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Von Holzäppeln und Co.

Im Schloss Lauenstein wird eine kleine und feine Schau eröffnet. Zum Schlossfest gibt es aber noch viel mehr zu sehen.

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© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Lauenstein. Musiker, Hexen und Feuerengel werden an diesem Wochenende den Schlosshof in Lauenstein bevölkern. Ritter werden zum Schwert greifen, um sich zu duellieren. Und aus sicherer Entfernung werden die Handwerker zuschauen, die zeigen, wie Münzen geprägt, Kerzen und Siegel hergestellt werden. Der ganze Trubel, zu dem die Veranstalter viele Besucher erwarten, beginnt sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag um 10 Uhr. Während im Schlosshof das laute Mittelalter auflebt, wird es im Schloss mit seiner breitgefächerten Dauerausstellung ruhiger zugehen. Wer möchte, kann sich führen lassen oder sich die neue Sonderausstellung anschauen, die am Sonnabend eröffnet wird. Indirekt hat sie auch mit dem Mittelaltertreiben zu tun. Denn hier werden Wildobstarten vorgestellt, die unsere Altvorderen kannten und zu nutzen wussten. Manche sind noch heute bekannt, andere fast in Vergessenheit geraten, sagt Anke Proft. Die 47-Jährige arbeitet beim Umweltverein Grüne Liga Osterzgebirge und hat die Ausstellung in einem Kraftakt konzipiert. In zwei Monaten hat sie aus den Unterlagen und Fotos des Umweltvereins diese kleine, feine Ausstellung organisiert.

Die Grüne Liga hat einen reichen Fundus. Der Umweltverein hat sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Wildapfel, der Gemeinen Eberesche, dem Wacholder, der Wildbirne und der Alpenjohannisbeere beschäftigt und dabei nicht nur ermittelt, wo Exemplare dieser Obstarten stehen. Der Verein hat in vielen Fällen auch dafür gesorgt, dass sich die Lebensbedingungen verbessern. Das bei der Pflege gewonnene Wissen ist Grundlage für die Schau.

Da die heimische Natur aber noch wesentlich mehr Wildobstarten zu bieten hat, beschränkt sich die Ausstellung nicht auf die fünf. Gezeigt werden knapp 30 Wildobstarten, auch sehr seltene. Dazu zählen die Mispel – nicht zu verwechseln mit dem „Schmarotzer“ Mistel – und die Gebirgs-
eberesche. „Obwohl es Hinweise gab, dass Exemplare der Gebirgseberesche am Fichtelberg stehen sollen, haben wir sie nicht gefunden“, sagt Frau Proft. Dennoch werden die Besucher der Ausstellung Fotos dieser Wildobstart zu sehen bekommen.

Feuerengel, Ritterkämpfe und ein Chorkonzert

Sonnabend, 9. September

10 Uhr: Markteröffnung;

10.40 Uhr: Umzug der Gewandeten;

11/13/15 Uhr: Museumsführungen;

11/13/15 Uhr: Falknervorführungen;

11/13.15/14.30 Uhr: Feuerengel Gabriel;

12/15.30/18 Uhr: Ritterkämpfe;

14 Uhr: Kirchenführung und Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Schloss;

15 Uhr: Puppentheater;

17 Uhr: Orgelkonzert mit Matthias Eisenberg;

19.30 Uhr: Programm mit Kasjopaja und Ars Floreo;

21 Uhr: Feuershow;

Sonntag, 10. September

10 Uhr: Markteröffnung;

11/13/15 Uhr: Museumsführungen;

11/13/15 Uhr: Falknervorführungen;

11/13.15/15/16.15 Uhr: Feuerengel Gabriel;

12 Uhr: Puppentheater;

12.30/13.30 Uhr: Ritterkämpfe;

14 Uhr: Kirchenführung und Chorkonzert im Barockgarten, u.a. mit dem Männergesangverein Lauenstein-Geising;

17 Uhr: Abschluss mit Hexe Wilma

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Eine besondere Note erhält die Ausstellung durch die Zeichnungen, die der in der Fachwelt anerkannte Botaniker Bernd Schulz von der TU Dresden anfertigte. Sehenswert sind auch die Fruchtmodelle der Firma Somso und die sogenannten Holzbücher vom inzwischen verstorbenen Dr. Christian Schmerler aus Rabenau. Frau Proft ist zuversichtlich, dass auch diese Ausstellung wieder ihre Fans findet. Dass sich Menschen für besondere Obstarten interessieren, zeigte bereits die Ausstellung, die die Grüne Liga 2013 organisierte. „Die war sehr gut besucht“, sagt Museumsleiterin Gabriele Gelbrich. Deshalb ist sie guter Dinge. Frau Proft hingegen ahnt bereits, mit welchen Anliegen die Besucher kommen werden. Sie wollen sich die Arten nicht nur anschauen, sondern auch wissen, ob die Umweltschützer Tipps geben könnten, welche Arten sie sich selbst anschaffen sollten, was beim Anbau und der späteren Ernte zu beachten ist. Und die Ausstellungsmacher werden sogar Tipps geben können, wie die Früchte weiterverwendet werden können. Beim osterzgebirgischen Wildapfel hat die Grüne Liga das selbst sehr weit vorangetrieben. Sie gründete 2009 eine Verwertungsgesellschaft, die Holzäppelnatur GbR. In deren Auftrag werden Gelee, Wildapfeltee und Wildapfelbrand hergestellt. Die Grüne Liga bietet das auf Märkten an. „Über den Nutzen von Wildobst werden wir mit den Besuchern ins Gespräch kommen“, glaubt Anke Proft. Vielleicht gelingt das bereits an diesem Wochenende, wenn der ein oder andere nach seinem Bummel über den Handwerkermarkt ein wenig Ruhe sucht. Die Ausstellung im Erdgeschoss bietet nicht nur das. Hier kann man die heimische Natur noch ein bisschen besser kennenlernen – ohne das Festgelände verlassen zu müssen.