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Wanderer stürzt nachts 20 Meter ab

Ein falscher Schritt im Dunkeln wurde einem Touristen in den Schrammsteinen zum Verhängnis. Die Bergwacht rettete ihn mit einem Hubschrauber-Einsatz.

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© Mike Jäger

Von Mike Jäger

Schmilka. In unmittelbarer Nähe des Wanderweges Zurückesteig, der die Schrammsteine und die Affensteine verbindet, ist in der Nacht zum Sonntag ein Tourist abgestürzt. Offenbar hatte der Mann in der Nähe des Weges im Wald übernachtet. Er war auf nassem Untergrund ausgeglitten und einen Hang 20 Meter hinabgestürzt.

Nachdem die Bergretter der Bergwachtbereitschaft Sebnitz den Unglücksort lokalisiert hatten, wurde der Verletzte von einem Luftretter am Bergetau mit dem Hubschrauber ausgeflogen. Auf der Elbwiese in Schmilka wurde er vom Notarzt versorgt und anschließend mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Das Zusammenspiel der Einsatzkräfte funktionierte hervorragend. Seit Juni setzten die Retter in der Luft eine neue Methode ein. Es war seitdem der elfte Einsatz einer Bergung mit Windeneinsatz am Hubschrauber.

Warum der Mann in der Nacht auf dem Zurückesteig unterwegs war, kann nur vermutet werden. Möglich ist, dass er die in der Nähe befindliche Bussardboofe nicht gefunden hatte und sich am Wegrand schlafen legte. Vielleicht war er in der Nacht aufgewacht, weil er austreten musste und dabei ausgerutscht und abgestürzt. Die Bergwacht fand neben dem Verunglückten einen Kulturbeutel. Ob sich der Mann in angetrunkenem Zustand befand, konnte nicht gesagt werden.

Solche nächtlichen Unfälle kommen in der Sächsischen Schweiz immer wieder vor. Das sogenannte Boofen, das Freiübernachten unter Felsen, wird immer beliebter. Es ist nur auf von der Nationalparkverwaltung ausgewiesenen bestimmten Plätzen erlaubt, ansonsten ist das Übernachten im Wald, besonders in der geschützten Kernzone des Nationalparks, verboten.

Für die Bergwachtrettung war es diesmal dennoch ein glücklicher Umstand, dass der Mann nicht an der nahen Boofe verunglückte. Der Luftretter sagte: „Aus der Bussardboofe heraus wäre die Bergung komplizierter geworden.“

Dass Wanderer in der Dämmerung keine geeignete Übernachtungsstelle in den Felsen finden, scheint inzwischen ebenfalls zum Tourismus-Alltag im Nationalpark zu gehören. Am vorletzten Wochenende etwa stand ein junges Pärchen mit großen Rucksäcken in der Gegend des jetzigen Unfallortes, berichten Bergsteiger. Das Mädchen fragte: „Wo ist denn hier der Zeltplatz?“ Eine nahe gelegene Boofe wäre nur über die Rotkehlchenstiege zu erreichen gewesen, einem ausgesetzten Klettersteig, der schon tagsüber nur versierten Wanderer empfohlen werden kann. Dem Pärchen war nichts anderes übrig geblieben, als im Wald sein Nachtlager aufzuschlagen.

Nationalpark-Ranger berichten immer wieder, dass illegal auf Aussichtspunkten wie der Carola-Aussicht oder der Kipphornaussicht übernachtet wird. Gefährlich ist das in zweierlei Hinsicht: Zum einen für die Wanderer, denen ein falscher Schritt in der Dunkelheit zum Verhängnis werden kann. Zum anderen für die Natur. Nämlich dann, wenn Lagerfeuer angezündet werden. Immer wieder kommt es zu Waldbränden, ausgelöst durch Leute, die im Nationalpark übernachten.