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Von BH-Verlängerer bis Murmeltier-Creme

Der Textilhandel Krautwurst steht viermal im Jahr auf dem Dorfplatz. Es wird nicht nur eingekauft.

Von Elke Braun
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Mit seinem mobilen Textilhandel kommt Josef Sauter regelmäßig nach Marbach. Dort hält er mit Verkäuferin Birgit Schlösser ein nicht alltägliches Angebot bereit.
Mit seinem mobilen Textilhandel kommt Josef Sauter regelmäßig nach Marbach. Dort hält er mit Verkäuferin Birgit Schlösser ein nicht alltägliches Angebot bereit. © Dietmar Thomas

Marbach. Wenn der Krautwurst kommt, wird er von den Marbachern schon sehnsüchtig erwartet. Der mobile Textilhandel mit dem außergewöhnlichen Namen gehört Josef Sauter aus Burgstädt.

Drei Stunden steht der Wagen auf dem neu eingerichteten Händlerplatz am Bürgerhaus. In dieser Zeit gehen Waren über den Ladentisch, die im „normalen“ Handel rar sind. Sockenhalter und Hosenträger für die Herren zum Beispiel, oder BH-Verlängerer. Die braucht Frau, wenn der Büstenhalter zu eng geworden ist.

 „Oft nachgefragt werden Kloßsäcke“, sagt Josef Sauter. Die werden zum Herstellen von grünen Klößen wie zu Omas Zeiten benötigt. Auch Gefrier-Etiketten gehen weg wie warme Semmeln. Büroklammern, Nadeleinfädler, Duschhauben, Anorakkordel oder Taschentücher zum Umhäkeln... Es gibt fast nichts, was es nicht gibt.

„Die älteren Einwohner sind unsere Kunden“, sagt Josef Sauter. Von ihnen wird das Angebot gerne angenommen. Es sind Leute, die nicht mehr so mobil sind und die kaum eine Möglichkeit haben, zum Einkaufen in die nächst größere Stadt zu fahren. Im Textilhandel Krautwurst erhalten sie zudem so viele Dinge, für die sie in der Stadt gleich mehrere Geschäfte aufsuchen müssten. 

Denn Josef Sauter hat längst nicht nur Textilien im Angebot. Bei ihm gibt es auch Schuhe, Schreib-, Drogerie- und Kurzwaren. Ein Marbacher kommt mit einer Tube aus dem mobilen Geschäft. „August der Starke“ steht darauf. Der Inhalt hat allerdings außer dem Namen nichts mit dem sächsischen Monarchen gemeinsam. „Das ist ein super Alleskleber“, sagt der Mann.

Auch Arnika-Balsam oder Ringelblumensalbe stehen im Regal. Die Murmeltier-Creme, die schmerzstillend und entzündungshemmend wirken soll, ist gerade aus. „Aber die bestelle ich nach“, sagt Josef Sauter. Für ihn ist es nicht immer leicht, das komplette Sortiment an Bord zu haben.

 „Man weiß nie, was die Kunden gerade brauchen.“ Aber selbst, wenn ein Artikel mal nicht vorrätig ist, helfen Josef Sauter oder Verkäuferin Birgit Schlösser weiter. „Dann bestellen wir das und schicken es dem Kunden zu. Oder wir bringen es beim nächsten Mal mit.“

In Stoßzeiten wird es manchmal ein bisschen eng im Verkaufsraum. Das macht aber nichts. Geduldig erklärt Verkäuferin Birgit Schlösser den Kunden das Angebot. Sie ist schon seit 24 Jahren mit dem Textilhandel Krautwurst unterwegs.

Regina Hocke hat Pantoffeln für ihren Mann gekauft. „Ich nutze das Angebot gerne und regelmäßig“, erzählt sie. „Hier werde ich gut beraten.“ Hosenträger und Socken hat eine andere Marbacherin in ihrem Körbchen. 

„Ich finde es gut, dass es hier Dinge gibt, die ich anderswo nicht bekomme“, sagt sie. Josef Sauter zeigt ein Set Kuliminen. „Die muss ich immer vorrätig haben.“ Für die ältere Kundschaft komme es nicht infrage, einen Kugelschreiber wegzuschmeißen, nur weil die Mine leer ist.

Froh über neuen Stellplatz

Josef Sauter weiß, dass die Kunden nicht nur zum Einkaufen zu ihm kommen. „Manchmal wollen sie auch nur schauen und sich ein bisschen unterhalten“, sagt er. Das sei dann wie ein kleiner Dorftreff. Gerade das sei es aber, was ihm an seiner Arbeit so gefällt. Und so unterhält er sich mit seinen Kunden über Gott und die Welt oder manchmal auch einfach nur übers Wetter.

Josef Sauter stammt aus Bayern und ist eigentlich von Beruf Molkereifachmann. Durch einen Bekannten kam er zum Textilhandel und nach Sachsen. Hier lernte er seine Frau Elke kennen. „Die heißt mittlerweile auch Sauter mit Nachnamen, ist aber eine geborene Krautwurst“, sagte er. 

Der Textilhandel hatte unter diesem Namen bereits einen hohen Bekanntheitsgrad. „Deshalb haben wir ihn beibehalten.“ Und so heißt es auch jetzt noch: ...wenn der Krautwurst kommt. Das nächste Mal wird das in Marbach im Juni sein.

Froh ist Sauter darüber, dass er in Marbach seit Anfang des Jahres zwischen der Sparkassenfiliale und dem Bürgerhaus einen neuen Stellplatz hat. Diesen nutzte er am Donnerstag zum zweiten Mal. 

Vorher musste er sich immer auf dem kleinen Parkplatz vor dem ehemaligen Konsum eine Stellfläche suchen. Das sei oft gar nicht so einfach gewesen. Der Stellplatz im Bürgerhof, der auch allen anderen mobilen Händlern zur Verfügung steht,ist auf Initiative des Ortschaftsrates entstanden. 

Unterstützung gab es von Mitgliedern des Jugendclubs, des Jugendrotkreuz und des Heimatvereins. Das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft förderte den Platz mit knapp 9 500 Euro. Damit konnten 80 Prozent der Kosten bezahlt werden. Den Rest finanzierte der Ortschaftsrat aus seinem Budget oder wurde durch Eigenleistung erbracht.