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Vom Sprengstoff aus dem Schlaf gerissen

Erneut wurden Flüchtlinge in Sachsen attackiert. Mutmaßliche Asylgegner haben darüber hinaus am Samstag zwei Brände gelegt.

© Roland Halkasch

Von Alexander Schneider und Franz Herz

In Dresden und Dippoldiswalde haben unbekannte Täter Feuer gelegt, in Freital wurden Sprengkörper an einem Haus gezündet, in dem Asylbewerber leben. In allen Fällen ermitteln nun auch Beamte des Operativen Abwehrzentrums (OAZ), da von einem politischen Hintergrund der Anschläge ausgegangen werden muss.

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Ein 26-jähriger Bewohner der Unterkunft in der Wilsdruffer Straße in Freital-Zauckerode hatte bereits geschlafen, als der Sprengsatz vor seinem Fenster detonierte. Gestern gegen 0.50 Uhr explodierte der Böller. Die Scheibe zerbarst, der Fensterrahmen ging zu Bruch. Der schlafende Mann in der Unterkunft wurde von Glasscheiben im Gesicht getroffen und leicht verletzt. Das teilte das OAZ mit. Insgesamt haben die Täter drei Sprengsätze – dabei handelte es sich um nicht zugelassene Pyrotechnik – vor Fenstern des Hauses gezündet. Alle drei Scheiben gingen zu Bruch. „Ein rechtspolitisch motivierter Hintergrund der Tat ist sehr wahrscheinlich“, sagte Sprecherin Kathleen Doetsch.

Schon am Samstag gab es zwei Brandanschläge. Kurz nach Mitternacht wurde die Feuerwehr zu einem leer stehenden Hotel in Dresden-Cossebaude gerufen. Dort brannte es in mehreren Etagen des Viergeschossers. Eineinhalb Stunden später wieder ein Alarm, nun in Dippoldiswalde. Auf dem Gelände einer Baufirma in der Friedrich-Engels-Straße standen rund 20 Container in Flammen. Um 1.35 Uhr alarmiert ein Anlieger die Freiwillige Feuerwehr. Die Einsatzkräfte haben bis gestern dort gelöscht. Auch das Technische Hilfswerk wurde angefordert, um die Stahlcontainer mit schwerem Gerät auseinanderzuziehen.

In beiden Fällen ermittelt die Polizei wegen schwerer Brandstiftung. Sowohl in Cossebaude als auch in Dippoldiswalde haben die Ermittler mehrere Stellen gefunden, an denen gezündelt wurde. Ein Defekt oder eine fahrlässige Brandstiftung schließen die Ermittler daher als Ursache aus. Der Eigentümer sagte, er habe die Container dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Stadt Dresden zum Kauf angeboten – sie sollten als Unterkünfte für Flüchtlinge umgerüstet werden.

Das ehemalige „Visa Hotel“ in der Breitscheidstraße in Cossebaude ist bislang nicht als Unterkunft für Flüchtlinge vorgesehen. Der verwahrloste Plattenbau ist seit vier Jahren ungenutzt. Er liegt etwas abseits und ist in einem desolaten Zustand. Der Eigentümer soll in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken, erzählt man sich in Cossebaude.

Die ehemalige Herberge sei schon vor einem Jahr von der Stadt als Asylunterkunft geprüft und abgelehnt worden, sagte Ortsvorsteher Lutz Kusche (CDU). Doch als Arbeiter erst letzte Woche dort überraschend Sachen aus dem Hotel räumten, sei Kusche mehrfach von Bürgern gefragt worden, ob auch dort Flüchtlinge einziehen. „Das Visa-Hotel war bislang nie ein ernstes Thema“, versichert Kusche.

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Die Polizei kann einen Zusammenhang der beiden Brände vom Samstagmorgen nicht ausschließen. Eine halbe Stunde nur braucht man nachts, um von Cossebaude nach Dippoldiswalde zu fahren – genug Zeit für die Täter.

In allen Fällen bittet die Polizei dringend Zeugen um Hilfe unter 0351/4832233.