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Von Tattoomann ausgebremst

In Possendorf wird ein VW-Fahrer zur Vollbremsung gezwungen. Das Manöver hat nun ein Nachspiel vor Gericht.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Stephan Klingbeil

Possendorf. Damit hatte der Bannewitzer nicht gerechnet. Am 11. Februar dieses Jahres war nachmittags mit seinem VW Polo auf der Kreischaer Straße in Possendorf unterwegs. Sein behindertes Kind saß mit im Auto. Da zog der BMW hinter ihm an dem VW vorbei, überholte ihn – und kurz vor dem Penny-Markt bremste das Auto abrupt ab. Einfach so. Zum Glück knallte es nicht. Nur knapp konnte der VW-Fahrer den Aufprall verhindern. Doch dann stieg der Fahrer des BMW aus und marschierte schnurstracks auf ihn zu. Aufgebracht sei der Kreischaer gewesen. Mit seinem tätowierten Gesicht machte er Eindruck auf den VW-Fahrer und sein dreijähriges Kind. „Der hat dann auf mein Auto eingeschlagen und mich beleidigt, mein Sohn stand Ängste aus. Dann ist er wieder in sein Auto gestiegen und losgefahren“, sagt der 27-Jährige am Amtsgericht Dippoldiswalde. Dort musste sich vor Kurzem der 28-jährige BMW-Fahrer verantworten – wegen Nötigung und Beleidigung.

„Der hat gesagt, er bringt mich um, macht mich fertig, sagte, er werde mich finden“, erklärt der Polofahrer. „Ich kannte den Angeklagten vorher überhaupt nicht“, so der Familienvater weiter. „Er hat später sogar mehrfach versucht, meine Freundin einzuschüchtern.“ Beim Einkaufen und bei einem McDonald’s-Besuch hätte sich der Tattoomann dicht hinter die 24-Jährige gestellt. „Dieser Mann soll das lassen. Ich will, dass der uns endlich in Ruhe lässt“, sagt der Polofahrer, der beruflich viel auf Reisen sei.

Der beschuldigte Kreischaer schweigt indes zu den Vorwürfen, die er allerdings abstreitet, wie sein Verteidiger erklärt. Der Anwalt nimmt dann seinerseits den Polofahrer in die Mangel. Habe der 27-Jährige nicht direkt vor dem Prozessauftakt in Dippoldiswalde seinen Mandanten bedroht?

Anzeige gegen Opfer stand im Raum

Der Polofahrer streitet das ab. „Ich habe ihm nur gesagt, dass er sich mit dem Falschen anlegt“, so der Bannewitzer. Er wundert sich, wer hier, vor Gericht, eigentlich der Angeklagte sei. Der Anwalt hält die Angaben des Bannewitzers für wenig glaubwürdig. Hat dieser den Kreischaer womöglich vor dem Bremsmanöver provoziert?

Die schwangere Lebensgefährtin des Angeklagten deutet das zumindest an. „Der VW vor uns wurde damals immer langsamer“, erzählt die. Als ihr Partner ihn dann überholte, habe der Polofahrer „eine beleidigende Geste“ in ihre Richtung gemacht. Daraufhin habe ihr Lebensgefährte gebremst, sei ausgestiegen, um sich die Personalien vom Polofahrer geben zu lassen, um ihn anzuzeigen. „Ich habe da aber keine Aggression gesehen“, sagt die junge Frau.

Ein weiterer Zeuge, der den Vorfall aus rund 50 Metern Entfernung mitverfolgte, hatte indes einen anderen Eindruck: „Der BMW hat beschleunigt, überholte den VW und hat dann eigentlich völlig unnötig abgebremst und dann gab es Streit“, blickt der 49-Jährige zurück. Der Angeklagte hätte gegen die Scheibe des Polos geschlagen.

Das Gericht hielt den Zeugen für glaubwürdig. Die Verteidigung regte danach ein Rechtsgespräch mit den anderen Prozessbeteiligten an. Mit dem Ergebnis: Der Tattoomann räumt die Vorwürfe ein. Im Gegenzug wurde das Verfahren wegen geringfügiger Schuld eingestellt. Als Auflage zahlt der Kreischaer 500 Euro an den Kinderschutzbund. Zudem sieht der Angeklagte von einer im Raum stehenden Anzeige wegen Bedrohung gegen den Polofahrer ab.