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Von der Rolle

Der Onlinedrucker Saxoprint setzt auf eigene Neuentwicklungen. Das spart Zeit und Geld.

© Sven Ellger

Von Bettina Klemm

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Klaus Sauer wird die Weihnachtszeit noch häufiger als sonst in den Produktionshallen von Saxoprint sein, das ist schon jetzt gewiss. Denn dort wird gerade eine neue Druckmaschine aufgebaut. Ende des Monats soll sie anlaufen. Da die riesige Offsetmaschine ein „Baby“ von Sauer ist, liegt ihm der gute Start besonders am Herzen. Der Saxoprint-Geschäftsführer hat sie gemeinsam mit dem Hersteller Heidelberger Druckmaschinen AG entwickelt. Die Papierrollen haben eine Breite von 1,62 Metern und sind bis zu vier Tonnen schwer. Riesige Kräfte treten auf: Die vier Tonnen müssen in der Maschine erst einmal bewegt, aber auch abgebremst werden. Von der Rolle werden die Papierbogen geschnitten und dann zweiseitig bedruckt. Das erspart das wiederholte Einlegen von Papierbögen. „Die Maschine wird am Ende doppelt so schnell drucken, und das mit dem gleichen Personal“, sagt Sauer. Fast sieben Millionen Euro kostet die fast fünfzig Meter lange Druckmaschine.

Der 57-Jährige hat einst seine berufliche Laufbahn beim Heidelberger Druckmaschinenhersteller begonnen. Mit einigen der heutigen Mitarbeiter stand er einst gemeinsam an einer Werkbank. Das schmiedet zusammen.

Die neue Druckmaschine ist nicht das erste gemeinsame Projekt. Seit 2014 ist Saxoprint Referenzkunde von Heidelberg. Der Druckmaschinenhersteller bringt seine Kunden, beispielsweise aus den USA und Asien, mit Bussen nach Dresden, damit diese vor Ort die neuesten Maschinen und Prozesse sehen können. Viele Maschinen in den Werkhallen an der Enderstraße sind Sonderanfertigungen, die durch Flyer, Kataloge oder Werbemittel entstehen. In den vergangenen sechs Jahren hat Saxo-print nach eigenen Angaben etwa 45 Millionen Euro in neue Technik investiert. „Wir müssen Innovationen vorantreiben, um Kostenführer zu bleiben“, sagt Sauer. Da Material- und Personalkosten in allen Druckereien etwa gleich sind, gibt es nur durch die Fertigungskosten und die Automatisierung einen Vorteil. Die Onlinedruckerei ist mit 4 000 bis 5 000 Druckaufträgen pro Tag einer der europäischen Marktführer und will dies auch gern bleiben. Auf der Drupa, der Messe für Printmedien in Düsseldorf, verklickerte Sauer vor zwei Jahren seinen früheren Kollegen die Idee mit der Riesenrolle. Eineinhalb Jahre tüftelten und rechneten sie gemeinsam. Im Frühjahr gab es die ersten Druckversuche, im Sommer schließlich erfolgte am Produktionsstandort in Wiesloch die erste Abnahme. Dann wurde die Maschine wieder abgebaut und meist nachts mit 40-Tonnern und Blaulicht nach Dresden gebracht.

„Da bekommt man schon Gänsehaut“, gesteht Sauer, der beim Gang durch die Produktionshalle penibel auf Ordnung achtet. Hier hat alles nach der 5S-Methodik seinen zugewiesenen Platz, fein säuberlich nach Farben sortiert. Auch der Umweltschutz spielt eine bedeutende Rolle. So werden alkoholfreie und abbaubare Farben verwendet. Durch Sammeldruckverfahren gibt es möglichst wenig ungenutztes Papier. Saxoprint wurde 1999 gegründet und ist seit 2012 ein Tochterunternehmen der Cewe-Stiftung. Das Unternehmen beschäftigt in Dresden 560 Mitarbeiter. Ende Oktober zeichnete die Industrie- und Handelskammer Dresden Saxoprint als vorbildlichen Ausbildungsbetrieb aus. Derzeit sind 25 Auszubildende in sechs Berufen bei der Druckerei beschäftigt. Entscheidende Kriterien für die Auszeichnung sind, so die IHK, eine dauerhaft gute Ausbildungsqualität mit hoher Erfolgsquote sowie ehrenamtliche Mitarbeit in den Ausschüssen der Kammer.

Insgesamt kommen die Mitarbeiter aus 30 Ländern. Seit zwei Jahren stellt Saxoprint auch Flüchtlinge ein und hilft, diese zu integrieren. 20 von ihnen arbeiten derzeit an den Maschinen. Nach Aussage von Sauer meist genauso gut wie deutsche Mitarbeiter. In diesem Jahr hat Saxoprint die Berliner Firma Laserline mit 160 Mitarbeitern gekauft. Im Gegensatz zur Dresdner Massenproduktion handelt es sich dabei eher um eine Manufaktur, die auch individuelle Einzelanfertigungen anbietet. Damit erweiterte die Onlinedruckerei ihr Portfolio und den Kundenkreis. Der Betrieb in Dresden erzielt einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro, etwa 16 Millionen sind es bei Laserline.

Saxoprint baute einst die früheren Robotron-Gebäude an der Enderstraße um und aus. Nun hat das Unternehmen für rund 20 Millionen Euro das komplette Areal mit 45 000 Quadratmetern Produktionsfläche erworben. Etwa die Hälfte davon nutzt Saxoprint selbst. Es ist aber auch Vermieter, beispielsweise für den Feinwerktechnikproduzenten Pentacon und den Fenster- und Fassadenspezialisten Batimet.