merken

Von Handwerk und Hochprozentigem

Mehr Klasse statt Masse: In der Spirituosen-Branche geht der Trend zu qualitativ hochwertigen Drinks. Das machen sich auch kleinere Destillerien zunutze.

© dpa/Boris Roessler

Von Jörn Perske

Anzeige
Wein der „sächsischen Riviera“

Wein auf Sächsisch: Seit 1992 wimdet sich das Weingut Jan Ulrich der Herstellung von Qualitätswein aus dem Elbtal.

Alkohol am Arbeitsplatz ist für Nina Lang ganz normal. Die junge Frau trinkt von Berufs wegen regelmäßig. Mit einer Pipette und einem Glas ausgestattet steigt sie in den Lagerkeller hinab und zapft aus schweren Holzfässern Kostproben. Korn und Whisky – aber alles nur zur Qualitätskontrolle, versteht sich. Lang ist Destillateur-Meisterin bei der Schlitzer Destillerie in Osthessen. Die Brennerei ist nach eigenen Angaben eine der ältesten der Welt. Die Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1585.

Heute hat sich das kleine Unternehmen mit 20 Mitarbeitern erfolgreich in einer Nische eingerichtet. Die Brennerei bedient einen Trend: handwerklich hergestellte und hochwertige Spirituosen. Nach Craft-Bier kommen nun zunehmend Craft-Spirituosen auf den Markt. „Wir liefern nicht für den Massenmarkt, sondern konzentrieren uns auf unsere Stärken: handwerklich hergestellte Spirituosen mit hoher Qualität und Glaubwürdigkeit“, sagt Geschäftsführer Tobias Wiedelbach.

Die Gesellschaft für Konsumforschung sieht ebenfalls den Trend. „In zunehmendem Maße treten handwerklich hergestellte Spirituosen in Erscheinung“, erklärt Spirituosen-Experte André Beron. „Gerade bei den Hochprozentern ist eine gesteigerte Orientierung der Verbraucher an Wertigkeit zu erkennen.“ Der Mengenkonsum trete dagegen zunehmend in den Hintergrund. „Eine Entwicklung, die auch in den nächsten Jahren die Spirituosen-Nachfrage kennzeichnen dürfte.“ Mehr Klasse als Masse ist also gefragt. Die Kundschaft sei durchaus gewillt, für bessere Qualität ein paar Euro mehr zu bezahlen.

Auch der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure beobachtet ein zunehmendes Interesse der Konsumenten an Craft-Spirituosen. „Konsumenten schätzen das Handwerk und den Traditionsgedanken im Zusammenhang mit der Herstellung von Spirituosen“, sagt Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick.

Die Schlitzer Destillerie, die gar nicht so viel und günstig produzieren kann wie die Platzhirsche der Branche, hat aus der Not eine Tugend gemacht. „Bei uns entscheiden der gute Geschmack und die Erfahrung des Brennermeisters, wie unsere Erzeugnisse munden und nicht Maschineneinstellungen in der industriellen Fertigung“, erklärt Geschäftsführer Wiedelbach. Zudem könne die Destillerie viel schneller auf Trends reagieren als die großen Tanker. „In sechs bis zwölf Monaten können wir ein neues Produkt liefern“, sagt der Geschäftsführer.

Schlitzer hat rund 50 Produkte im Portfolio, darunter auch prämierten Whiskey und natürlich einen Gin. Der Wacholder-Schnaps hat sich zum beliebten Szene-Getränk gemausert. Die Schlitzer setzen darauf, dass als nächstes Korn groß herauskommt. „Wir sind überzeugt, dass Korn einen neuen Hype bringt. Wir haben schon etliche Fässer eingelagert“, sagt Wiedelbach. Der urdeutsche und mehr als 500 Jahre alte Schnaps könne je nach Fasslagerung unterschiedlich schmecken. „Korn kann sehr variantenreich sein. Man kann ihn natürlich pur trinken. Oder auch mit speziellem Tonic Water kombinieren.“

Von hochwertigem Korn als Mode-Getränk ist auch der Branchen-Riese Berentzen überzeugt. Der Getränkehersteller aus dem Emsland hat nun einen Premium-Doppelkorn im Repertoire. „Wir sehen den Crafted-Korn absolut als aufkeimenden Trend“, sagte Vorstand Oliver Schwegmann. (dpa)