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Vom Rittergut zum Kulturhaus?

Heidenau hat ein Gebäude und Pirna eine Idee: Trotzdem kommen beide wohl nicht zusammen.

© Daniel Schäfer

Von Thomas Möckel und Heike Sabel

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Heidenau/Pirna. Große Kulturveranstaltungen haben in Pirna derzeit einen schweren Stand. Konzerte, die ordentlich Gäste ziehen, können kaum stattfinden, weil geeignete Räume fehlen. Einziger Ort dafür ist die Herderhalle – eine Sporthalle, die mit Anwohnerbeschwerden wegen des Lärms zu kämpfen hat. Das ehemalige Kreiskulturhaus „Tanne“ hat als Veranstaltungsstätte ausgedient, in dem Objekt entstehen Wohnungen. Auch die ehemalige Fensterbaufirma Hengst ist für Wohnungen reserviert, einen Kultursaal wird es dort nicht geben. Und was aus den Sälen im Weißen Roß und im Schwarzen Adler wird, ist fraglich.

Die Zustände offenbaren ein großes Dilemma: Will Pirna selbst oder auch andere Veranstalter große Kulturveranstaltungen organisieren und etablieren, muss dringend eine zentrale Kulturstätte her, die derzeit allerdings nicht wirklich in Sicht ist. Der Plan vom Pirnaer Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos), das Weiße Roß als eine solche Anlaufstelle für Kulturfreunde auszubauen, fiel zunächst beim Stadtrat durch.

Stattdessen lassen die Abgeordneten jetzt in einer sogenannten Machbarkeitsstudie ergründen, welche Objekte in Pirna generell als kulturstättentauglich einzustufen sind. Der Ausgang ist noch ungewiss, ebenso der Zeitpunkt, wann die Machbarkeitsstudie vorliegt. In dieses Kultur-Vakuum stößt nun die Stadtratsfraktion „Pirnaer Bürgerinitiativen“ mit einem gänzlich neuen Vorschlag, der sogar interkommunal Kreise zieht. PB-Stadtrat Walter Matzke schlug kürzlich vor, Pirna und Heidenau könnten doch künftig gemeinsam ein Kulturhaus entwickeln. Er und seine Fraktionskollegen wollen Oberbürgermeister Hanke damit beauftragen, seinen Heidenauer Amtskollegen Jürgen Opitz zu kontaktieren. Beide sollen ausloten, ob ein solches Projekt eine Chance hat. Sogar ein Grundstück haben die Antragsteller schon im Visier: Das Areal Am Niederhof 2 nahe des Eisenbahnhaltepunktes Großsedlitz, gelegen direkt an der S 172 zwischen Heidenau und Pirna.

Mit ihrem Antrag will die PB-Fraktion generell den Blick weiten, welche Areale möglicherweise für eine Kulturstätte in Betracht kommen. „Wir sind gegen die Scheuklappenpolitik des Oberbürgermeisters, der nur das Weiße Roß im Blick hat“, sagt Fraktionschef Wolfgang Heinrich.

Das Areal Am Niederhof scheint aus seiner Sicht ideal für eine Kulturstätte. Es handle sich bei dem Gelände nicht um ein Wohngebiet, da könnte es auch einmal etwas lauter werden. Zudem könnten potenzielle Gäste bequem anreisen, es gebe auf dem Grundstück viel Platz zum Parken, S-Bahn-Haltepunkt sowie Bushaltestelle befinden sich in unmittelbarer Nähe. Der Pirnaer Stadtrat soll in der Sitzung am 30. Januar über den Antrag beraten.

Genug Orte für Kultur


Heidenau indes hält nicht viel vom Ansinnen aus der Nachbarstadt. Zwar steht das rund 3 800 Quadratmeter große Grundstück Am Niederhof 2 seit 2015 leer und jetzt nach 2006 wieder zum Verkauf. Aber Heidenau sieht da eher Wohnungen als Kultur. 20 Wohnungen befanden sich einst in dem Gebäude. Wie viele es einmal wieder werden könnten, hängt vom Käufer des Geländes ab. Immerhin muss der sich auch mit dem Denkmalschutz beschäftigen. Es handelt sich bei dem Areal um ein ehemaliges Rittergut, das später Teil eines Kammergutes war und zum Besitz des sächsischen Kurfürsten gehörte. Davon ist heute freilich nicht mehr viel zu sehen, entsprechend hoch schätzt die Stadt den Sanierungsbedarf ein.

Die Stadtverwaltung und auch die Mehrheit der Räte sehen in Heidenau immer noch genug kulturvolle Orte. Auch wenn die einstigen großen Kulturpaläste Aufbau, Otto-Buchwitz-Heim und das Kulturhaus des Elbtalwerkes fehlen, bleiben die Aula des Gymnasiums – bald auch mit Fahrstuhl erreichbar – der Sonnenhof, die Drogenmühle, die Bibliothek. Gefehlt habe bisher nichts.