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Vom schweren Kampf der Zirkus-Branche

Ab Donnerstag gastiert der Circus Probst auf der Cockerwiese. Warum das Überleben schwerer geworden ist.

© Sven Ellger

Von Julia Vollmer

Ihr Haus fährt auf vier Rädern. Schon immer. Stephanie Probst erblickte quasi schon im Zirkus-Wagen das Licht der Welt. „Naja, nicht ganz. Meine Mutter war zur Entbindung nur mal kurz im Krankenhaus“, erzählt die 31-Jährige. Stephanie Probst ist ein echtes Zirkuskind und wuchs zwischen Manege, Wohnwagen und Wildtiergehege auf. Mit ihrem „Circus Probst“ gastiert sie ab Donnerstag in Dresden auf der Cockerwiese. Mit 50 Artisten und Handwerkern reist sie durch Deutschland. Immer mit dabei: ihre rund 70 Tiere. Ob Tiger, Löwen, Zebras, Ziegen oder 25 Pferde.

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Tom Dieck Junior und seine Tigerdame Deli sind zwei von vielen Nummern, mit denen der Zirkus in Dresden auftritt. © Sven Ellger

Familie Probst hofft auf viele Besucher und auf ein volles Zirkuszelt. Denn wie die ganze Branche kämpft auch der Circus Probst um jeden Besucher. „Es gibt einfach heute, anders als noch vor 50 Jahren, viel mehr Konkurrenz“, so Sprecher Mathijs te Kiefte. Reichte früher der bloße Aufbau des Zirkuszeltes, müsse die Familie Probst heute viel Geld für die Werbung ausgeben. Richtig gut laufe es nur noch zu Weihnachten, dann seien die Vorstellungen voll.

Noch ein Problem sind die steigenden Kosten. Sowohl die Gebühren für die Platzmieten als auch die für die Verpflegung der Tiere. „Wir geben 1 500 Euro monatlich für das Fleisch für unsere Wildtiere aus“, so te Kiefte. Dazu kommen rund 2 500 Euro Platzmiete im jeweiligen Ort.

Ein weiteres Problem: das schlechte Image. An der Wildtiere-Haltung in Zirkussen gibt es immer wieder Kritik, von Naturschützern, aber auch von Politikern. „Wildtiere leiden darunter, dass sie Kunststücke vorführen müssen, für die sie oft mit Gewalt dressiert werden, und dass sie im Schnitt 50 Mal im Jahr den Auftrittsort wechseln müssen“, sagt der Deutsche Tierschutzbund. Mathijs te Kiefte kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Unseren Tieren geht es gut, wir achten immer zuerst auf ihr Wohlergehen.“ Auf die Frage, wie dieses kontrolliert wird, sagt er: „Rund 40 Mal pro Jahr werden wir von Amtstierärzten kontrolliert. Sie kommen zu jedem Auftrittsort. Immer unangekündigt.“

Den Kampf um jeden zahlenden Gast kennt auch Roland Paschke, Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Zirkusunternehmen. „Der Zirkus hat es nicht leicht, da sich die Freizeitgestaltung vor allem bei der jüngeren Zielgruppe doch stark verändert hat.“ Zusätzlich gäbe es ein Überangebot an Unterhaltungsanbietern. Am besten komme immer noch der klassische Zirkus mit Tieren, Clowns und Akrobaten an. Denn Kinder seien die Zielgruppe, die noch am häufigsten kommt. Die Zirkus-Szene sei in den letzten zehn Jahren sehr geschrumpft, sagt Paschke. „Es gibt noch fünf bis zehn größere Unternehmen mit engagierten Artisten und Angestellten. Dann gibt es rund 300 kleinere Familien-Zirkusse.“

Einer davon ist auch der Zirkus Probst. Bereits im Jahr 1865 wurde er gegründet. Es gab lange Zeit einen „Ost“- und einen „West“-Probst. Inzwischen hat der heutige Zirkus-Chef Reinhard Probst das Geschäft komplett von seinem Cousin übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau Brigitte und Tochter Stephanie leitet er die Geschäfte. Durch rund 40 Orte touren sie pro Jahr. Immer im Wohnwagen unterwegs. Jede Familie und jeder Artist besitzt ein eigenes Gefährt – mit Dusche, Küche, manche sogar mit einem Whirlpool.

Stephanie Probst, die seit Jahren eine Zirkusnummer mit Pferden aufführt, hat wie viele Kollegen Kinder. Eine Tochter hat sie schon an der Hand, das zweite Baby kommt im Herbst. Auch für die Zirkuskinder gilt die Schulpflicht. „Zu meiner Zeit waren wir noch alle paar Wochen in einer anderen Stadt in der Schule, heute haben wir einen eigenen Lehrer von der evangelischen Zirkusschule“, erzählt sie. Der ist persönlich oder über das Internet immer mit dabei. Im Haus auf vier Rädern.

Circus Probst gastiert vom 28. Juni bis 8. Juli auf der Cockerwiese. Karten gibt es an der Abendkasse oder unter www.circus-probst.de