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Görlitz

Wie konnte Mozart das Cello vergessen?

In zehn Geschichten seines neuen Buches: „Rücksichten“ schreibt der Görlitzer Mediziner Peter Stosiek Begebenheiten auf, die anrühren.

Theologe Peter Stosiek auf seinem Balkon.
Theologe Peter Stosiek auf seinem Balkon. © Raphael Schmidt

Von Raphael Schmidt

Wie es im Innern von Menschen aussieht, das weiß der Pathologe Peter Stosiek genau. Viele Jahre hat der habilitierte Mediziner beruflich damit verbracht, die Krone von Gottes Schöpfung: den Menschen – im Allgemeinen und im Besonderen – besser zu verstehen. Dem Theologen und gläubigen Christen geht es beim Menschen um weitaus mehr,  als um seine Anatomie. In zwei Büchern, in denen er „Geschichte und Geschichten“ aufgeschrieben hat, stellt er bereits diese Aspekte in den Vordergrund.

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Stärken und Schwächen, Mut und Scheitern

Nach „Tollwut“ und „Nachklänge“ ist jetzt „Rücksichten“ erschienen. Zehn Geschichten befassen sich mit Stärken und Schwächen von Menschen, beschreiben Mut und Scheitern und Wendungen an Weg-Gabelungen.

Selbst vor Wolfgang Amadeus Mozart macht Stosiek nicht Halt. „Er hat das Cello ignoriert. Jedenfalls als Soloinstrument. (...) Er hat so gut wie nichts eigens für das Cello geschrieben. Wenn man mal von einem abgebrochenen Konzertfragment absieht, das niemand kennt. Er hat mehr als 20 Sinfonien geschrieben, ebenso viele Klavierkonzerte, fünf Violinkonzerte, massenhaft Kammermusik, Divertimenti, Serenaden, Messen, Konzerte für alles, was blasen kann. Sogar zu Glasinstrumenten und einer Orgelwalze – was immer das sein mag! – hat er sich verstiegen. (...) Wie kann so ein Mann das Cello vergessen?“

Der Autor erzählt die Geschichte des jungen Cellisten, der im Jahr 1991 in Wien ein Konzert im ausverkauften Stephansdom erleben will – und es auf eine völlig unkonventionelle Weise schafft, auch ohne Eintrittskarte in den Dom zu gelangen.
Die Geschichten geben nicht nur Einblicke in den Lebensalltag von Christen und Nicht-Angepassten in der DDR, sie stoßen die Staatssicherheit (Stasi) - der Bürger mitunter hilflos ausgeliefert waren - vom Podest des Allmächtigen. Dort ist nun wieder Platz für Gott, für sein Tun und Zulassen.

In der Geschichte „Die Wahrheit“  beschreibt der Autor seine Musterung bei der NVA. Den Fahneneid würde er nicht freiwillig leisten, lässt Stosiek den ranghohen Offizier beim Wehrkreiskommando wissen. Und wenn doch, dann würde er eine schriftliche Erklärung dazu abgeben: „Ich werde erklären, dass ich den Eid nicht freiwillig leiste, dass dieser Eid eine Lüge ist. Ein Meineid. Und diese Erklärung werde ich an Sie richten, an Sie ganz persönlich.“ Und schiebt das Bibelzitat nach: „Die Wahrheit wird euch frei machen!“

Ereignisse, die nach menschlichem Ermessen einen schlechten, gar schlimmen Ausgang hätten nehmen müssen, gehen gut aus. Aber nicht alle: Es gibt auch ein unwiderbringliches Zuspät!

„Radius-Verlag, Stuttgart, 96 Seiten Broschur, erschienen 2020, Größe: 20.6 x 12.5 cm, 12 Euro, ISBN: 978-3-87173-547-9.

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