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Vorbehalte gegen neue Windriesen

Anlieger fürchten Lärm und zweifeln am offiziellen Schallgutachten. Doch Nachmessen ist schwierig.

© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Wülknitz/Glaubitz. Größer und effizienter – immer mehr Betreiber im Windpark Streumen-Glaubitz rüsten auf moderne Anlagen um. Seit 2011 finden „Repowering“-Projekte statt, bei denen alte Windräder durch modernere Exemplare ersetzt werden. Und die sorgen für Kritik. Auslöser sind zwei Windräder der Marke Enercon, die seit Ende 2015 in Betrieb sind. Vor allem Anwohner aus dem nahen Streumen berichten seither von einem monotonen Rauschen, das neuerdings zu ihnen dringt. Die Aussicht auf weitere „Repowering“-Projekte in diesem Jahr ließ dann auch bei den Gemeinderäten die Alarmglocken schrillen. Die Zustimmung zu weiteren neuen Windrädern versagten sie kurzerhand. Um die Wogen zu glätten, hatte Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos) jetzt den Anlagen-Besitzer eingeladen, um das neueste Repowering-Vorhaben vorzustellen. Es wurde der erste Direktkontakt zwischen Gemeinde und der österreichischen Firma WEB Windenergie AG, die über eine deutsche Tochter-GmbH schon seit mehreren Jahren Windkraftanlagen im Park Streumen-Glaubitz betreibt.

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Weniger Anlagen

Insgesamt acht alte WEB-Anlagen sollen im Windpark Streumen-Glaubitz ab- und vier neue aufgebaut werden, so Leopold Reymaier, Chef des Deutschland-Ablegers von WEB. In diesem Jahr ist der Bau von zwei Kraftwerken des Herstellers Vestas vorgesehen – jeweils 200 Meter hoch und bis zu 3,3 Megawatt leistend. Das Meißner Landratsamt hat das Anlagen-Duo bereits Ende 2015 genehmigt. Die Behörde ist also der Auffassung, dass die geplanten Windräder alle Auflagen erfüllen – auch die in Sachen Lärmschutz. – In Wülknitz tut man sich damit wegen der neuerdings gefühlten Geräuschbelastung aber schwer, zumal auch die Enercon-Giganten grünes Licht vom Landratsamt bekommen hatten. Lärmmessungen sollen zeigen, wie laut es wirklich ist. Laut Landratsamt sind solche Überprüfungen auch vorgesehen. Im Gemeinderat gibt es aber Misstrauen. Denn der Schall wird nicht im Dorf gemessen, sondern am Windrad. Was im Ort ankommt, berechnen Gutachter ausgehend von diesem Messwert.

Zweifel an Kalkulation

Mehrere Räte zweifeln an der Kalkulation, zumal die errechneten Werte oft nur knapp unter den zulässigen Grenzen liegen. Die Bürgervertreter auf eine Messung, um Gewissheit zu bekommen. – Vom Landratsamt heißt es, solche Messungen können Anlagenbetreibern nicht auferlegt werden. Im Zweifelsfall kann die Behörde aber einen Gutachter die Schallwerte im Dorf nachprüfen lassen. Der Experteneinsatz kostet aber mehrere Tausend Euro und birgt Risiken: Kommt bei der Messung heraus, dass alle Messwerte im erlaubten Bereich liegen, trägt die öffentliche Hand die Gutachter-Kosten. Zeigt die Messung jedoch, dass die Werte tatsächlich zu hoch sind, müssen die Windrad-Betreiber ihre Anlagen nachjustieren. – Damit liegt der Ball bei den Anliegern. Die wollen jetzt zunächst das Gespräch mit Planern und Betreibern der Enercon-Anlage suchen. Was die geplanten neuen Vestas-Windräder der Firma WEB angeht, gibt es verhaltenen Optimismus. Denn andere im Jahr 2014 „repowerte“ Vestas-Anlagen im Windpark Streumen-Glaubitz haben trotz ihrer Größe und Leistungskraft keine Lärmbelastung für die Streumener zur Folge gehabt.