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Von der Sattlerei zur Raumausstattung

„Reichelt die Einrichter“ blickt auf 180 Jahre Familientradition zurück. Wie sich der Ein-Mann-Betrieb entwickelte.

© Frank Baldauf

Von Anja Ehrhartsmann

Ruppendorf. Elegante Holzböden, ausgewählte Stoffe, wertvolle Sitzmöbel – daran dachte Unternehmensgründer Gottlieb Gahmig wahrscheinlich nicht, als er 1837 in Ruppendorf eine kleine Sattlerei eröffnete, dem heutigen Firmenstammsitz von „Reichelt die Einrichter“. In siebter Generation wird das Familienunternehmen mittlerweile geführt, das den Schwerpunkt auf das Thema Raumausstattung legt. Neben dem Stammhaus mit Manufaktur in Ruppendorf gehört auch das Einrichtungshaus „House of Jab Anstoetz“ am Fetscherplatz in Dresden dazu.

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Im Wohnhaus in Ruppendorf war die Sattlerei untergebracht.
Im Wohnhaus in Ruppendorf war die Sattlerei untergebracht. © privat

„Ich bin voller Dankbarkeit, dass mein Sohn und mein Schwiegersohn das Unternehmen weiterführen. In der heutigen Zeit ist das keine Selbstverständlichkeit“, sagt Jörg Reichelt, der den Betrieb 1989 von seinem Vater Werner Reichelt übernommen hat. 2005 kamen Sohn Manuel Reichelt, wie der Vater Raumausstattermeister, sowie Schwiegersohn und Parkettlegemeister René Ebert als Geschäftsführer dazu und mit ihnen der zweite Standort in Dresden. „Wir sind durch den Markt in Dresden gewachsen, auch personell.“ 2007 wurde deshalb in Ruppendorf die Manufaktur angebaut, auch das Einrichtungshaus am Fetscherplatz hat sich vergrößert. Und so wie es ist, soll es bleiben.

Denn dass auch andere Zeiten kommen können, weiß Reichelt nur zu gut. Kurz, nachdem er die Geschicke der Firma 1989 übernommen hatte, kam die Wende. „Damals gab es die Überlegung, den Betrieb zu schließen, weil alles so unsicher war.“ Doch innerhalb der Familie sei dann der Entschluss gefallen, weiterzumachen und zu investieren. So wurde 1992 der Bedarfsmarkt für Raumausstattung in Ruppendorf eröffnet. „Hier sah es aus wie im Baumarkt“, sagt Reichelt und lacht. „Wir haben westdeutsche Gardinen von der Rolle geschnitten“, erinnert er sich noch genau. Schwierig sei es dann noch einmal Ende der 1990er-Jahre gewesen, als die Baubranche in Ostdeutschland in die Krise geriet. „Wir haben frühzeitig reagiert und konnten weitermachen.“ Der Raumausstatterbetrieb, zu dem damals auch schon das Fußbodenlegen gehörte, sei dann über die Jahre nach und nach weiter aufgebaut worden, den Ansprüchen der Kundschaft angepasst.

Und die Kundenwünsche hätten sich in den vergangenen 25 Jahren gewaltig geändert – weg von billig, hin zu Qualität, sagt Reichelt. Viele achten auf Umweltverträglichkeit und wollen wissen, wo die Materialien herkommen. Deshalb spiele das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen eine große Rolle. „Früher wurde außerdem mehr weggeschmissen, heute lassen die Leute wieder mehr aufpolstern.“ Auch der Kundenkreis selbst sei im Wandel. Immer mehr jüngere Leute leisten sich bewusst hochwertige Dinge, beobachtet Reichelt. Haupteinsatzort des Ruppendorfer Unternehmens sei Dresden und der Weißeritzkreis, aber auch Nizza, Moskau oder Brüssel. Auf der Referenzliste der Einrichter stehen die Festung Königstein, das Barockschloss Rammenau, die Gläserne VW-Manufaktur in Dresden, aber auch Kreuzfahrtschiffe und Hotels. Den Kunden jeweils zufriedenzustellen, darauf werde großen Wert gelegt. „Wir kümmern uns auch nach wie vor um die kleinen Sachen, jeder Kunde ist gleich wichtig. Das unterscheidet uns wahrscheinlich auch von anderen“, so Reichelt. Wenn jemand zum Beispiel seine Gardine gekürzt haben will, sei das kein Problem. „Wir sind in der Manufaktur bis zu acht Leute und können da schnell reagieren.“ Doch nicht nur die Kunden sollen nach Möglichkeit zufrieden sein, auch die Mitarbeiter: „Wenn alle Freude an der Arbeit haben, dann ist es keine Arbeit, sondern Berufung.“