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Waldorfschule platzt aus allen Nähten

Die Schule freut sich auf den Umzug ins große Güterbahnhofsgelände. Aber ein Stadtrat sieht die Sache skeptisch.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Daniela Pfeiffer

In einem Jahr von 76 auf 121 Kinder. Diesen immensen Zuwachs verzeichnet die Waldorfschule, seit sie 2016 von Zodel nach Görlitz kam. Hier wird seitdem in einem ehemaligen Internat auf der Konsulstraße 23 unterrichtet. Die Schülerzahlen werden weiter steigen, prognostiziert Lutz Ackermann von der Waldorfschule. Die Verkehrsanbindung ist besser als in Zodel. Und das generelle Interesse an der Waldorfpädagogik sei ebenfalls enorm. Die nächsten Schulen gibt es in Dresden, dort sind es allein drei, mit weit über 1 000 Schülern.

Die Konsulstraße 23 war von Anfang an nur als Übergangslösung geplant. Sie ist schon jetzt sehr voll. Vermieter Kommwohnen stellt der Schule deshalb für das Schuljahr 2018/19 im übernächsten Haus zwei weitere Klassenräume zur Verfügung. „Aber 2020 haben wir unsere Kapazitätsgrenzen spätestens erreicht“, sagt Lutz Ackermann. Ein Umzug ist längst beschlossene Sache, ein Planungsbüro hat Entwürfe erstellt, als nächstes geht es in die Kostenplanung. Neuer Standort wird das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes, als Teil des städtischen Millionenprojekts Brautwiesenbogen, mit dem die gesamte westliche Innenstadt aufgewertet werden soll. Direkt an dem neuen Park, den die Stadt plant, wird die Schule ein riesiges Gelände beziehen. „Wir freuen uns sehr darauf, dass wir dann bessere Bedingungen haben werden“, sagt Lutz Ackermann.

Auch im Stadtrat waren Park und Waldorfschule jüngst wieder Thema. Er beschloss, die Flächen des Güterbahnhofs ins Fördergebiet „Innenstadt“ mit aufzunehmen. Das betrifft Park und Schule. Sie liegen nun quasi in zwei Fördergebieten – Brautwiesenbogen und Innenstadt. Damit soll schlichtweg die Chance auf Fördermittel erhöht werden. Im Stadtrat ging dies durch – allerdings mit einer Gegenstimme. Thomas Leder (CDU) regt das Millionenvorhaben der Stadt auf. Es geht ihm nicht um die Waldorfschule an sich, betont er. Sondern darum, wie viel Geld hier hinein gesteckt wird, das doch woanders auch investiert werden könnte. Einen Schulneubau hält er für billiger als den Ausbau eines unter Denkmalschutz stehenden Lagergebäudes. Und der Park, den die Stadt angrenzend an das Schulgrundstück plant, sei nicht nötig. Schließlich sei man in 15 Minuten Fußmarsch im Stadtpark. „Wir sind keine Großstadt. Ich sehe keine Gründe, aus dem Bahnhofsgelände eine Grünanlage zu machen“, so Leder. Und er mahnt insbesondere vor der Gefahr weiterer Kosten. „Nach den Folgekosten fragt niemand.“

Bürgermeister Michael Wieler kann die Kritik so nicht stehenlassen. Die große Grünfläche sei im Rahmen des Brautwiesenbogen-Projekts von Anfang geplant gewesen, um diesen in der Entwicklung schwierigen Stadtteil aufzuwerten. „Das wurde, wie das gesamte Förderprojekt, meiner Erinnerung nach allseits für gut geheißen und begrüßt.“

Zur Waldorfschule sagt er, der Trägerverein sei hier sogar selbst bereit, ins Risiko zu gehen und Bauherr zu sein. Abgesehen davon sollte man froh sein, dass es für die denkmalgeschützten Lagerschuppen künftig eine sinnvolle Nutzung gibt. Wieler sieht keine Ungleichbehandlung gegenüber anderen freien Schulen. Der Schulverein erhalte Förderung wie jeder Private, auch andere private Schulen. „Und natürlich handelt es sich bei den Schülern auch überwiegend um Görlitzer Kinder, für die wir ohne privaten Schulträger weitere Kapazitäten schaffen müssten.“

Den Löwenanteil an den Kosten trage auch nicht die Stadt, sondern die Schule. Die Stadt gibt immer nur den Mindesteigenanteil, der vom Fördergeber gefordert wird. „Was gibt es also Besseres, als dass mit privaten Mitteln Stadtentwicklung betrieben wird“, fragt Wieler.

Weitere Stadträte haben mit der Sache kein Problem. Renate Schwarze (SPD) sagt, sie habe sich dafür ausgesprochen, mit der Waldorfschule die Flächennutzung abzustimmen, um Folgekosten in Grenzen zu halten. „Dabei meinte ich unter anderem Sportflächen oder Schulgarten.“ Die Linkspartei sieht „keine nachteiligen Auswirkungen in der Zusammenlegung der beiden Fördergebiete“. Andere Fraktionen äußerten sich nicht.

Lutz Ackermann jedenfalls sieht dem großen Grundstück bereits mit Freude entgegen. Denn hier werde die Waldorfschule endlich einen richtigen Schulgarten haben, sagt er. Inwieweit die Schule den städtischen Park mit nutzen wird, könne er jetzt noch nicht sagen.