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Von wegen Heimvorteil

Dynamo hat in der zweiten Liga die viertmeisten Zuschauer, aber eindeutig zu wenig Punkte.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

Diese Diskrepanz scheint unerklärlich zu sein. „Wir sind zu Hause die schlechteste Mannschaft der Liga – das finde ich furchtbar“, sagt Pascal Testroet. Die Schreckensbilanz von Dynamo vor eigenem Publikum: nur fünf Siege, aber acht Niederlagen. Heimvorteil? Pustekuchen! Dabei stehen die Dresdner in der Zuschauertabelle der 2. Fußball-Bundesliga nach der vorigen Saison auf Platz vier nur hinter den Aufsteigern Nürnberg und Düsseldorf sowie St. Pauli. Bei vier Spielen war der Heimbereich im DDV-Stadion ausverkauft, weitere dreimal nur eine zweistellige Zahl an Plätzen frei geblieben.

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Angesichts solcher Zahlen ist die Ausbeute mit 19 von 51 möglichen Punkten ernüchternd. „Wir haben uns nicht mit Ruhm bekleckert“, meint Testroet. „Die Leute, die alle zwei Wochen ins Stadion kommen, von denen viele auch auswärts dabei sind und immer alles für uns geben, haben es nicht verdient, dass wir Letzter in der Heimtabelle werden. Das ist echt traurig.“ Eine plausible Antwort auf die quälende Frage, warum das so war, hat der Stürmer allerdings auch nicht.

Darum drehte sich auch die Diskussion bei der jüngsten Runde von „1953 – der Dresdner Fußball-Talk“. Wolff-Christoph Fuss, Kommentator beim Fernsehsender Sky, formulierte einen interessanten Erklärungsansatz. Es könne sein, meinte er, dass sich manche Spieler sogar eingeschüchtert fühlen von der riesigen Kulisse. „Emotionen sind ein hohes Gut, aber auch ein gefährliches, weil es auch in die andere Richtung ausschlagen kann“, sagte Fuss. Was den einen motiviert, kann ein anderer als Druck empfinden, erst recht, wenn die Erfolgserlebnisse ausbleiben.

Das Gefühl, sich von dieser Kulisse tragen lassen zu können, hat der Mannschaft zweifellos gefehlt – und Marco Hartmann das schon im September nach der Niederlage gegen Bielefeld kritisiert. „Ein 0:1-Rückstand hier in dem Stadion ist nichts“, erklärte der Kapitän. „Das muss man verinnerlichen, hier so ein Spiel noch drehen zu können.“ In der Vorsaison hatten die Dresdner zu Hause Spektakel geboten, im Pokal gegen RB Leipzig sowie in der Liga gegen Braunschweig nach 0:2 noch gewonnen, den VfB Stuttgart mit 5:0 demontiert. Diesmal konnten sie die Fans nur beim 4:0 gegen Aue rundum glücklich machen.

Darüber ärgert sich Uwe Neuhaus am meisten und kündigt an, alles zu tun, damit das Dresdner Stadion kein Selbstbedienungsladen für die Gäste bleibt. „Wir wollen eine Heimbilanz schaffen, über die sich alle freuen und auf die alle stolz sein können“, nennt der Trainer schon mal ein erstes Ziel für die neue Spielzeit, die am ersten August-Wochenende beginnt. Dann will auch Testroet „wieder mehr Freude am Fußball haben“, wie er sagt. „In unserem Hexenkessel müssen wir anders auftreten, müssen wir wieder etwas ausstrahlen. So, wie es zuletzt war, ist es Mist.“ Exakt.