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Sebnitz

Wahlkampfrede im Stadtrat

Der Chef der CDU-Fraktion in Sebnitz lässt sich zu einer langen Lobhudelei hinreißen. Das stößt auf Widerspruch.

In Sebnitz ist viel erneuert worden, wie man am Markt sieht. Etwas weiter weg vom Zentrum wird aber sichtbar, dass es noch viel zu tun gibt. © Archiv: Dirk Zschiedrich

Für gewöhnlich pflegt Ernst-Udo Radke seine Statements mit einer Danksagung einzuleiten. „Im Namen der CDU-Fraktion möchte ich mich bei der Stadtverwaltung für die geleistete Arbeit bedanken“, lautet der Satz, den der Fraktionschef der Christdemokraten im Sebnitzer Stadtrat seinen Wortmeldungen regelmäßig voranstellt.

Diesen Mittwoch jedoch redete sich Radke aber regelrecht in Rage. Anlass war die Eröffnungsbilanz zur neuen Haushaltsführung. Sebnitz verfügt demnach über ein Anlagevermögen von 93 Millionen Euro. So viel sind alle städtischen Häuser, Straßen und Laternen zusammengerechnet wert.

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Das sei vor allem das Werk der CDU, erklärte Ernst-Udo Radke. 40 Jahre Sozialismus hätten die Stadt in einem maroden Zustand hinterlassen. „Wir als CDU haben die Initiative ergriffen“, sagte Radke. Die CDU sei seit 29 Jahren die führende Partei in Sebnitz, die Partei der Mitte. Mit ihren Stimmen würden Jahr für Jahr Investitionen beschlossen, welche die Stadt voranbringen. Besonders das Krankenhaus stellte Radke – selbst jahrelang Chefarzt der Klinik – heraus. Als seinerzeit erstes neugebautes Krankenhaus in den neuen Bundesländern sei es bis heute „ein Leuchtturm für die gesamte Region“. Hinzu kämen Schulen, Kitas, Pflegeheime. Mit großer Freude und Genugtuung blicke er auf die erfolgreiche Politik.

Noch viel zu tun

Als Zuhörer des mehrminütigen Monologs sah man Helmut Kohls blühende Landschaften förmlich in den Himmel wachsen. Als Erster meldete Dietmar König (Fraktion Mitsprache) seinen Widerspruch an. Er sei doch etwas verwundert ob der euphorischen Rede, sagte König, der selbst seit der Wende im Stadtrat sitzt. „Eine Stadtratssitzung sollte keine Wahlkampfveranstaltung der CDU sein.“ Was entstanden ist, sei ein Gemeinschaftswerk. Rainer Böhme von der Linkspartei mochte die Euphorie ebenfalls nicht teilen. Er nannte geschrumpfte Einwohnerzahlen, Deindustrialisierung und leerstehende Wohnungen als Stichworte. „Es gibt noch eine Menge zu tun“, sagte Böhme. Johannes Müller von der rechtsextremen NPD machte die CDU für die Abwanderung mitverantwortlich.