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Wald im Dauerstress

Sturm, Hitze, Trockenheit, Borkenkäfer. Bäume verlieren Blätter und Früchte, sterben ab. Doch es gibt auch Positives.

© Norbert Millauer

Von Sven Görner

Moritzburg. Waldbrandstufe vier im Friedewald. Auch die höchste, die Stufe 5, gab es in den vergangenen Wochen schon. Und das, obwohl es im Forst um Moritzburg nicht die großen Kiefernwälder auf sandigen Böden gibt, wie im benachbarten Brandenburg. Trotzdem leiden auch hier die Bäume unter Wassermangel und Hitze.

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Viele Bäume, wie die Birken, kommen mit der Trockenheit nicht klar.
Viele Bäume, wie die Birken, kommen mit der Trockenheit nicht klar. © Norbert Millauer

Daniel von Sachsen, Betriebsleiter der Wettinischen Forstverwaltung, hatte ein paar Tage nach dem Regen der vergangenen Woche noch einmal einen Erdbohrer in den Waldboden gedreht. „Nur im oberen Bereich ist etwas in der Windung hängengeblieben. Der Rest ist rausgerieselt“, so der Forstmann. „Der Regen hat also nur fünf, sechs Zentimeter vom Humus durchnässt. Bis zur Mineralschicht, aus der die Bäume ihr Wasser holen, ist er gar nicht gekommen.“

Mit den Folgen hat auch Marko Groß, der Leiter des Moritzburger Staatswald-Reviers, täglich zu tun. „Teilweise sieht es schon aus wie im Herbst“, sagt er. „Betroffen sind vor allem Arten, die viel Wasser brauchen.“ Die Blätter mancher Birken sind schon komplett gelb. „Andere Bäume, wie die Eichen, reduzieren ihre Früchte, indem sie viele abwerfen.“

Und noch etwas anderes beobachtet der Forstmann bei den Kontrollgängen und -fahrten: „Die Bäume gehen trotz des Stresses in der Regel zwar nicht ein, aber an alten Exemplaren – vor allem Eichen und Buchen – bildet sich vermehrt sogenannter Trockenast.“ Also dicke Äste, die absterben. „Vor allem an den Straßen müssen diese herausgeschnitten werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten“, erklärt Marko Groß. „Für uns bedeutet das zusätzlichen Zeitaufwand und Mehrkosten.“

Doch das ist nicht das Einzige, wonach der Förster nach Friederike und der langanhaltenden Hitze und Trockenheit Ausschau hält. Denn das nach dem Sturm noch immer am Boden liegende Holz und die vom Wassermangel geschwächten Bäume sind eine ideale Beute für den Borkenkäfer und andere Baumschädlinge. Und tatsächlich ist Marko Groß schon fündig geworden. „Am Auer hatten wir mehrere Käfernester in einem Kiefernbestand. Wir haben die Bäume dort großflächig weggeschnitten und sofort aus dem Wald gebracht.“ Eine Ausbreitung konnte so verhindert werden.

Ohnehin haben die gefräßigen Käfer im Friedewald aufgrund des teilweise schon gut durchmischten Baumbestandes nicht solch ein leichtes Spiel wie etwa in den Fichtenmonokulturen des Erzgebirges. In Moritzburg spielt die Fichte eher eine untergeordnete Rolle. Und wird in Zukunft sogar noch weniger werden, weil die Standortbedingungen hier für andere Bäume besser sind. Hinzu kommt, dass heiße und trockene Wetterlagen in Zukunft vermutlich häufiger auftreten.

Bei Neupflanzungen setzen die Forstleute daher auch im Friedewald vermehrt auf hier bewährte, aber auch neue Baumarten. So hatte Daniel von Sachsen beim Aufforsten nach Kyrill unter anderem Schwarznuss gepflanzt. Mit Erfolg. „Diese Bäume haben sich sehr gut entwickelt und kommen auch jetzt mit dem Wetter klar.“

Marko Groß will in diesem Jahr auf beräumten Sturm- und anderen Flächen über sieben Hektar Wald aufforsten – 1,5 Hektar mehr als geplant. Insgesamt rund 37 000 Minibäume. Im Frühjahr war schon Stieleiche, Hainbuche, Winterlinde und Bergahorn in den Boden gekommen. „Diese haben trotz des Wetters bisher keine Ausfälle“, sagt der Revierleiter. Die Ahornbäumchen haben nicht nur saftig grüne Blätter, einige sind sogar schon bis in Brusthöhe gewachsen.

Die intensiven Bemühungen um die Auswahl der geeigneten Bäume für die jeweiligen Standorte zahlt sich offenbar aus. Im Herbst und 2019 soll weiter gepflanzt werden. Unter anderem zwei Hektar mit Esskastanien – dem Baum des Jahres 2018. „Die kommen mit der Trockenheit sehr gut klar“, sagt Marko Groß. Ähnlich wie die Lärche. „Diese wächst auch auf Kuppen und bei Friederike ist so gut wie keine umgefallen.“ Aus Sicht des Forstmannes könnte die Lärche der neue Brotbaum im Friedewald werden. Dort, wo die Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind, sollen künftig allerdings Eichen wachsen.