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Wald muss Kiessee weichen

Holcim will noch knapp drei Jahre aus dem See an der S 88 abbauen. Dafür wurde jetzt ein Kiefernwäldchen gefällt.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

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Zeithain. Der Anblick ist ungewohnt. Aus Richtung Gohlis kann man mittlerweile ungehindert auf die Anlagen der Holcim Kieswerk Zeithain GmbH & Co. KG schauen. Denn in den vergangenen Wochen hat das Unternehmen den Kiefernwald in Richtung Sportplatz roden lassen.

Das Areal gehört zum planfestgestellten Abbaugelände, erklärt der Holcim-Gebietsleiter Ost, Thomas Steglich, gegenüber der Sächsischen Zeitung. Will heißen, dort wo vor kurzem noch die Nadelbäume standen, soll demnächst Kies abgebaut werden. Die Abbaugrenze Richtung Gohrischheide im Norden sei mittlerweile erreicht, weshalb der See nun westlich erweitert werde. Thomas Steglich schätzt, den begehrten Elbekies noch zweieinhalb bis drei Jahre lang daraus abbauen zu können. Am Ende wird sich der See, der bereits zu einem Teil von der Forellenzuchtanlage Zeithain mitgenutzt wird, über eine Fläche von etwa 70 Hektar erstrecken.

Seit Ende der 1960er Jahre bereits wird dort der körnige Schatz aus einer Tiefe von bis zu 35 Metern mit einem Schwimmbagger geborgen und über Förderbänder ans Ufer transportiert. Ein bis anderthalb Millionen Tonnen Kies sind es jährlich, sagt Thomas Steglich. 20 Mitarbeiter sind an dem Standort im Dreischicht-System tätig. Von Sonntag, 22 Uhr, bis Freitag, 22 Uhr, wird rund um die Uhr gefördert. Manchmal auch noch samstags.

„Der Bedarf ist groß. Es ist ein sehr hochwertiges Produkt“, so der Gebietsleiter. Der Zeithainer Kies geht vor allem nach Riesa, Oschatz und Dresden. Per Bahn wird er aber auch nach Berlin oder Hamburg geschickt. „Die Elbphilharmonie beispielsweise steht auf Pfeilern aus Zeithainer Kies“, so Thomas Steglich. Allerdings ist der Bodenschatz nicht unendlich.

Schon jetzt plant das Unternehmen deshalb an einer Erweiterung des Abbaugebietes. Die Abbaugenehmigung vom Sächsischen Oberbergbauamt für das Areal zwischen Gohliser Straße, Bahnhof Röderau und Am See liegt bereits vor, 2013 fanden dort erste Bohrungen statt. Grundsätzlich gilt der Planfeststellungsbeschluss für das Vorhaben Kiessandtagebau Röderau-Bobersen aus dem Jahr 1999 bis zum Februar 2044. Und bei Holcim geht man auch davon aus, dass der Kies noch 20 bis 25 Jahre abgebaut werden kann.

Derzeit liegen die Änderungen zum Planfeststellungsbeschluss beim Oberbergamt zur Genehmigung vor, so Thomas Steglich. Ziel sei es, nahtlos abbauen zu können – ohne Lieferlücken für die Kunden. In zweieinhalb bis drei Jahren sollte demnach der Abbau auf der anderen Seite der Kreisstraße Richtung Röderau beginnen können.

Entgegen ersten Plänen sollen die Betriebsanlagen dann aber weiterhin am jetzigen Standort stehen bleiben und der Kies über eine Bandbrücke über die Straße ins Betriebsgelände transportiert werden. Da das neue Abbaugebiet unter anderem durch eine Gasleitung durchschnitten ist, würden perspektivisch insgesamt drei neue Kiesseen entstehen. Sie alle werden nach Ende des Bergbaus renaturiert. „Das ist auch eine Chance, das Gebiet zu gestalten“, sagt Thomas Steglich. Er sei für Gespräche offen.

Holcim ist indes nicht das einzige Unternehmen in der Region, dass seinen Kiesabbau ausweiten will. Bereits in diesem Jahr wollen auch die ard-Baustoffwerke mit der Erschließung einer 14 Hektar großen Abbaufläche direkt an der B 169 in Zeithain beginnen. Jährlich sollen hier 300 000 Tonnen Kies abgebaut werden.