Merken

Von Null auf 160

Vor 25 Jahren hat Cornelia Brambor allein mit der Hauskrankenpflege angefangen. Jetzt beschäftigt sie 160 Mitarbeiter. Dabei bleibt es nicht.

Teilen
Folgen
© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Roßwein. Wer kennt sie nicht, Gemeindeschwester Agnes, die auf ihrem Schwalbe-Moped von einem Patienten zum nächsten knattert. Genauso war Cornelia Brambor unterwegs. „Meine Schwalbe war grün“, erinnert sie sich. Doch die Wende bringt für die Roßweinerin nicht nur berufliche Veränderungen mit sich. Nach dem Mauerfall wird sie Witwe, ihr jüngster Sohn Benjamin ist gerade einmal ein paar Monate alt. Da hört sie auf den Rat ihres damaligen Chefs ¬ und macht sich selbstständig.

„Ich habe immer in Roßwein gewohnt, kenne ganz viele Leute. Deshalb habe ich mir das auch zugetraut“, erzählt Cornelia Brambor. Ihre Intension sei gewesen, sich den Tagesablauf so gestalten zu können, wie es den Patienten, aber auch für ihre Familie passte. Die viele Arbeit sei für sie eine Art Therapie gewesen, sich besser in ihre Situation als Alleinerziehende hineinzufinden. „Ich hab’ das gebraucht“, schätzt sie rückblickend ein. Doch nicht nur sich selbst hat Cornelia Brambor damals allerhand zugemutet. Schon früh bezog sie ihre Söhne ein. Thomas, der Ältere, habe sich bereits als Schüler um die Abrechnungen seiner Mutter gekümmert.

Heute ist Thomas Brambor 36 Jahre alt, unterrichtet nach seinem Studium der Politikwissenschaften an Universitäten in Amerika. Mit seiner Familie wohnt er in New York, „ist aber von dort aus weiterhin der kreative Kopf der Brambor Pflegedienstleistungen“, so Mutter Cornelia. Auch Benjamin (33) gehört seit zwölf Jahren zum Team des Unternehmens und ist wie sein Bruder Prokurist. Genau genommen hat auch er schon als Kind den Betrieb mit aufgebaut. Wenn bei Patienten noch der Kohleofen geheizt oder die Gardinen zum Waschen abgenommen werden mussten, dann übernahmen das nach Schulschluss die Brambor-Jungs.

Zwei Jahre lang hat Cornelia Brambor ihre anfangs 40 Kunden im Gebiet Roßwein selbst angefahren ¬ in einem weiß-orangefarbenen Lada. Inzwischen sind die Fahrzeuge der Pflegedienstflotte blau, und rund 700 Namen stehen in der Kundendatei. Im August 1995 hat ihre erste festangestellte Mitarbeiterin begonnen: Silvia Lange. Sie ist heute noch genauso bei dem Pflegedienstleister dabei wie die zweite Mitarbeiterin Antje Ziegler, die gut ein Jahr später folgte. Inzwischen ist das Unternehmen gehörig gewachsen. 160 Mitarbeiter in insgesamt neun Häusern beschäftigt das Familienunternehmen. „Als solches sehe ich es nach wie vor“, sagt Cornelia Brambor.

Das Jubiläum hat die Chefin am Donnerstag mit Geschäftspartnern, Kunden und Angehörigen im Sonnenhof in Ossig gefeiert – das erste Mal außerhalb eines eigenen Hauses. Keines wäre groß genug gewesen für die große Gästeschar.

Doch Cornelia Brambor ärgert sich nur einen Moment darüber, dass ihr ein größeres Pflegeheim mit entsprechend Platz fehlt. Ansonsten sei die Entscheidung wegen der familiären Atmosphäre, die die Kunden genauso schätzen wie die Mitarbeiter, bewusst zugunsten kleinerer Häuser gefallen. Das Angebot reicht von der häuslichen Krankenpflege über die Tages- und Kurzzeitpflege bis hin zum Betreuten Wohnen. „Ein Pflegeheim wollten wir deshalb nie bauen, weil wir die Investitionskosten auch auf die Bewohner hätten umlegen müssen. Das wollten wir nicht“, sagt Cornelia Brambor.

Nach 25 Jahren und mit neun Einrichtungen in Roßwein, Döbeln, Waldheim und Hartha ist für die Pflegedienstleistungen Brambor noch nicht Schluss. In Döbeln an der Bayrischen Straße richtet der Eigentümer TAG gerade 86 Wohnungen altersgerecht her. Ab dem Frühsommer 2018 sollen sie für Betreutes Wohnen und eine Tagespflege mit Platz für bis zu 20 Gäste genutzt werden können. Brambor wird beides betreiben und dafür etwa 25 Mitarbeiter einstellen.

Vor den neuen Herausforderungen ist Cornelia Brambor nicht bange. „Ich hatte nie Angst“, sagt sie. Den Schritt in die Selbstständigkeit habe sie nie bereut. Viele Dinge in der Pflege sind genauso geblieben wie zu Beginn. Die von der Politik angeschobene Entbürokratisierung sei bei ihr im Unternehmen angekommen und bringe etwas. „Mehr Zeit für den Menschen zu haben, das ist uns wichtig.“ Cornelia Brambor ist zufrieden. Das war nicht immer so. Sie ist ruhiger geworden, was ihr Umfeld zu schätzen weiß.

Mit 56 Jahren könnte sie durchaus schon ans Aufhören denken. Doch das will sie nicht, wie sie in einem nachdenklichen Moment vor Weihnachten festgestellt hat. Sie möchte noch mitmischen, sich zum Beispiel um Verstärkung fürs Team kümmern. Das ist nicht immer einfach. In diesem Punkt wünscht sie sich „objektivere, nachvollziehbarere Entscheidungen regionaler Partner wie des Jobcenters. Das würde allen etwas bringen“.