungen. Die Grundrisse sind dabei genauso außergewöhnlich wie das gesamte Gebäude. Besonderheiten wie alte Holzöfen und Balkone mit Blick auf die Altstadt oder den historischen Innenhof heben den Charme des Gebäudes hervor.

Doch wie an den Malerutensilien im Treppenhaus unschwer zu erkennen ist, sind die Arbeiten in den Wohnungen noch nicht vollständig abgeschlossen. Auch ein Teil der Außenfassade muss noch restauriert werden. „Wir liegen dennoch absolut im Zeitplan“, so Seeg-Mitarbeiter David Császár. So sollen im November die ersten Mieter ihr neues Heim beziehen können. Denn bereits vor dem offiziellen Besichtigungstermin konnten sieben der Wohnungen vermietet werden. Doch auch für die zwei verbliebenen Wohnungen ist die Liste der Bewerber lang.

Das Objekt hat dabei nicht nur Begehrlichkeiten direkt vor Ort geweckt. „Die meisten der Interessierten kommen nicht direkt aus Meißen, sondern aus dem Dresdner Raum oder Radebeul“, so Császár.

Auch für die zwei sanierten Ladenflächen mit 35 und 105 Quadratmetern im Erdgeschoss sucht die Seeg noch neue Mieter. Preislich liegen die Wohnungen und die Ladenflächen mit einem Kaltmietpreis von knapp über sechs Euro pro Quadratmeter nur geringfügig über dem aktuellen Durchschnitt in Meißen.

Bei der Seeg ist man froh darüber, mit der Restaurierung einen weiteren Schritt für die Entwicklung der Burgstraße gemacht zu haben.