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Vor der Bescherung ins Kino

An der Tradition des Weihnachts-Kinos hält Rietschen seit Jahren fest. Das freut zu Heiligabend nicht nur Kinder.

Von Rolf Ullmann
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Voller Erwartung haben die Kinder und Erwachsenen am Vormittag des Weihnachtstages im Kino Café Rietschen Platz genommen und warten nun auf Findus.
Voller Erwartung haben die Kinder und Erwachsenen am Vormittag des Weihnachtstages im Kino Café Rietschen Platz genommen und warten nun auf Findus. © Archivfoto: Rolf Ullmann

Lothar Müller gönnt sich am Morgen des Heiligabends noch eine kleine Pause vor der Tür des Kino Cafés in der Rietschener Kirchstraße 3. In wenigen Minuten wird er den Beamer im kleinen und gemütlich Saal des Seitengebäudes am ehemaligen Sitz der Gemeindeverwaltung starten. Für jeden der ankommenden Gäste hält er einen Gruß, ein freundliches Wort bereit.

Viele von ihnen kennt er bereits. Denn seit 1976 lässt er immer wieder Filme über die Leinwand flimmern. „Mein Lehrmeister hier in Rietschen war Helmut Fechner. Von ihm habe ich nicht nur die technischen Kenntnisse, sondern auch die Begeisterung für die Arbeit als Filmvorführer übernommen,“ erzählt er. Rund 20 Minuten dauert es heutzutage, bis er die technische Anlage zur Vorführung eines Filmes in Einsatzbereitschaft versetzt hat. Kein Vergleich mit früheren Zeiten, als die Filmrollen noch umgespult und akribisch genau in den Projektor eingefädelt werden mussten.

Seit Oktober flimmern im derzeitigen Domizil jeweils am Mittwoch und Donnerstag ab 19.30 Uhr Filme für die Erwachsenen über die Leinwand. Dazu gesellt sich alle zwei Wochen am Sonntagnachmittag ab 14 Uhr noch ein Film für die Kinder sowie die ganze Familie.

Dass am Vormittag des 24. Dezember gespielt wird, entspringt einer alten Tradition in Rietschen. Seit vielen Jahren streben die Kinder, sehr oft mit ihren Vätern, in das Kino-Café. Dadurch verkürzt sich für die jüngeren Besucher nicht nur die Wartezeit auf die Bescherung am Abend auf angenehme Art und Weise, sondern die Mutter kann sich auf die Zubereitung der kulinarischen Überraschungen für das Fest derweil zu Hause konzentrieren.

Für Peter Zander stellt der Gang in das Kino eine Premiere dar. Gemeinsam mit den Kindern Karl Wilhelm, Anna Lena, sowie Lea Sophie hat er sich aufgemacht, um die Abenteuer von Pettersson und seinem Kater Findus zu erleben. Seine Eindrücke vom Spielort beschreibt er so: „Die Räumlichkeit ist sehr schön und gemütlich. Zudem verkürzt der Film ja auch die Wartezeit am heutigen Tag.“

Dieser Einschätzung schließt sich auch die elfjährige Frieda Striese voll und ganz an. Auch ihr gefällt es hier im kleinen Saal inmitten der anderen Zuschauer. „Den Film habe ich zwar schon einmal gesehen, aber der hat mir so gut gefallen, dass ich gern noch einmal ins Kino gegangen bin.“

Dafür, dass sich die Besucher hier wohlfühlen, sorgt nicht nur der Filmvorführer an der modernen Anlage, die Filmgenuss in hoher Qualität bietet, sondern zugleich auch mehrere Vereinsmitglieder, die für Getränke und Knabbereien sorgen.

Udo Zange als der derzeit älteste Filmvorführer lädt alle Interessenten für den 13. Januar um 16 Uhr zur Vorstellung „Auf der Jagd – wem gehört die Natur?“ ein. Ein Dokumentarfilm, der sich nicht an die Jäger richtet, sondern an alle Naturliebhaber.