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Von Plaste zu Papier und Stoff

Zahlreiche Döbelner Geschäfte stellen der Umwelt zu Liebe um. Kunden bringen immer häufiger die eigene Tasche mit.

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© André Braun

Von Natasha G. Allner

Döbeln. Pro Kopf verbrauchen die Deutschen mehr als 70 Plastetüten im Jahr. Bis 2025 sollen es 40 pro Person sein, weil Folie schlecht verrottet und damit massive Umweltprobleme verbunden sind. Die EU-Staaten wagen einen Vorstoß. Den Anfang macht eine Vereinbarung zwischen dem Handelsverband Deutschland (HDE) und dem Bundesumweltministerium, die am 1. April in Kraft treten soll. Demnach könnten Händler freiwillig darauf verzichten, an der Kasse kostenlose Plastiktüten anzubieten. Das Stück würde laut Empfehlung dann für mindestens 20 Cent über die Ladentheke gehen.

„Wir ziehen da mit“, betont Ines Conru. Für die Chefin des Schulwarengeschäfts am Niedermarkt ist es wichtig, „Kunden das Thema Umweltschutz bewusst zu machen“. Für viele sei die Plastiktüte eine Selbstverständlichkeit geworden. 3 000 Tüten verlassen pro Jahr das Geschäft. Seit Herbst vergangenen Jahres kostet die Folietüte dort 10 Cent: „Das wurde anfangs stark diskutiert. Aber auf einmal merkte man auch, bei wem es plötzlich ganz ohne Verpackung ging. Heute bringen viele eigene Taschen mit.“ Das Thema sei auch bei den Zulieferern angekommen. Viele lieferten nur noch in Papiertüten, so Conru weiter.

Marion Frisch, Geschäftsführerin der Döbelner Stadtparfümerie, würde der Empfehlung nicht folgen, weil ihre Kunden tendenziell eigene Verpackungen mitbrächten: „Manch einer sagt von sich aus, bitte keine Plastiktüten. Ich stelle jetzt sukzessive auf Papierverpackungen um.“ Letztendlich entscheide das Format der Ware, wie diese verpackt werde: Ein großes Handtuch benötige eine große Tüte und als Papiertüte sei dies doch recht teuer.

„Ich weiß, H&M sind mit dem Thema groß in die Medien gegangen. Ich benutze hier Plastiktüten, aber im geringen Maß. Hauptsächlich sind es kostenlose Tüten aus Papier, die mit dem Artikel und dem Kunden das Geschäft verlassen“, erklärt Miriam Flegel. Die Geschäftsführerin von „Hut und Mode“ in der Stadthausstraße vermutet, dass sich längerfristig ein Diktat der Wirtschaft durchsetze. Was gar nicht negativ zu bewerten sei, da Papier einen anderen Stellenwert als Plaste habe und durchaus viel edler wirke. Generell befürworte Flegel den Vorstoß, „damit bewusster über das Thema nachgedacht wird“.

Nur ein Plus für die Plastetüte

Im „Paradies für Kreative“ auf der Ritterstraße hält Annett Oßmer ehemalige Verpackungen zum Wiederverwerten bereit: „Ich frage meine Kundschaft immer gleich, ob eine Tüte benötigt wird oder nicht. Ganz oft geht es ohne oder die Leute haben einen Beutel dabei.“ Für kleine Teile nutze sie ehemalige Tütchen aus dem eigenen Sortiment oder vom Lieferanten. „Der Umwelt zu Liebe würde ich für Plastiktüten 20 Cent einfordern. Es ist ja bekannt, dass die Weltmeere vermüllt sind. Die Menschen sollten beim Einkaufen auch daran denken“, so Oßmer weiter. Früher seien im Lädchen oft Tüten verlangt worden. Eine Veränderung habe in den vergangenen vier bis fünf Jahren eingesetzt. „Es gibt nur einen Grund die Plastik- der Papiertüte vorzuziehen: Regen. Denn Wasser und Bücher, das verträgt sich nicht“, erklärt Lisa Panke-Deutscher. In der Buch-Oase an der Ritterstraße gibt es eine große Auswahl wiederverwendbarer und Papiertüten. Die „Taschentüte“ für die Handtasche oder als Tragetasche mit Henkel. „Die auch schon mal als Geschenkverpackung dient und nur noch beschriftet werden muss“, weiß Andrea Panke: „Manchmal bringen Kunden die Papiertaschen sogar schön gefaltet zur Wiederverwendung zurück.“ Auch die Verlage hätten reagiert und stellten immer mehr auf Papierverpackungen um.

Spielwaren-Faßbinder gibt seit dem Ritterstraßenfest 2015 auch Baumwolltaschen mit Henkeln und Aufdruck aus. Denn, „manch Kunde legt großen Wert auf Nachhaltigkeit“, so Heiko Faßbinder. Dem Inhaber liege der Umweltschutz am Herzen, gewisse Artikel würde man aber trotzdem nur in Plastiktüten verpacken: Zum Beispiel Babyartikel wegen der Hygiene.