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VW holt den I.D. nach Dresden

Die Volkswagen-Kernmarke erholt sich nach dem Dieselskandal und treibt die Elektromobilität voran.

© Jan Huebner

Von Michael Rothe

Zurück in die Heimat!

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Jetzt ist es offiziell: Nach dem Elektro-Golf sollen auch Mitglieder der I.D.-Familie in der Gläsernen VW-Manukatur gebaut werden. „Da wir Dresden als Schaufenster der Elektromobilität für die Region nutzen, werden wir dort Fahrzeuge montieren, die auch in Zwickau hergestellt werden“, sagte Thomas Ulbrich, Chef des eigens eingerichteten Ressorts Elektromobilität bei Volkswagen, am Mittwoch bei der Bilanzvorlage der Marke in Wolfsburg.

Damit bestätigte erstmals ein Vorstandsmitglied Produktionspläne für den kompakten I.D., der mit einer Batterieladung bis zu 600 Kilometer weit kommen soll, und den sportlichen I.D. Crozz, einer „Kreuzung“ aus Geländewagen und Coupé mit 500 Kilometern Reichweite. Das Besondere: Die Modelle basieren auf dem neuen VW-Baukastensystem für Elektroautos (MEB), einer Weiterentwicklung des modularen Querbaukastens, der das Plattformprinzip ersetzt hatte. Durch den Baukasten sollen die Autos erschwinglicher werden und „etwa so viel wie vergleichbare Diesel kosten“. Derzeit baut Volkswagen den Standort in Zwickau für eine Milliarde Euro zum europäischen Kompetenzzentrum für Elektromobilität aus.

Dort werden laut Manager Ulbrich ab Ende 2019 „alle Fahrzeuge der ersten Welle für den europäischen Markt gebaut“ – in Summe bis zu 1 500 Autos täglich, auch der Marken Seat und Audi. „Das heißt nicht, dass mit der ersten Welle der MEB-Baukasten ausgeschöpft ist. Wir wollen bis 2025 als Marke 20 Fahrzeuge auf MEB-Basis bringen“, so der Vorstand. In Zwickau gehe es „nur um die erste Welle, womit der Standort aber extrem gut ausgefüllt ist“. Damit seien die Jobs in der Region hervorragend abgesichert. Die Produktion des neben dem Golf bis dahin noch produzierten Passat werde mit der Elektroumstellung nach Emden verlagert.

Nachdem der weltgrößte Autobauer 2017 insgesamt rund 42  000 Elektroautos verkauft hat, gibt er auf dem Gebiet noch mehr „Gas“. Zehn Monate nach dem Start der E-Golf-Produktion in der Gläsernen Manufaktur lief vorige Woche die zweite Schicht an – fast gleichzeitig mit einem E-Campus für Schüler, Studenten, Lehrlinge und Mitarbeiter. Durch Verdopplung der Tagesproduktion von 36 auf 72 Fahrzeuge sollen die 380 Mitarbeiter bis Jahresende gut 13 000 Autos bauen – das wäre Rekord.

Die Nachfrage wächst. Laut Branchendienst AID war der in Dresden und Wolfsburg gebaute Golf im Januar das meistverkaufte Elektroauto in Westeuropa. Wartezeit: sieben Monate.

Nach Angaben von Volkswagen-Markenchef Herbert Diess ist der E-Golf bis zum Jahresende ausverkauft. Die Einstellung der Phaeton-Produktion in Dresden sei richtig gewesen, aber auch „eine dramatische Situation“ für die Betroffenen, sagte der Vorstandsvorsitzende. Es sei aber gelungen, den Standort zukunftssicher zu machen. Die Manufaktur sei ein Zentrum für innovative Mobilität in der Stadt geworden, das auch eine Reihe Start-ups mit tollen Ideen beherberge. „Wir werden das Zentrum weiter nutzen – auch zur Kleinserienproduktion als Anlaufvorbereitung für andere Werke“, so Diess.

Die Volkswagen-Kernmarke VW hatte im vergangenen Jahr gut 6,2 Millionen Fahrzeuge verkauft und den Umsatz auf 80 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen legte erstmals seit fünf Jahren wieder zu und erreichte mit 3,3 Milliarden Euro das höchste Niveau seit 2012. Dafür kassierten auch die rund 10 000 Beschäftigten in Dresden, im Chemnitzer Motorenwerk und an zwei großen Standorten in Zwickau einen Bonus von 4 100 Euro – wie ihre West-Kollegen.

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