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Waldschlösschen kommt unter den Hammer

Das ehemalige Jagdschloss wird am 2. Juni versteigert. Die SZ hat sich zuvor im Haus umgeschaut.

Von Bettina Klemm

Ein verfallenes Eisentor. Dahinter führt der Weg hinauf zu einem Gebäude, dessen holzverkleidete Wand mit Graffiti beschmiert ist. So unauffällig präsentiert sich das Waldschlösschen von der Radeberger Straße aus. Erst der Blick auf die mit Naturstein und Stuck verzierte Südfassade lässt die Schönheit des einstigen Jagdhauses erahnen. Der Graf Camillo Marcolini, ein enger Vertrauter von Kurfürst Friedrich August III., ließ es 1785 bis 1790 auf einer Anhöhe für seine irische Gemahlin Maria Anne O’ Kelly errichten. Baumeister war Johann Daniel Schade, der durch seine Arbeit am Marcolini-Palais, dem heutigen Krankenhaus Friedrichstadt, bekannt wurde. Das Waldschlösschen gilt als erstes Dresdner Gebäude mit gotischen Elementen.

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Schon ab 1829 wurde im Jagdschloss eine Schankwirtschaft betrieben. Sieben Jahre später kaufte die Brauereiaktiengesellschaft das gesamte Gelände und errichtete die Waldschlößchen-Brauerei. So wurde das Schlösschen Namensgeber für das gesamte Areal.

„Es ist eine schlichte Schönheit“, schwärmt Günter Thielicke von der Sächsische Grundstücksauktionen AG. Am 2. Juni hofft er, das denkmalgeschützte Schlösschen versteigern zu können. 99000 Euro beträgt das Mindestgebot für das 1473 Quadratmeter große Grundstück und das Gebäude mit 332 Quadratmetern Wohn- oder Bürofläche. Bei der Auktion vor einem Jahr war der Einstiegspreis noch doppelt so hoch. Architekten rechnen für die Sanierung mit Kosten zwischen 1000 und 1400 Euro je Quadratmeter.

Thielicke schließt eine graue Metalltür auf, die so gar nicht zu dem Ensemble passen will. Sie wurde eingebaut, um das schon etwa ein Jahrzehnt leer stehende Kleinod vor Vandalismus zu schützen. Aus diesem Grunde sind auch die Fenster im unteren Bereich des Hauses verschlossen worden. Im Erdgeschoss fehlen die einst morschen Holzböden, sodass der Besucher über Sandflächen laufen muss. „Im ganzen Haus gibt es aber keinerlei Probleme mit Feuchtigkeit. Auch das Dach wurde bereits erneuert“, erläutert Thielicke.

Eine mit Brettern geschützte Originaltreppe führt in das erste Geschoss mit dem Festsaal. Hier fällt der Blick zwar sofort auf die schön geschwungenen Spitzbogenfenster, von Prunk ist ansonsten aber kaum noch etwas zu sehen.

Im Obergeschoss gibt es einen schmalen Südbalkon. Hier ist es erstaunlich ruhig, man hört Vögel, kaum Straßenlärm. Aber der einst freie Blick auf die Elbe ist verbaut.