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Waldbad Polenz droht die Schließung

Das Schwimmbecken und die Toiletten müssten saniert werden. Was passiert, wenn das Gesundheitsamt Mängel findet?

Von Siri Rokosch
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Bernd Mutscher hat das Waldbad Polenz 2013 als Pächter übernommen. Eintritt muss hier nicht bezahlt werden, allerdings gibt es auch keinen Schwimmmeister.
Bernd Mutscher hat das Waldbad Polenz 2013 als Pächter übernommen. Eintritt muss hier nicht bezahlt werden, allerdings gibt es auch keinen Schwimmmeister. © Dirk Zschiedrich

Seit 1928 gibt es das Waldbad Polenz als Erholungsort. Hunderte Besucher strömten an schönen Sommertagen auch noch zu DDR-Zeiten in das Freibad am Rande von Neustadt in einem kleinen Waldgebiet. Auch Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN) ging dort im kalten Wasser baden. Heute hat das Bad eine Sanierung dringend nötig, doch es fehlen die finanziellen Mittel, um das Becken zu erneuern.

Der Betreiber, Bernd Mutscher, sieht die Lage realistisch: „Ich kann das Becken nicht sanieren. Die rund zwei Millionen Euro, die nötig wären, um zum Beispiel ein neues Edelstahlbecken zu bauen, habe ich nicht. Doch der Standort muss erhalten werden.“

Bürgermeister Mühle, sieht die Zukunft des Badebetriebs eher skeptisch. „Planerische Untersuchungen gibt es in mehreren Varianten, von der DIN-gerechten Sanierung und Nutzung wieder als klassisches Bad bis zur Gestaltung als Caravan-Stellplatz“, sagt er. Bei allen Varianten sei allerdings von einem finanziellen Aufwand in Millionenhöhe auszugehen. „Dieser finanzielle Aufwand ist für die Stadt derzeit nicht darstellbar.“ Eine Entscheidung dazu gibt es bislang nicht.

Bernd Mutscher hat das Waldbad Polenz 2013 als Pächter übernommen. Er sorgt für Sauberkeit und Ordnung, ist aber nicht bei der Stadt angestellt. Die Badegäste zahlen seit 2013 keinen Eintritt, dafür ist auch kein Schwimmmeister im Einsatz. Der Betreiber erhält von der Stadt Fördergelder für die nötigsten Instandsetzungen. „Von den 20 000 Euro, die die Stadt angeblich für den Rettungsschwimmer eingespart hat, sehe ich aber nichts“, sagt Mutscher. „Die Duschen müssten dringend repariert werden. Früher gab es mal vier, jetzt ist nur noch eine da.“ Die Wasserleitungen sind kaputt, die Toiletten sind noch DDR-Standard. „Das ist auch schon vom Gesundheitsamt bemängelt worden“, sagt Mutscher. „Das Becken wurde wohl in den 1990er-Jahren saniert, das ist aber nirgends schriftlich bestätigt.“

Als Badegewässer wird das Waldbad regelmäßig vom Gesundheitsamt des Landkreises geprüft. Werden Mängel festgestellt, weil zum Beispiel die Wasserqualität nicht stimmt, müsste Bernd Mutscher das Baden untersagen.

Dass im Bad kurzfristig Reparaturen nötig sind, weiß die Stadt. „Jährlich vor der Saisoneröffnung schauen sich die Stadtverwaltung Neustadt und der Betreiber des Waldbades das Objekt gemeinsam an“, sagt der Bürgermeister. „Zu diesem Termin werden die für das laufende Jahr notwendigen Unterhaltungsmaßnahmen abgestimmt. Der Termin findet im zeitigen Frühjahr statt, um vor allem die Dinge, die noch vor der Saisoneröffnung zu erledigen sind, zu besprechen.“ Bernd Mutscher lässt in diesen Wochen das Wasser in dem 50 Meter langen und 20 Meter breiten Schwimmbecken ab und füllt es mit kalten Bachwasser wieder auf. Er prüft während der Saison täglich die Wasserqualität, chlort bei Bedarf, kümmert sich um den Spielplatz, die Grünanlagen und den Caravanstellplatz, den er in Eigenregie anlegte.

„Zu mir kommen viele Gäste mit dem Wohnmobil, weil es hier so natürlich ist und man sich gut erholen kann“, sagt Mutscher. „Das Waldbad Polenz ist ein Erholungsort. Die Leute kommen im Sommer hierher, um zu grillen, Feste zu feiern, Schuleinführungspartys hatten wir auch schon.“

Bekenntnis zum Bad gefordert

Auch dieses Jahr soll es wieder ein Badfest geben, zum neunten Mal Waldbadrock mit Bands aus Dresden. Am 4. April wollen Schüler der Schillerschule mit Graffiti die Wand am Sanitärgebäude verschönern.

Neustadts Bürgermeister hatte dem Betreiber angeboten, ihm das Waldbad Polenz zu verkaufen, doch Mutscher lehnte ab. „Ich bin fast 66 Jahre alt. Realistisch betrachtet kann ich nicht mehr so viel ausrichten, und die finanziellen Mittel habe ich nicht, um das Becken zu sanieren.“

Bernd Mutscher betont aber auch: „Ich möchte nun ein Bekenntnis, vor allem von den Polenzern, zum Waldbad. Es muss zumindest als Standort erhalten bleiben. Neustadts Bürgermeister sagt im Gegenzug, er wünsche sich ein „klares Konzept“ von Bernd Mutscher. „Perspektivisch sollte der Standort für Zwecke der Naherholung und als Caravan-Stellplatz entwickelt bzw. erhalten werden“, betont Peter Mühle.

Merkwürdig in diesem Zusammenhang ist allerdings, dass Gerüchten zufolge in der Neustädter Mariba Freizeitwelt der Bau eines neuen Außenbeckens für den Sommerbetrieb geplant wird. Das „Mariba“ ist ein städtisches Bad. Vor einigen Jahren war das Saunabecken, das teilweise im Außenbereich lag, zugeschüttet worden. Grund: die Betriebskosten seien zu hoch gewesen.

„Das Beheizen eines Wasserbeckens, welches von innen nach außen geht, verursacht enorme Betriebskosten“, sagt Bürgermeister Mühle. Nun soll der Mariba-Aufsichtsrat aber tatsächlich über ein neues, nicht beheiztes Schwimmbecken im Außenbereich beraten, bestätigt Mühle auf Anfrage der SZ. „Wir besprechen am 10. April, ob es Sinn macht, ein Außenbecken zu bauen.“ Das Waldbad Polenz sei ja nicht mehr städtisches Eigentum.

Bernd Mutscher hofft unterdessen auf die Unterstützung der Polenzer, um das 91 Jahre alte Waldbad zu erhalten.

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