merken

Waffenlager ausgehoben

30-jähriger Großenhainer hortet alte Munition, Gasmasken und Granaten. Dafür geht er auch auf Schatzsuche.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Birgit Ulbricht

Großenhain. In der Naundorfer Straße haben Spezialisten des Landeskriminalamtes und Großenhainer Polizisten am späten Montagnachmittag Waffen und Munition in einer Wohnung gefunden. Nach entsprechenden Hinweisen wurde bei einem jungen Mann eine Haussuchung durchgeführt. Als sich der Verdacht tatsächlich bestätigte, dass der 30-jährige Großenhainer Munition, Granaten und Schwarzpulver hortet, kamen Sprengstoffmittelexperten zum Einsatz. Sie beräumten die Wohnung und sorgten für den sicheren Abtransport.

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Auch Gasmasken wurden gefunden.
Auch Gasmasken wurden gefunden. © dpa

Oft beim Graben erwischt

Dabei fanden sie neben Gasmasken und leeren Patronenhülsen auch Munition verschiedenster Kaliber sowie Zünder und größere Mengen Schwarzpulver. Der Sprengstoff sowie die Munitionsteile wurden sichergestellt. Eine abschließende Aussage zur genauen Menge kann derzeit noch nicht getroffen werden. Die Kriminalpolizei ermittelt nun gegen den 30-Jährigen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Über welchen Zeitraum die eher historischen militärischen Vorräte dort lagerten, untersuchen jetzt Beamte des Landeskriminalamtes.

Bekannt ist allerdings inzwischen, dass etliche Granaten aus dem nahe gelegenen Raschützwald bei Lampertswalde stammen, die dort noch immer vereinzelt im Boden liegen. Mehrfach wurden Personen ertappt, die nach Alt-Munition gruben. Auch der 30-Jährige. Er war der Großenhainer Polizei bereits mehrmals aufgefallen. Seitdem hatte die Polizei den jungen Mann im Blick. Zuletzt wurde der „Schatzsucher“ im vergangenen Jahr beim Graben im Raschützwald erwischt. Dass ausgerechnet diese Stelle für solche Leute derart interessant ist, hat einen einfachen Grund: Der Raschützwald war in den letzten Kriegstagen Frontlinie zwischen versprengten SS-Einheiten und Russen. Mehrfach ging es hin und her, gab es Hinterhalte und Offensiven. In diesen Kriegshandlungen wurde unter anderem Adelsdorf zerstört. Nach dem Krieg wurde Adelsdorf von der FDJ-Initiative wieder aufgebaut, der erste Präsident, Wilhelm Pieck gab dem Ort nördlich von Großenhain in einem feierlichen Akt den Namen „Dorf der Jugend“.

Mini-Bomben ließen sich bauen

Doch auch die DDR-Zeiten sind für Schatzsucher dieser Art durchaus interessant. Im Raschützwald gab es nämlich bis in die 1980er Jahre hinein einen Schießplatz. Dieter Czirr, zu der Zeit ABV in Lampertswalde, kann sich noch erinnern, dass dort Schießen geübt wurde. Ein offizieller Schießstand war der Platz aber wohl nie, gibt auch der Lampertswalder zu bedenken. Vielleicht ist es diese Grauzone der Überlieferungen, die Waffen-Enthusiasten immer wieder anlockt.

Woher die Mengen an Schwarzpulver stammen, ist noch offen. Wahrscheinlich hat er alle Patronen geleert, die er ergattern konnte. Dass er sich mit dem Öffnen alter Munition vor allem selbst in Gefahr gebracht hat, hat den Großenhainer offenbar nicht von seinem Tun abhalten können. Doch was hätte er mit dem gehorteten Schwarzpulver anfangen können? Denn heute wird Schwarzpulver vor allem für Feuerwerke verwendet. Es dient als Antriebsmittel für einfache Raketen, als Ladung von Böllern und als Ausstoß- und Zerlegerladung für größere Effektträger wie Bomben und Bombetten. Im Schießsport wird Schwarzpulver nur noch als Reminiszenz an die Geschichte des Schützenwesens verwendet, wo es in verschiedenen Disziplinen des Vorderlader- und Westernschießens oder zum Böller- und Salutschießen zum Einsatz kommt. Schütze Lothar Fiebig, der selbst zu feierlichen Anlässen mit Vorderlader Salut schießt, bestätigt, dass sich damit schon Mini-Bomben herstellen ließen. Nicht zu vergessen, dass man sich mit dem manchmal belächelten Sammeln von entsprechend großen Patronen strafbar macht. Lothar Fiebig geht dennoch von einer hohen Dunkelziffer auch an größeren Granaten aus, die immer noch von Bürgern gefunden und auch privat in Kellern und Garagen gesammelt werden. Nicht jeder rufe sofort den Kampfmittelbeseitigungsdienst.