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Wahl-Görlitzer übernimmt Großküche

Hansjörg Kassner haben die Familienbande nach Görlitz verschlagen. In Herrnhut fand er dann den passenden Job.

© Rafael Sampedro

Von Anja Beutler

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Görlitz/Herrnhut. Hansjörg Kassner hat lange gesucht und nun endlich die perfekte Konstellation für sich und sein Leben gefunden: Der gebürtige Mittelhesse aus Wetzlar lebt und liebt seit 2016 in Görlitz. Seit Anfang dieses Jahres hat der Koch nun auch beruflich „den Sechser im Lotto gewonnen“: Kassner hat die Leitung der Zentralküche der Herrnhuter Diakonie übernommen. In der kleinen Stadt zwischen Löbau und Zittau werden täglich 550 bis 600 Essen in der Diakonieküche gekocht. Die Kreationen, die er mit seinem Team zubereitet, müssen dabei viele Anforderungen erfüllen: Sie sollen für Menschen mit hohem Kalorienbedarf wie Bauarbeiter und Handwerker ebenso passen wie für Senioren oder Schüler, die nicht ganz so viel Energie am Tag benötigen. „Das ist mitunter eine ziemliche Gratwanderung“, gibt Kassner zu. Sieben Tage die Woche wird dabei gekocht, weil die Menschen mit Behinderung, die in den Wohngruppen der Diakonie leben, und auch die Kunden des mobilen Essendienstes eben immer Hunger haben.

Ums Kochen hat es sich in Kassners Laufbahn immer gedreht: Gelernt hat er im Schwarzwald in einem Hotel, dann verpflichtete er sich bei der Bundeswehr in seiner Heimatstadt Wetzlar und war für die Verpflegung von 1200 Personen zuständig. Nach der Armeezeit hat Kassner erneut im Hotel- und Gaststättengewerbe Fuß gefasst, später auch schwierige Jugendliche fürs Berufsleben geschult und in Altenheimen gekocht. Der heute 56-Jährige ist viel herumgekommen. Dass es ihn einmal an die polnische Grenze nach Görlitz verschlagen sollte, hat er wohl nicht geahnt.

Die Verbindung in den äußersten Osten der Republik ist durch seine zweite Frau zustande gekommen. Die hat er zwar noch in Hessen kennengelernt, sie ist aber Görlitzerin. Als es das Angebot gab, ein schönes Haus mit Grundstück in Biesnitz zu erwerben und in der Nähe der Schwiegereltern zu sein, griff die Familie zu. Schon zur Jahrtausendwende, als er das erste Mal nach Görlitz gereist ist, war Kassner fasziniert: „Damals habe ich gedacht: Hier kannst Du Deinen Lebensabend verbringen“, erzählt er. Diesem Ziel ist er nun sehr viel näher gerückt. „Ich fühle mich wohl hier – die Menschen in Görlitz, aber auch in Herrnhut sind sehr lebensbejahend und haben mich herzlich aufgenommen“, sagt der Mann, der selbst sehr offen auf andere zugeht.

Nach anfänglicher Pendelei fand Kassner auch einen Job in seiner neuen Heimatstadt: Im Pflegestift Lichtblick in Rauschwalde kochte er über ein Jahr lang – auch, weil personell Not am Mann war. „Es war ein bisschen klein für mich“, sagt Kassner schmunzelnd. Die Stelle bei der Herrnhuter Diakonie kam ihm wie gerufen. „Jetzt habe ich am Nachmittag Feierabend und Zeit für die Familie“, sagt er. Was dieses Privileg wert ist, weiß er, zumal seine erste Ehe auch wegen der Arbeitsbelastung in die Brüche gegangen ist, erzählt der zweifache Vater.

Was das Kulinarische anbelangt, so kennt sich Kassner inzwischen mit Begriffen und Gerichten in der neuen Heimat aus. Dass der in Görlitz geläufige Kartoffelbrei im Süden des Kreises Mauke heißt und mit Brühe und Fleisch zur Teichlmauke wird, hat er rasch gelernt. Aber auch seine eigene Herkunft verleugnet er nicht: So wird es die berühmte grüne Soße, die in Hessen schon zur Goethezeit so beliebt war, auch mal in Herrnhut geben. Er persönlich mag es übrigens süß: „Quarkkäulchen!“, sagt er prompt auf die Frage nach seinem Lieblingsgericht.