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Walzer, Tango, Boogie-Woogie

Musik, Tanz und ein bisschen Glamour – das gab es am Wochenende im Riesaer „Stern“.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Die richtige Mischung macht’s: Das zeigte sich am Samstagabend wieder einmal in der Riesaer Stadthalle „Stern“ beim diesjährigen Orchesterball – dem sechsten in Folge. Musik von der Elblandphilharmonie, erstklassige Tanzdarbietungen von der Tanzschule Graf und rund 200 festlich gekleidete und gut gelaunte Besucher, denen man die Lust am Tanzen förmlich anmerken konnte. Und wo gibt es das schon, dass ein klassisches Sinfonieorchester zum Tanz aufspielt? In Riesa – und man kann das durchaus als Alleinstellungsmerkmal in der Region verbuchen.

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Leidenschaft auf dem Parkett im „Stern“: Schüler der Tanzschule Graf zeigen beim Riesaer Orchesterball am Sonnabend ihren Tango © Klaus-Dieter Brühl

Im Galateil des Programms stimmte die Elblandphilharmonie die Besucher zunächst musikalisch auf das Motto des Abends ein: „Sterne, Mond und Dingsda“ . Zu hören war vorwiegend leichte Klassik aus Oper und Operette, und Chefdirigent Ekkehard Klemm, der den Programmteil selbst moderierte, erläuterte mit Humor und Hintersinn die Bedeutung des „Dingsda“ . Das blieb jedoch bis zum Schluss bewusst ungeklärt. Als Sängerin war die Sopranistin Marta Kosztolanyi zu hören.

Tradition lebt weiter

Mit dem Orchesterball knüpft die Riesaer FVG als Veranstalter an alte Traditionen an. Hervorgegangen ist die Veranstaltung aus den Riesaer Jahresbällen. Aber es hat auch schon zu DDR-Zeiten Orchesterbälle gegeben. Schön, dass sich mit dem Orchester und der Tanzschule hier kongeniale Partner gefunden haben, die diese Traditionen weiter lebendig halten. Tanzlehrerin Dorit Graf hat mit ihren Schülern großen Anteil daran. Sie hatte die beiden Schautänze wieder selbst choreografiert, und es war schön anzusehen, wie sich die jungen Damen und Herren auf dem Parkett zu bewegen wussten. Nach dem obligatorischen Wiener Walzer gab’s diesmal einen Tango, natürlich in passender Tanzkleidung. – Eine Premiere war der Orchesterball auch für den Chefdirigenten Ekkehard Klemm, der die Elblandphilharmonie seit Beginn der neuen Spielzeit 2017/18 leitet. „Ich habe Tanzmusik zwar schon früher bei mehreren Theaterbällen dirigiert, aber in dieser Intensität ist das auch für mich das erste Mal. Und vielleicht ist das ja eine gute Gelegenheit, das Orchester in der Region weiter bekannt zu machen“. Das findet auch Stadtrat Thomas Gallitzdorfer, selbst ein begeisterter Tänzer. „Da sage doch keiner, in Riesa sei nichts los“, meint er. „Unsere Elblandphilharmonie verdient jede Wertschätzung, und auch bei den klassischen Konzerten könnten durchaus noch mehr Besucher aus Riesa dabei sein“.

Raritäten auf dem Notenständer

Interessant ist die Tatsache, dass die Riesaer Elblandphilharmonie für die Tanzmusik erstklassiges Notenmaterial besitzt. Das stammt noch vom 1993 aufgelösten Wismut-Orchester, dessen Musiker damals zum Teil vom Riesaer Orchester (den damaligen Riesaer Symphonikern) übernommen worden waren. Das Wismut-Orchester war nämlich vorwiegend ein Tanzorchester, und die Noten sind inzwischen eine gut gehütete Rarität. Wer hätte das gedacht: So kommt auf verschlungenen Wegen durch die Zeitläufte Tanzmusik, die einst die Wismut-Kumpel und deren Familien erfreute, in die Stahlwerkerstadt Riesa.