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Von Meißen ins Dresdner Rathaus

Normalerweise spielt der Schach-Bundesligist USV TU in Meißen in den Räumen der UKA. Jetzt gab es eine Ausnahme.

© Robert Michael

Tilman Barthel und Alexander Hiller

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Meißen. Für ausufernde Freudentänze sind Schachspieler ohnehin nicht bekannt. Und so huschte den Akteuren des Bundesligisten Universitätssportverein der TU Dresden (USV) angesichts der ungewohnten Heimspielkulisse in unbeobachteten Momenten vielleicht ein kleines Lächeln über die Lippen.

Denn erstmals seit dem Erstliga-Aufstieg durften die höchstklassig spielenden Denksportler aus der Landeshauptstadt im Festsaal des Dresdner Rathauses zu einem Bundesliga-Wochenende ran – zur 7. und 8. Runde. Möglich wird das ungewöhnliche räumliche Agreement durch die Sportstättenförderung der Stadt Dresden. Die Mietkosten erhält die Schachabteilung nach einem Förderantrag beinahe vollständig zurück. Bereits das Pokalfinale in der letzten Saison durfte der USV TU als Gastgeber im Rathaus austragen.

Üblicherweise spielen die Denksportler aus der Bundesliga ihre Heimpartien nämlich in den Räumen der Umweltgerechten Kraftanlagen (UKA) am Dr.-Eberle-Platz in Meißen-Cölln aus. Seit einigen Jahren tritt die Firma als Sponsor sowohl des USV TU als auch der Deutschen Schach-Nationalmannschaften auf. Regelmäßig finden Spieltage der besten deutschen Spieler statt. Dafür werden normalerweise acht Bretter an acht Tischen aufgebaut, an denen sich jeweils zwei Spieler duellieren. Die Mannschaft, die am Ende mehr als vier Punkte hat, gewinnt. UKA-Ceschäftsführer Gernot Gauglitz gilt übrigens als Internationaler Meister und kann auf Erfolge bei Seniorenmannschafts-WM‘s im Schach zurückblicken.

Der neuliche Ausflug der Schach-Bundesligisten ins Dresdner Rathaus hat den Gastgebern jedenfalls gefallen. Darauf lassen zumindest die starken Ergebnisse schließen. Der USV setzte sich gegen den letztjährigen Vizemeister SV Hockenheim mit 4,5:3,5 durch. Bei den Gästen tritt hin und wieder der ehemalige Weltmeister Anatoli Karpow an. Der 66-Jährige hat in dieser Saison allerdings noch kein Spiel für Hockenheim bestritten – und so warteten auch knapp 50 Dresdner Schachfans am vergangenen Wochenende vergebens auf den introvertierten Großmeister.

Der Auftritt der Elbestädter mit ihren fünf Großmeistern aus der Ukraine, Ungarn und Polen sowie Deutschland, aber ohne die bekannteste deutsche Schachspielerin, Elisabeth Pähtz, dürfte dafür entschädigt haben.

Denn auch am zweiten Wettkampftag hatten die Dresdner für das Gesamtklassement beim 4:4 gegen den Aufsteiger SV Hofheim gepunktet. „Minimalziel für dieses Wochenende waren zwei Punkte – aber beide schon gegen Hockenheim hatten wir nicht erwartet“, sagte Mannschaftsführer Paul Hoffmann. Nach acht von 15 Bundesliga-Runden verfügt der USV TU nun über ein positives Punktekonto und liegt in dem 16er-Feld auf dem achten Platz. Jenseits aller Abstiegssorgen.

Besonderen Anklang fand der Spielort auch bei den USV-Akteuren – obwohl die meisten mit ihren Gedanken wohl ganz woanders waren. „Ich habe mich sehr gefreut, hier spielen zu dürfen“, sagte etwa Zoltan Amasi – und das vor seinen zwei Einzelsiegen.

www.schachbund.de/SchachBL