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Vom Physiker zum Designer

Mit Chaosfunktionen und Transistoren auf Shirts verbindet Steve Kupke die Mode mit der Wissenschaft.

© Unipolar

Von Miriam Schönbach

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Am Anfang stehen die drei Buchstaben T U N", sagt eine der beiden Gewinnerinnen des Sächsischen Gründerinnenpreises 2019. Jetzt noch für 2020 bewerben.

Auf den ersten Blick wirkt Steve Kupke, wie sich die meisten einen ganz normalen Studenten vorstellen. Die Haare sind leicht zerzaust. Der Drei-Tage-Bart ist hip in diesen Kreisen. Zur Jeans trägt er ein lässiges T-Shirt. Doch diese Kleidung kommt nicht aus einem Laden auf der Prager Straße in Dresden. Vielmehr entwarf der 25-Jährige das Design selbst in seiner ersten Modekollektion. Dabei begab er sich in bislang unbekannte Gefilde. Steve Kupke ist promovierter Elektrotechniker.

Schon früh interessierte er sich für physikalische Phänomene. Warum ist der Himmel blau? In welchem Winkel muss ich die Kugel für ein optimales Ergebnis stoßen? Wie funktioniert ein Trafo? Er will die Natur verstehen. Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, liest er naturwissenschaftliche Wälzer. „Physik war mein Lieblingsfach. Eigentlich wollte ich selbst Erfinder werden“, sagt der Existenzgründer.

Mit aller Neugier stürzt sich der gebürtige Bautzner an der TU Dresden ins Physikstudium. Besonders das Experimentieren gefällt ihm. „Auf einmal erkennt man, wie schön die Mathematik die Natur beschreibt“, schwärmt er. Während seiner Studien spezialisiert sich der Naturwissenschaftler auf die Mikroelektronik und Nanotechnik. Es geht um die Herstellung neuer Nanomaterialien, unter anderem für die Chipherstellung. Ein Nanometer ist ein milliardstel Meter.

Viel Zeit verbringt Steve Kupke mit elektrischen Messungen und ihrer Auswertungen im Labor. Ein halbes Jahr arbeitet er auch an der Universität in Wellington in Neuseeland. Nach weiteren sechs Reisemonaten durch das Maoriland kehrt der Student zurück nach Deutschland. Er bringt seine Promotion zu Ende, denkt jedoch schon parallel über ein Leben nach der Wissenschaft nach. „Wir forschen manchmal über Monate und am Ende kommt nichts heraus. Ich mag keine Routine. Ich wollte endlich etwas Eigenes schaffen“, sagt er. Irgendwann – mitten in dieser Zeit des Nachdenkens und Suchens – läuft ihm ein Kommilitone mit einem ausgewaschenen T-Shirt über den Weg, auf dem die Formel der Einsteinschen Relativitätstheorie steht. Ein Wendepunkt.

Archimedes soll „Heureka“ gerufen haben, als er sich in die Badewanne setzte und so den Auftrieb entdeckte. Steve Kupke eilt an seinen Schreibtisch und bringt seine Geschäftsidee zu Papier: Studenten brauchen neue T-Shirts mit cooleren Designs – wissenschaftliche Glanzleistungen und prägende Momente der Forschung – festgehalten auf T-Shirts, Pullovern und Hemden mit vernünftigen Schnitten und aus fair gehandelten Stoffen. „Ich will eine Brücke schlagen zwischen modischer Kleidung und staubiger Forschung“, sagt der Wissenschaftsbotschafter. So nennt er sich inzwischen selbst und findet auch für sein Label einen passenden Namen: Unipolar.

Sein erstes Shirt designt er Weihnachten 2014 für seine Freundin. Sie ist Biologin. Den Darwinschen Stammbaum und die Galápagos-Finken zeigt der Stoff. Schnell entstehen weitere Motive. Für die Elektrotechniker gibt es den ersten Transistor. Die Mathematiker bekommen auf das Shirt eine Chaosfunktion. Das Unikat für die Psychologen zeigt einen Hund in Verbindung mit einem Fressnapf. „Das stellt den Pawlowschen Reflex dar. Ich möchte gern, dass die Botschaften mit einem Aha-Effekt verbunden sind“, sagt Steve Kupke. Und er will keinen Studiengang auslassen – von der Architektur über die Geisteswissenschaften bis zur Zoologie. Insgesamt 15 Logos hat er schon entwickelt.

Seine Kollektion will er nun den Studenten, Professoren und Wissenschaftsinteressierten nicht nur in Dresden vorstellen. Im Oktober startet er deshalb zu einer Tour an die großen Universitäten in Deutschland. Per Crowdfunding soll seine Idee Wirklichkeit werden – also über viele Unterstützer, die kleine Beträge investieren. „Ich habe diesen Finanzierungsweg gewählt, weil er mir den direkten Kontakt zu meiner Zielgruppe ermöglicht. Die Unterstützer der Idee erhalten ein Kleidungsstück des ersten Sortiments mit selbst gewähltem Design“, sagt der Gründer.

Steve Kupke glaubt fest an den Erfolg seines Modelabels „Unipolar“. Die Geschwindigkeit seines neuen Lebens lässt ihn zuweilen kurz innehalten, um dann wieder Gas zu geben. Schließlich ist die Kleidung in seiner Planung nur der erste Schritt: „Im Anschluss soll alles folgen, was der Student braucht. Trinkflasche, Taschen, Accessoires“, sagt der Jungunternehmer. Zwischen Wissenschaft und Mode ist noch viel Platz für kreative Ideen.

www.uni-polar.de