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Vom Schreibtisch zum Sportraum

Die Gerüstbaufirma Gemeinhardt will, dass es Mitarbeitern gut geht. Sie bezahlt Sport und honoriert, wenn jemand Nichtraucher wird.

© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Roßwein. Donnerstagmittags haben mehrere Mitarbeiterinnen aus dem Büro der Firma Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH einen gemeinsamen Termin. Nicht am Beratungs- oder am Mittagstisch, sondern im Reha-Zentrum in Roßwein. Dort tun sie etwas gegen die verspannten Nackenmuskeln, die nahezu allen zu schaffen machen, die die meiste Zeit des Tages am Computer verbringen. Die Mitarbeiterinnen nehmen mit der vom Arbeitgeber bezahlten, sportlichen Auszeit am firmeninternen Programm „Fordern und fördern“ teil. Dafür hat die Geschäftsführung einen Katalog mit verschiedenen Leistungen erstellt. „Mit denen übernehmen wir als Unternehmen soziale Verantwortung für unsere derzeit 50 Mitarbeiter“, sagt Walter Stuber, der mit Dirk Eckart die Geschäfte am Standort Roßwein leitet.

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Im Autohaus Dresden gilt: Wenn Mitarbeiter gute Leistungen zeigen, dürfen sie ihr ganzes Potential entfalten. Da ist so mancher schnelle Aufstieg möglich.

Der Sinn und Zweck des Programmes ist schnell erklärt. „Nur gesunde Mitarbeiter sind motiviert und zuverlässig“, so Dirk Eckart. Daher hat die Geschäftsleitung überlegt, wie sie zur Gesunderhaltung ihres Teams beitragen kann. Im Programm „Fordern und fördern“ ist festgeschrieben, dass Mitarbeiter, die nicht rauchen und selten krank sind, einen Gehaltsbonus bekommen. Zudem gibt es jedes Jahr eine Finanzspritze von 500 Euro für Sportkurse.

Das Rauchen abgewöhnt

Für die Gerüstbauer, die häufig die gesamte Woche über deutschlandweit im Einsatz sind, ist der geförderte sportliche Ausgleich schwierig umzusetzen. Aber auch die Frauen aus dem Büro haben manchmal ihre liebe Not, vom Arbeitsplatz wegzukommen. „Wenn Abrechnungen anstehen oder doch mal jemand krank ist, dann ist die Zeit für den Sport knapp und wir müssen schon mal absagen“, so Ulrike Eckart. Aber sie gibt auch zu: „Wenn ich länger nicht zur Trainingsstunde gehen konnte, fehlt mir die Bewegung.“ Sie und Buchhalterin Gudrun Sehl sind gute Vorbilder für Jenny Morawietz. Jenny ist Auszubildende in dem neuen Beruf Büromanagement. Die Kolleginnen will sie künftig regelmäßig zur Sportstunde begleiten. Insgesamt vier Frauen nehmen das Angebot im Moment an. Einer der Kollegen hat sich das Rauchen abgewöhnt, ein zweiter versucht seit Januar, die Finger vom Glimmstängel zu lassen. Die Förderanreize zeigen Wirkung.

Trainerstunden gebucht

Außer Gesundheitszuschüssen gibt die Gerüstbaufirma Geld dazu, wenn Mitarbeiter ihre Kinder betreuen lassen. Auf Überstunden werden ab einer gewissen Höhe Zuschläge bezahlt. Ein fairer Lohn ist ebenso Bestandteil des „Fordern und fördern“-Programms. Weitere Puzzlesteine sind, dass die Firma Ausgaben übernimmt, die bei Auswärtsbaustellen anfallen, sowie für eine gute Ausstattung mit Werkzeugen und Sicherheitskleidung Sorge trägt. „Wir hoffen, dass wir unseren Mitarbeitern mit diesem Katalog, den Möglichkeiten zu Qualifizierung und zum Mitgestalten über die Firmen-App oder den anonymen Kummerkasten verdeutlichen können, wie wichtig sie uns sind“, sagen beide Geschäftsführer.

Gesundheitsförderung liegt auch anderen Unternehmern am Herzen. Die Gemeinhardt-Mitarbeiter sind nicht die ersten, die im Reha-Zentrum Trainerstunden gebucht haben – zurzeit aber die einzigen. Laut Klaus Dahlke von der Geschäftsleitung würden die Übungen auf die Bedürfnisse und Defizite abgestimmt. Ab drei Teilnehmern biete sich eine Mitarbeitergruppe an.