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Wachsmannhaus startet ins elektronische Zeitalter

Als erstes Museum im Landkreis hat die Nieskyer Einrichtung Audioguides. Und tut auch viel für Hörgeschädigte.

© André Schulze

Von Steffen Gerhardt

Niesky. Mit einem Gerät in Handy-Größe kann der Besucher sich jetzt alles erzählen lassen über die Ausstellung im Nieskyer Konrad-Wachsmann-Haus. Damit übernimmt diese Einrichtung eine Vorreiterrolle, was die Ausstattung mit sogenannten Audioguides betrifft. Museumsmitarbeiterin Claudia Wieltsch ist stolz auf diese technische Errungenschaft. „Schließlich sind wir das erste Museum im Landkreis, das so etwas seinen Besuchern anbieten kann“, sagte sie am Donnerstag, als die Geräte und das System der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Bei dieser Anschaffung handelt es sich nicht allein um die zehn Audiogeräte, die sowohl durch das Wachsmann-Holzhaus als auch durch die Holzhaus-Siedlung in Neu-Ödernitz führen, sondern auch um eine zweite Anlage. Mit dieser haben hörgeschädigte Personen die Möglichkeit, Vorträge und Veranstaltungen akustisch mitzuverfolgen. Entweder über Kopfhörer oder über eine Induktionsschleife direkt über ihr Hörgerät im Ohr.

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die Audioguides in ihrer Ladestation. © André Schulze
Die Verstärkergeräte für Hörgeschädigte. © André Schulze

Ines Reimann zeigte sich darüber begeistert, dass die hörgeschädigten Besucher gestern über diese Geräte die Präsentation mitverfolgen konnten. Und nicht nur das. Beide Systeme lassen sich koppeln, sodass der akustische Museumsführer auch von Hörgeschädigten genutzt werden kann. „Ich finde es klasse, dass nicht nur im normalen Deutsch gesprochen wird, sondern auch in der vereinfachten Sprache. Zudem können auch sehbehinderte Menschen das Gerät nutzen“, sagte Ines Reimann von der Nieskyer Selbsthilfegruppe Hörgeschädigte.

Dass diese Technik dem Museum jetzt zur Verfügung steht, daran haben viele Leute einen Erfolg, berichtet Claudia Wieltsch. Ausgehend von dem Vorschlag der Selbsthilfegruppe, ein solches System anzuschaffen, musste zunächst deren Finanzierung geklärt werden. Mit dem Investitionsprogramm „Barrierefreies Bauen“ des Freistaates ist so eine Anschaffung möglich – und der Nieskyer Antrag wurde im vergangenen Jahr dafür bewilligt. Wie Elvira Mirle, Behindertenbeauftragte des Landkreises, informierte, stellt das Land Sachsen dafür einen Etat von 2,5 Millionen Euro im Jahr bereit. Der Landkreis bekam im vergangenen Jahr davon rund 190000 Euro ausgezahlt. „Mit der heutigen Präsentation können wir im Landkreis auf 65 geförderte Maßnahmen aus dem Programm verweisen. Dafür wurden seit Auflage des Förderprogramms im Jahr 2014 über 776000 Euro ausgegeben“, so Frau Mirle. Die mobile Anlage für Hörgeschädigte wurde zu 100 Prozent gefördert. An den Audioguides beteiligte sich die Stadt Niesky finanziell.

Von der Genehmigung bis zur Anschaffung der Geräte lag aber noch ein großer Berg Arbeit vor den Mitarbeiterinnen des Museums. Das Material, das die Besucher zu hören bekommen, musste schriftlich ausgearbeitet, von professionellen Schauspielern eingesprochen und für die Geräte programmiert werden. Perspektivisch lassen sich die Geräte auch mit Fremdsprachen besprechen, sodass ausländische Touristen ebenfalls die Möglichkeit haben, die Nieskyer Holzhausgeschichte erzählt zu bekommen.

Für Stadtrat Frank Mrusek hat die Neuanschaffung Bedeutung über die Stadtgrenzen von Niesky hinaus. „Für uns als Stadt kann das nur gut sein, wenn es sich herumspricht, welche Möglichkeiten auch hörgeschädigte Menschen in der Stadt haben“, sagte der stellvertretende Bürgermeister.

Aufmerksam verfolgte auch eine Mitarbeiterin des Görlitzer Museums Kaisertrutz die Präsentation. „Wir haben so eine Anlage ebenfalls beantragt und hoffen, sie in diesem Jahr noch in Betrieb zu nehmen“, sagte Tina Richter. Und: „Damit wird es uns möglich, auch Gruppen mit hörgeschädigten Menschen durch das Kulturhistorische Museum zu führen.“

Was die Audioguides betrifft, sie haben sich in der Wehrkirche in Nieder Seifersdorf bereits bewährt. Hier können sich die Besucher die Geschichte des Gotteshauses ins Ohr erzählen lassen. Ein weiteres Beispiel, wo bereits eine Anlage für Hörgeschädigte in Betrieb ist, ist das Bürgerhaus in Niesky. Hörgeschädigte können die Veranstaltungen mit so einem Gerät mitverfolgen – und vor allem mithören.

Dennoch gibt es weitere Möglichkeiten, die die Stadt Niesky noch nicht ausgeschöpft hat. „Großer Bedarf ist im Eisstadion in Niesky“, sagt Ines Reimann. „Dort haben selbst Leute mit normalem Gehör Schwierigkeiten, die Stadionansagen zu verstehen.“