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Vorübergehender Rückzug

Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner hat Schilddrüsenkrebs.

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In Lateinamerika ist in den vergangenen Jahren gleich bei mehreren Präsidenten Krebs diagnostiziert worden. Jetzt hat es auch Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner erwischt. Schilddrüsenkrebs lautet der Befund. Sie werde am 4. Januar operiert und danach bis zum 24. Januar eine Ruhepause einlegen, teilte Regierungssprecher Alfredo Scoccimarro mit. In dieser Zeit soll Vizepräsident Amado Boudou die Staatschefin vertreten.

Die Präsidentin leide an einem warzenartigen Karzinom im rechten Schilddrüsenflügel, erklärte der Regierungssprecher. Die Krankheit sei bei einer Routineuntersuchung am 22. Dezember entdeckt worden. Metastasen seien nicht festgestellt worden. Ihre für diese Woche geplanten Termine werde die Staatschefin einhalten.

Das bei der Präsidentin diagnostizierte Karzinom gelte als die mildeste Art des Schilddrüsenkrebses, für die in über 90 Prozent der Fälle eine vollständige Heilung prognostiziert werde, erklärte der Vorsitzende der Lateinamerikanischen Schilddrüsen-Gesellschaft, Marcos Abalovich, der Zeitung „La Nacion“. Die Schilddrüse werde chirurgisch entfernt, der Patient müsse ab dann künstliche Schilddrüsenhormone einnehmen.

Kirchner hatte am 10. Dezember ihre zweite Amtsperiode als Präsidentin begonnen, nachdem sie ihre Wiederwahl mit 54 Prozent der Stimmen gewonnen hatte. Ihr Vorgänger und Ehemann Nestor Kirchner war im Oktober 2010 an einem Herzinfarkt gestorben.

Sowohl Venezuelas Präsident Hugo Chavez als auch sein paraguayischer Amtskollege Fernando Lugo befinden sich in Behandlung wegen Krebserkrankungen. Auch der ehemalige Staatschef Brasiliens, Luiz Inacio Lula da Silva, hat Kehlkopfkrebs. Bei seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff war 2009 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden. Sie konnte die Krankheit noch vor ihrer Wahl zur Staatschefin erfolgreich bekämpfen.

Bei der Präsidentschaftswahl im Oktober hatte Kirchner gleich im ersten Durchgang mit mehr als 54 Prozent der Stimmen einen fulminanten Sieg errungen. Die beliebte Politikerin hat die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas nach der Wirtschaftskrise nun in den vergangenen Jahren durch eine Phase starken Wachstums geführt. Auch wenn ihr internationale Geldgeber und einheimische Wirtschaftsbosse nun vorwerfen, mit relativ rigiden Vorgaben Investitionen im Land zu bremsen.

Im Haushalt 2012 bilden die Ausgaben für Tilgung und Schulden den drittgrößten Posten. Denn das Land ist mit 174 Milliarden Dollar weiterhin tief verschuldet; die Schulden machen 46 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. (dpa)