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Wald am Boden

Zwei Stürme haben der Dresdner Heide zugesetzt, erst jetzt kann schweres Gerät arbeiten. Das versteht nicht jeder Besucher.

© Christian Juppe

Von Kay Haufe

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Heiko Müller steht im Revier Bühlau, vor ihm eine fast apokalyptisch anmutende Szene. Riesige Wurzelteller ragen in die Höhe, abgeknickte Baumstämme liegen übereinander, unter ihnen geborstene Äste. In den Bäumen daneben hängen Hunderte entwurzelte Fichten.

Überall lagert derzeit geschlagenes Holz an den Hauptwegen. Dazwischen sind noch Stubben zu sehen, die stehen bleiben, weil sie Lebensraum für Vögel und Reptilien bieten.
Überall lagert derzeit geschlagenes Holz an den Hauptwegen. Dazwischen sind noch Stubben zu sehen, die stehen bleiben, weil sie Lebensraum für Vögel und Reptilien bieten. © Christian Juppe
Derzeit gefragt wie nie: Mit dem Harvester werden ganze Stämme zerlegt und entastet. Die Firma Behrisch kann sich vor Aufträgen kaum retten.
Derzeit gefragt wie nie: Mit dem Harvester werden ganze Stämme zerlegt und entastet. Die Firma Behrisch kann sich vor Aufträgen kaum retten. © Christian Juppe

Zwei Stürme haben ganze Arbeit geleistet, Herwarth im Oktober, danach Friederike im Januar. Böen bis 110 Stundenkilometer ließen Nadelbäume wie Streichhölzer umknicken. „Hier standen 30 Meter hohe Fichten, die bis zu 120 Jahre alt waren. Sie überragten die Bestände ringsum und boten dem Wind so ideale Angriffsbedingungen“, sagt der Dresdner Forstbezirksleiter von Sachsenforst. Rund 25 000 Kubikmeter Holz müssen seine Kollegen aus der Heide bringen. Betroffen sind besonders die Reviere Bühlau, Ullersdorf und Langebrück.

Doch mit dem Aufräumen im Wald war es bisher schwierig. Viele Regentage im Herbst und Winter weichten den Boden stärker auf als normal, auf Frost warteten die Waldarbeiter vergebens. Bis jetzt. „Endlich können wir mit schwerem Gerät in die Bestände. Dort muss jetzt sehr viel aufgearbeitet werden“, sagt Müller. Denn nach den beiden Stürmen wurden zunächst die Hauptwege freigeräumt, nur ein Bruchteil des Holzes wurde aufgrund der schwierigen Bedingungen rausgeholt. „Dafür hat nicht jeder Besucher der Heide Verständnis“, sagt der Forstleiter. „Die Leute klettern über umgestürzte Bäume und merken gar nicht, dass sie sich selbst in Gefahr begeben“, sagt Müller. Äste und halb gefalle Bäume drohen noch immer herabzustürzen, Wurzelteller könnten umklappen.

Selbst, wenn der Forstexperte jetzt angesichts frostiger Tage zufrieden ist, hat er schon das nächste Problem. Überall ist viel Sturmholz angefallen, die Preise gehen in den Keller. „Deshalb lagern wir einen Teil des Bestandes in der Forstbaumschule, wo er feucht gehalten wird. So hält er sich relativ frisch“, sagt Müller. Auch umgestürzte Bäume, deren Wurzelteller noch über einzelne Wurzeln mit dem Erdreich verbunden sind, bleiben liegen. „Die werden dann im Herbst zersägt und an die Holzindustrie geliefert.“ Müller weiß, dass es definitiv Fragen von Heidebesuchern zu den Stubben geben wird, die stehenbleiben. „Sie werden erst von Pilzen befallen, bevor sich der Specht Höhlen hineinbaut und dort nistet. Die Wurzelteller dienen Zaunkönigen als Brutplätze und Eidechsen und Ringelnattern als Sonnenplätze“, sagt er.

Wo große Flächen zerstört wurden, pflanzen die Waldarbeiter im Frühjahr vor allem Laubgehölze nach, die nicht im Winter so windanfällig sind. Ansonsten sorge die Natur selbst für genügend kleine Bäume, die nun auch mehr Licht bekommen und den Verlust bald ausgleichen.