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Waldbrand in den Schrammsteinen

Bei Bad Schandau schwelt der Waldboden. Das Löschwasser müssen die Feuerwehrleute in das felsige Gebiet auf dem Rücken tragen.

Von Gunnar Klehm und Marko Förster

Bad Schandau. Marco Zenker braucht eine Ablösung. Er kann nicht mehr. Seit Stunden schleppen die Feuerwehrleute von Ottendorf und den umliegenden Orten Wasser in den Wald bei Bad Schandau. Teilweise müssen sie sich anseilen, weil das Gelände steil und damit gefährlich ist. An der Schrammsteinkette an der Breiten Kluft qualmt der Waldboden. Jederzeit kann sich daraus ein ausgewachsener Waldbrand entwickeln. Die Feuerwehrmänner versuchen schneller zu sein. Doch sie haben ein großes Problem. Der nächst gelegene Anschluss für einen Schlauch liegt etwa vier Kilometer entfernt. Eine so lange Leitung zu legen, übersteigt die Fähigkeiten der Freiwilligen Feuerwehr. Selbst wenn so viel Schlauch zur Verfügung stünde, es müssten Pumpen zwischengeschaltet werden, die auch noch mit Strom versorgt werden müssten.

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Etwa 60 Kameraden versuchen am Montagnachmittag, den schwelenden Waldboden im Schrammsteingebiet zu löschen.
Etwa 60 Kameraden versuchen am Montagnachmittag, den schwelenden Waldboden im Schrammsteingebiet zu löschen.
Feuerwehrleute müssen in den Schrammsteinen das Löschwasser zum Brandherd auf dem Rücken durch das schwierige Gelände tragen.
Feuerwehrleute müssen in den Schrammsteinen das Löschwasser zum Brandherd auf dem Rücken durch das schwierige Gelände tragen.
Per Hubschrauber musste der Brand im Zaum gehalten werden.
Per Hubschrauber musste der Brand im Zaum gehalten werden.

In ihrer Not hat die Feuerwehr mit zwei Raupenfahrzeugen Wasser und Material über beschwerliche Wald- und Wanderwege so nah wie möglich an die höher gelegene Brandstelle in einen Kiefern- und Riffbereich gebracht. Die letzte Strecke müssen die Feuerwehrmänner das Löschwasser in einem Wassertragesack mit integrierter Spritze auf dem Rücken an den Schwelbrand schleppen. Die Last ist etwa 30 Kilogramm schwer. Mit jeder Stunde, die es dauert, wächst die Tortur. Erst recht bei den sommerlichen Temperaturen.

Seit dem Vormittag kämpfen Feuerwehrleute gegen den Brand im Waldboden des Nationalparks. Die Dimension ist aber nur schwer abzuschätzen, weil es sich um ein dichtes Nadelstreu handelt, das unterirdisch vor sich hin schwelt. Was an der Oberfläche zerstört ist, macht Naturschützer allerdings wütend. „200 Quadratmeter Beerstrauchheiden sind vernichtet. In der Nähe brütete noch vor Kurzem ein Wanderfalkenpaar. Darüber stehen die verbrannten Skelette von Birken und charakteristischen Riffkiefern – einige von ihnen sind trotz ihrer geringen Höhe schon über 100 Jahre alt!“, erklärt Hanspeter Mayr, Sprecher der Nationalparkverwaltung.

Ein Ranger hatte von Altendorf aus Qualm gesehen. Zwei andere Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung eilten vor Ort und alarmierten schließlich gegen 10 Uhr die Feuerwehr. Die Brandursache konnte schnell ermittelt werden. Auf der qualmenden Fläche fanden die Ranger ein illegales Lagerfeuer vor. Vermutlich hatten es am Tag zuvor wilde Camper an der schwer zugänglichen Stelle entfacht. Feuer war zwar nicht mehr zu sehen und die Stelle verlassen, doch im Waldboden schwelte es weiter. „Da nützt auch nichts, dass die vermeintlichen Naturliebhaber Steine um die Feuerstelle gelegt hatten“, sagt Mayr.

Die Feuerwehrleute hatten zwar sofort einen Graben um die Feuerstelle gezogen. Doch bestand weiter die Gefahr, dass der Brand darunter durchbricht. Mehr als 60 Feuerwehrkameraden waren im Einsatz. Auch Stunden nach der Entdeckung des Brandes gab es noch immer keine Entwarnung. Wegen der kräftezehrenden Löscharbeiten mussten am Nachmittag noch zusätzliche Feuerwehrleute aus Reinhardtsdorf nachgefordert werden. Der Brand war zwar unter Kontrolle, konnte aber bis zum Abend nicht vollends gelöscht werden.

Gegen Mittag hofften noch alle, dass es keine Wiederholung der Ereignisse vom Waldbrand vor zwei Jahren in den Affensteinen gibt. Damals war die Situation ähnlich. Nach zwei Tagen vergeblichen Löschens half nur noch ein Hubschrauber, der 40-mal Wasser aus der Elbe in einen Behälter zog, und diesen über der Brandstelle entleerte.

Das ist zwar das kostspieligste aller Verfahren. Dennoch war das auch diesmal erforderlich. Dazu musste natürlich erst mal ein Hubschrauber zur Verfügung sein, der eine solche Außenlast, wie tonnenschweres Löschwasser, transportieren kann. Schließlich konnte die Bundeswehr aus brandenburgischen Holzdorf helfen. Am Abend wurde aus der Luft gelöscht. Geordert wurde der Hubschrauber von der Stadt Bad Schandau. Die Finanzierung übernimmt die Nationalparkverwaltung. Der Stadt Bad Schandau kostete der Feuerwehreinsatz damals rund 20 000 Euro. Der Hubschraubereinsatz ist da noch nicht mal mit dabei gewesen. Die Nationalparkverwaltung bittet Zeugen, die eventuell Hinweise zu Verursachern des Brandes geben können, sich zu melden.

Hier gibt’s ein Video zum Einsatz des Bundeswehrhubschraubers: