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Vorstände verdienen 52-mal so viel wie ihre Mitarbeiter

© Uwe Anspach/dpa

Top-Manager in Deutschland können sich über ein dickes Plus freuen. Die Gehälter ihrer Beschäftigten stiegen schwächer.

Von Rolf Obertreis

Dass SAP-Chef Bill McDermott und Ex-VW-Chef Matthias Müller die Liste der am besten entlohnten Vorstandschefs der größten deutschen börsennotierten Unternehmen auch im vergangenen Jahr angeführt haben, ist keine Überraschung. Dagegen erstaunt, dass Oliver Samwer, Chef des immer noch defizitären Internet-Konzerns Rocket Internet ebenfalls einen zweistelligen Millionenbetrag erhalten hat und damit am zweitbesten bezahlter Vorstandschef war. Der Analyse der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zufolge kam Samwer auf 10,5 Millionen Euro. McDermott erhielt 12,9 und Müller 10,1 Millionen Euro. Samwer profitiert, wie DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler am Donnerstag in Frankfurt sagte, von einem deutlichen Anstieg seines Bonus in Form von Aktien im Volumen von knapp 8,4 Millionen Euro. Allerdings weist Rocket Internet im Gegensatz zur überwiegenden Mehrzahl der Unternehmen die Vorstandsgehälter nicht einzeln aus. Die DSW kritisiert diese „Geheimniskrämerei“ scharf. Sie hat das Gehalt aus der Gesamtvergütung des dreiköpfigen Rocket-Internet-Vorstandes errechnet, die 2017 von 5,7 auf 20,3 Millionen Euro gestiegen ist. Zwar hat das Unternehmen den Verlust deutlich reduziert, verbuchte aber dennoch ein Minus von sechs Millionen Euro.

Oliver Samwer, Chef von Rocket Internet, kassiert 10,5 Millionen Euro. © dpa
Ex-VW-Chef Müller bekam 2017 über 10 Millionen Euro. © dpa

Generell hält die DSW den Anstieg der Vorstandsgehälter bei den 30 größten Unternehmen um 4,5 Prozent durchaus für angemessen, schließlich sei auch der gesamte Betriebsgewinn 2017 von 119 auf 148 Milliarden Euro gestiegen. Im Schnitt erhielten die Vorstände 3,6 Millionen Euro, der Vorstandschef kam durchschnittlich auf 5,8 Millionen.

Allerdings geht die Schere zwischen den Gehältern der Top-Manager und den Gehältern der jeweiligen Beschäftigten weiter auseinander. „Die Vorstände der 30 Dax-Unternehmen haben 2017 das 52-Fache ihrer Mitarbeiter verdient. Im Jahr zu war es noch das 50-Fache“, sagt Professor Gunther Friedl von der TU München, der die Studie zusammen mit der DSW erarbeitet hat. Am krassesten ist das Verhältnis bei VW: Dort verdient ein Vorstand 88-mal so viel wie ein Mitarbeiter, bei der Deutschen Post liegt der Wert bei 85, bei Fresenius bei 80. Am Ende der Skala stehen Commerzbank und Deutsche Bank. Dort hat ein Vorstand nur jeweils rund 25-mal so viel verdient wie die Beschäftigten im Schnitt. Dass die Schere im vergangenen Jahr wieder aufgegangen ist, liegt daran, dass Brutto-Löhne und Gehälter im Schnitt nur um 2,5 Prozent gestiegen sind im Vergleich zum Plus von 4,5 Prozent bei den Vorstandsgehältern.

Auf Platz vier unter den Top-Verdienern stand im vergangenen Jahr BMW-Chef Harald Krüger mit 8,4 Millionen vor Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 7,8 und Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner mit 7,4 Millionen Euro. Am Ende der Skala der 30 Dax-Unternehmen rangieren Martin Zielke von der Commerzbank (2,9 Millionen) und Reinhard Ploss von Infineon (2,6 Millionen). Ein Ärgernis ist für die DSW, so Tüngler, die „oft allzu auskömmlichen“ Pensionsregelung für Vorstände. Zudem mangele es da an Transparenz. „Grundsätzlich sollen und müssen die Vorstände ihre Altersvorsorge selbst organisieren.“ Die einseitige Belastung der Unternehmen durch intransparente und umfangreiche Pensionszusagen gehöre nicht mehr in das Repertoire moderner Vergütungssysteme. Im Gegensatz zu „normalen“ Beschäftigten zahlen die Vorstände in der Regel keinen Cent für ihre Altersvorsorge.

Nach Berechnungen der DSW muss sich Daimler-Chef Zetsche im Alter die allerwenigsten Sorgen machen. Er kann sich über eine jährliche Pension von knapp 2,8 Millionen Euro freuen und das bei einem Ruhestandsalter von 60 Jahren.