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Vor dem Finale

Fast 15 Jahre lang wurde an den historischen Gebäuden des Reiterhofs Kurze gebaut. Nun steht das letzte Kapitel an.

© Lutz Weidler

Von Dörthe Gromes

Bobersen. Seit Kurzem steht ein Baugerüst an der zur Lessaer Straße gelegenen Ecke des Reiterhofs Kurze in Bobersen. Bis zum Winter sollen die Außenmauern des Gebäudeteils verputzt werden. Damit ist die bauliche Instandsetzung des historischen Vierseithofes abgeschlossen und ein langer Wiederaufbauprozess geht zu Ende. Seniorchef Siegfried Kurze erzählt: „Dieser hintere Teil des Hofes hatte zu LPG-Zeiten besonders gelitten und war teilweise eingestürzt.“ 2003 begann Familie Kurze mit dem Wiederaufbau dieses letzten Bauabschnittes, der derzeit als Lagerraum genutzt wird. Da waren die anderen Gebäude des riesigen Hofes längst saniert. „Wir haben den Großteil der Arbeit in Eigenleistung mit Helfern nach Feierabend erbracht, deshalb hat es auch so lange gedauert“, erklärt der 67-Jährige, der von Haus aus gelernter Elektriker ist.

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Des letzte Teils des Hofes soll schon bald fertiggestellt sein.
Des letzte Teils des Hofes soll schon bald fertiggestellt sein. © Lutz Weidler

Mit dem Hof und der dazugehörigen Landwirtschaft ist Siegfried Kurze jedoch schon seit Kindesbeinen vertraut. Schließlich ist er dort aufgewachsen als Spross einer traditionsreichen Bauernfamilie. „Meine Familie bewirtschaftet diesen Hof seit etwa 1800, auch zuvor waren wir schon in Bobersen ansässig“, beschreibt er die Familiengeschichte. Zwischen 1961 und 1990 wurde der Hof jedoch als LPG betrieben. Die Kurzes wohnten zwar nach wie vor dort, waren aber nicht mehr Eigentümer. Nach der Wende bekamen sie den Hof zurück und wagten einen Neuanfang.

Wurde früher dort Ackerbau sowie Rinder- und Schweinezucht betrieben, fing die Familie um 1993 mit der Pferdehaltung an, weil Siegfried Kurze und seine Frau Monika begeisterte Dressurreiter waren. Mittlerweile haben sie allerdings nur noch zwei eigene Pferde, die auf dem Hof ihr Rentnerdasein genießen. „Zum Reiten kommen wir allerdings kaum, dafür fehlt einfach die Zeit“, meint er bedauernd. Beginnt doch sein Arbeitstag oft um 5 Uhr in der Früh und geht bis nach 18 Uhr.

Das Hauptgeschäft von Familie Kurze machen die rund 40 Pensionspferde aus, die auf dem Reiterhof untergestellt sind. Pferdehalter ohne eigene Unterbringungsmöglichkeit für ihre Tiere mieten dort eine Box. „Die Leute kommen vor allem aus Riesa und Umgebung, manche sogar aus Döbeln oder Oschatz“, so der rüstige Senior.

500 Euro pro Pferd und Monat

Die Vierbeiner werden von Familie Kurze und drei Aushilfskräften versorgt: füttern, ausmisten, pflegen. Heu und Hafer für die Tiere bauen Kurzes selbst an. In der Scheune stapeln sich die Heu- und Strohballen bis unter die Decke. „Die größte Arbeit macht jedoch das Sauberhalten der Boxen“, sagt Siegfried Kurze. Ungefähr 500 Euro Unterhalt im Monat kostet ein Pferd alles in allem.

Rund um den Hof, zu dem 50 Hektar Land gehören, sind zahlreiche Koppeln angelegt, auf denen die Pferde ihren täglichen Auslauf finden. Zusätzlich können sie auf Wunsch ihrer Halter in einer Führanlage bewegt werden, denn nicht alle haben die Zeit, täglich zum Reiten vorbeizukommen. Neben den Koppeln gibt es auch Sandplätze, einen Spring- und einen Dressurplatz sowie eine Reithalle.

„Viele unserer Pferdehalter trainieren regelmäßig und nehmen an Turnieren teil. Da bestehen natürlich gewisse Ansprüche, was die Ausstattung des Pferdehofes angeht“, sagt Tobias Kurze, der den Hof von seinem Vater Siegfried übernommen hat. Aus diesem Grund ist auch der Reit- und Fahrverein Bobersen dort angesiedelt, denn nur, wer Mitglied in einem Reitverein ist, darf auch an Wettkämpfen teilnehmen.

Doch auch wenn der letzte Hofteil demnächst fertiggestellt sein wird, fallen doch noch immer Bauarbeiten an. So werden in einem anderen Hofgebäude derzeit Wohnungen ausgebaut. Zwei Einzimmer-Appartements sind schon fast fertig, zwei größere Wohnungen sollen folgen. Dann kann man direkt über dem Pferdestall wohnen. „Richtig fertig wird man eigentlich nie“, kommentiert Siegfried Kurze mit einem Lächeln die Situation.