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Von der Not- zur Dauerlösung

Einwohner ärgern sich über den Kabelsalat an Telefonmasten. Sind Oberlandleitungen überhaupt noch zeitgemäß?

© Kristin Richter

Von Jörg Richter

Blochwitz. Wilfried Ruhland ist 85 Jahre alt. Eigentlich braucht sich der Blochwitzer gar nicht mehr aufregen, was in seinem Heimatort passiert oder nicht passiert. Doch Ruhland ist die Zukunft seines Dorfes nicht egal. Sie begann, telefonisch gesehen, vor 24 Jahren.

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1993, also drei Jahre nach der Deutschen Einheit und 132 Jahre nach der Erfindung des Telefons, versorgte die Deutsche Bundespost den kleinen Ort an der brandenburgisch-sächsischen Grenze mit Festnetzanschlüssen. Jeder, der wollte, erhielt ein Telefon. „Ein Wunsch vieler Bürger ging in Erfüllung“, erinnert sich Wilfried Ruhland. „Denn vorher hatten wir ja nur zwei Telefone im Dorf. Eines für den Bürgermeister und eines im Konsum.“ Die Deutsche Bundespost, die damals noch das Telefonmonopol besaß, ließ die Fernsprechkabel entlang der Straßen an Masten aufhängen, und von dort zu den Wohnhäusern. An fast jedem Masten sind die Kabel in Schlaufen gelegt, was nach Wilfried Ruhlands Dafürhalten ziemlich provisorisch aussieht. Das wurde ihm damals auch bestätigt. Auf die Frage, ob dies so bleibe, erhielt er die Auskunft, dass erst mal alle Blochwitzer einen Telefonanschluss bekommen sollen. Später würde man die Art der Verlegung der Kabel noch ändern. „Das haben wir akzeptiert“, erzählt Ruhland. „Immerhin war jeder froh, endlich ein eigenes Telefon zu besitzen.“

Doch geändert hat sich in den letzten 24 Jahren nichts. Außer, dass in Frühjahr dieses Jahres zwei morsche Holzmasten ausgewechselt wurden. „Seitdem haben wir den Verdacht, dass das auch in den nächsten 24 Jahren so bleibt“, sagt der Rentner. „Zur Verschönerung des Dorfbildes trägt das nicht bei.“ Auch wenn Blochwitz am Rand des Landkreises Meißen und des Freistaates Sachsen liege, sollte dieses Provisorium verändert werden, fordert Ruhland. „Ich will keine Pferde scheu machen, sondern nur daran erinnern, dass man es nicht vergisst.“

Doch wie die SZ von Georg von Wagner, dem Pressesprecher der Deutschen Telekom AG in Berlin, erfährt, ist für Blochwitz gar keine andere Lösung vorgesehen. Die Oberlandleitungen seien immer noch zeitgemäß. „Sie werden überall dort eingesetzt, wo ein unterirdischer Ausbau nicht wirtschaftlich ist“, sagt Georg von Wagner. „Oberirdisch verlegte Leitungen unterscheiden sich von unterirdisch verlegten technologisch nicht. Wenn die Gemeinde eine unterirdische Verlegung wünscht, so werden wir gern ein entsprechendes Angebot unterbreiten.“

Deshalb sind Kabelschlaufen wichtig

Auch die Kabelschlaufen an den Masten, die Wilfried Ruhland für ein Provisorium hält, hätten ihre Berechtigung. Sie sind als zusätzliche Reserve bei möglichen Störungen gedacht, z. B. bei Sturmschäden. „Dann fällt nur ein Mast um und nicht die ganz Linie, weil die Schlaufe zusätzliche Leitungslänge zur Verfügung stellt“, erläutert der Telekom-Pressesprecher. Ebenfalls ließen sich durch die zusätzliche Leitungslänge Störungen besser und leichter beheben. Und neu hinzukommende Kunden ließen sich damit auch leichter in das Telefonnetz einbinden.

Aus der einstigen Notlösung ist eine Dauerlösung geworden. Die zieht aber ein anderes Problem nach sich. „Überall wird von Breitbandversorgung und schnellem Internet geredet. Davon können wir hier nur träumen“, sagt Wilfried Ruhland. Ihn selbst interessiert das zwar weniger, aber seine Kinder und Enkel schon.

Prinzipiell sei Internet auch über Oberlandleitungen möglich, so die Telekom. „Welche Geschwindigkeiten in Blochwitz zur Verfügung stehen, können die Kunden auf www.telekom.de/telekom-netz für ihre Adresse selber in Erfahrung bringen“, antwortet Georg von Wagner. – Die SZ machte den Test: In Blochwitz bietet die Deutsche Telekom ihren Tarif „Call & Surf“ an. Aber nur über Funk und nicht per Kabel. Und die Übertragungsrate lässt auch zu wünschen übrig. Gerade mal 16 MBit/s sind möglich.