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Vom Teufel geholt

Eins der wertvollsten Epitaphien des Zittauer Museums wird jetzt restauriert. Auftraggeber Johann Christian Meyer war und ist auch bekannt als „toller Junker“.

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© Rafael Sampedro

Von Elke Schmidt

Das einst fast vier Meter hohe, monumentale Epitaph von Johann Christian Meyer ist in einem schlimmen Zustand. Es ist in viele Einzelteile zerfallen, die teilweise arg beschädigt sind. Das Gemälde aus dem Mittelteil ist zwar noch erhalten, aber im Laufe der Zeit derart nachgedunkelt, dass kaum noch Details erkennbar sind.

Aber es ist trotz alledem sehr wertvoll und durch seinen hohen künstlerischen Anspruch selbst im reichen Epitaphienschatz der Städtischen Museen Zittaus etwas ganz Besonderes, sagt Direktor Peter Knüvener. Er sei daher sehr froh, dass es jetzt endlich resaturiert wird. Dafür bekam das Museum fast 40 000 Euro von der Kulturstiftung der Länder mit Sitz in Berlin. Das ermöglicht die Restaurierung sowie die spätere Installation des Kunstwerkes.

Der königliche Rat und Stadtrichter Johann Christian Meyer ließ es sich einst für sein Grab anfertigen. Er lebte von 1653 bis 1709 und war zu seiner Zeit eine der führenden Persönlichkeiten Zittaus. Er wurde in der Kreuzkirche begraben. Auch sein Epitaph wurde für diese Kirche gefertigt und dort aufgehängt.

Beim Volk war er jedoch sehr unbeliebt. Es hatte zu Lebzeiten des Richters sehr unter dessen Härte zu leiden, denn er war unbarmherzig und streng beim Erheben und Eintreiben der Steuern. Das rächte sich jedoch nach seinem Tod, denn dafür habe ihn der Teufel geholt und ihm den Hals umgedreht, so erzählte man sich. Den Beweis konnte man nach Meinung des Volkes direkt auf seiner Grabplatte sehen. Darüber ziehen sich zwei längliche Einschlüsse, die damals als Spuren der Teufelskrallen interpretiert wurden.

Das Geschehen fand sogar Eingang in die hiesige Sagenwelt. Es entstand die Erzählung vom tollen Junker, der sich fortan immer um Mitternacht aus seinem Grabe erhebt und auf einem von schwarzen Rossen gezogenen Wagen durch die Straßen der Stadt jagt. Sein Kopf ist auf den Rücken gedreht und wer ihn sieht, ist dem Tode verfallen. Es war also damals und ist möglicherweise auch heute noch ratsam, nachts in seinem Bette zu bleiben. Diese Episode ist übrigens Teil des Zittauer Sagenpfades und an der Kreuzkirche nachzulesen.

Beliebt oder nicht, Johann Christian Meyer war ein reicher Mann und konnte sich ein sehr großes, reich geschmücktes Epitaph leisten. Es zeigt eine Szene aus der Bibel, nämlich das Gleichnis „Lasset die Kindlein zu mir kommen“. Sehr wahrscheinlich ist darauf auch er selbst und seine Familie zu sehen, sagt Peter Knüvener.

Epitaphien sind Grabinschriften oder -denkmäler für einen Verstorbenen, die an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler angebracht waren. Sie wurden in Auftrag gegeben, um das Andenken an diese Menschen für die Nachwelt zu bewahren.

Meyers Grabdenkmal soll im nächsten Jahr pünktlich zur Ausstellung „Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz“ fertig restauriert sein und gemeinsam mit anderen aus dem umfangreichen Zittauer Bestand gezeigt werden.

Denn der überaus reiche Schatz an Epitaphien des 16. und 17. Jahrhunderts ist eine lokale Besonderheit. Während in vielen anderen Städten keine oder nur wenige dieser Denkmale erhalten blieben, gibt es bei uns bis zum heutigen Tage über 80 dieser Kunstwerke. Etliche davon wurden vor kurzem restauriert und werden im nächsten Jahr in der zu diesem Anlass restaurierten Zittauer Franziskanerklosterkirche Sankt Peter und Paul gezeigt.