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VW übernimmt Kontrolle bei Scania

Der Volkswagen-Konzern findet Alt-Aktionäre ab und setzt Ex-Daimler-Mann Andreas Renschler ans Steuer der Nutzfahrzeugsparte.

© dpa

Wolfsburg/Stockholm. Der VW-Konzern stellt seine stockende Nutzfahrzeug-Allianz vom Kopf auf die Füße: Ein milliardenschweres Angebot an die verbleibenden Scania-Aktionäre soll den Wolfsburgern bis Ende April den vollen Durchgriff sichern, um die Zusammenarbeit der Schweden mit der Münchner VW-Lkw-Tochter MAN endlich anzutreiben. Außerdem installiert VW einen neuen starken Mann als Motor des Lkw-Paktes: Andreas Renschler.

Der langjährige Stratege des Lkw-Weltmarktführers Daimler übernimmt im Februar 2015 bei VW das Nutzfahrzeugsteuer. Als Externer soll er samt voller Scania-Kraft regeln, was die vorherigen internen Lösungen Leif Östling und Jochem Heizmann nicht vollendeten. Der 55-jährige Renschler stellt auch das Machtgefüge im VW-Vorstand unter spannende neue Vorzeichen.

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NordLB-Analyst Frank Schwope wertet die Pläne für Scania als eine Art „Willkommensgeschenk“ für Renschler. „Das macht ihm das Arbeiten ganz einfach leichter“, sagt der Experte. VW bietet den Scania-Aktionären mit einem Übernahmeangebot gut 50 Prozent Aufschlag für ihre Papiere – offenbar um ganz sicherzugehen, dass die Einverleibung rasch gelingt.

Renschler, der aus vertraglichen Gründen erst zum Februar 2015 bei den Niedersachsen anfangen darf, hätte damit vollen Durchgriff nicht nur auf MAN, sondern eben auch auf Scania. „Die Besten ködern die Besten“, hatte VW-Patriarch Ferdinand Piëch Ende Januar zur möglichen Renschler-Anwerbung gesagt, die nun beschlossen ist. Renschler kennt die Managerwelt der schweren Brummis wie kaum ein Zweiter, von 2004 bis 2013 leitete er an Daimlers Spitze das Nutzfahrzeug-Geschäft. Auch beim Jonglieren mit mehreren Marken, wie es im VW-Reich alltägliche Arbeit ist, dürfte er einige Übung haben. Denn auch Daimler verkauft nicht nur Laster und Busse mit dem Mercedes-Stern, sondern hat rund um den Globus mehrere Marken. Ein weltumspannendes Reich, darunter auch Allianzen etwa in China und Russland, macht Daimler zum weltgrößten Lastwagen-Hersteller.

Daimler verdankt Renschler viel. Und vielleicht ist es daneben gerade seine Nordamerika-Erfahrung, die ihn zum VW-Wunschkandidaten macht. Denn die USA sind nicht nur in der VW-Pkw-Sparte derzeit eine Schwachstelle. MAN und Scania sind dort gar nicht unterwegs. Renschler hatte nach mehr als 25 Jahren bei Daimler die Segel gestrichen – auch, da er offenbar keine Chance mehr sah, Daimler-Chef Dieter Zetsche zu beerben. Der 55-Jährige zog die Reißleine. Sollte er bei VW von Erfolg zu Erfolg eilen, könnte er womöglich als Winterkorn-Nachfolger gelten. (dpa)