Teilen:

Vom Söldner zum Söldner

© Montage: SZ-Bildstelle

Wer nicht klein beigeben will, muss sich wehren. Doch wie macht man das am besten? Ein Beitrag aus der Reihe "Besorgte Bürger"

Von Werner J. Patzelt 

Am staatlichen Gewaltmonopol lässt sich zweierlei unterscheiden: die Durchsetzung gemeinsamer Regeln durch die Polizei im Inneren eines Staates – und die Ausübung von Staatsmacht gegenüber anderen Staaten durch das Militär. Wen aber soll man für den Militärdienst heranziehen?

Da liegt die Gegenfrage nahe: Braucht man überhaupt Militär? Wäre nicht eine Welt ohne Krieg und Streitkräfte viel besser? Gewiss, und man soll darauf hinarbeiten! Doch in Gegenwart und absehbarer Zukunft wird kaum jemand in der Ukraine, im Baltikum oder in Israel sich wünschen, auf eigenes Militär zu verzichten. Grundlos entstanden Streitkräfte ja auch nicht. Mit Gewaltsamkeit ausgetragene Streitigkeiten gibt es nämlich, seit Menschen um Dinge konkurrieren, die sie als lebenswichtig erachten. Wer da nicht klein beigeben will, muss sich wohl wehren. Die praktische Frage lautet dann aber: Wie organisiert man das so, dass die Begleitschäden von Streitkräften nicht überhandnehmen? Etwa: die Abstellung anderweitig nützlicher Arbeitskraft fürs Kriegshandwerk, Rüstungskosten, Abwertung von Friedfertigkeit.

In der Geschichte wurde da eifrig experimentiert: ein Staat unterhält eine Berufsarmee (was heute als Normalfall gilt); alle männlichen Bürger sind auch Soldaten (wie in den altgriechischen Demokratien und – bis zur Abschaffung der Wehrpflicht – in vielen Staaten seit der Französischen Revolution); Adlige leisten Heerfolge mitsamt ihren eigenen Leuten; oder man bezahlt Söldner. Heutzutage heißen die auch „Mitarbeiter von Sicherheitsunternehmen“. Alles davon hat Vor- und Nachteile.

Insbesondere ist konkreter Kriegsdienst oft unbequem und gefährlich. Für welche Gegenleistung nimmt man das wohl auf sich? In der Geschichte meist für Kriegsbeute; später für Sold oder durch Kriegsdienst eröffnete Karrieren – und während der Hochblüte des Nationalismus für gesellschaftlich erwiesene Ehre wegen des „Dienstes am Vaterland“. Seit aber Vaterlandsliebe als verächtlich gilt und Kriegseinsatz als schandbar, wurden Söldnerei und Abenteurertum wieder modisch. Heute schickt man dorthin Sicherheitsunternehmen, wohin man sogar Berufssoldaten nicht mehr entsenden mag. Gut so? War es wohl wirklich weise, so etwas wie „Soldatentum“ und „Soldatenehre“ als überholt oder verwerflich zu behandeln?

Der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt schreibt hier im Wechsel mit dem Schriftsteller Michael Bittner.