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„Wandern kann man bei jedem Wetter“

Kleidung, Verpflegung, Tourenplanung – Wanderleiter Christian Leonhardt gibt Tipps für die perfekte Tour.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Tharandt. Christian Leonhardt schlägt ein Notizbuch auf, tippt mit dem Finger auf einen Eintrag: „8. Februar 1995: Klingenberg – Grillenburg – Hartha – Tharandt, zwölf Kilometer“, liest er vor. Und dann am Ende der Zeile die Teilnehmerzahl. Eine Person. Seit jenem Mittwoch sind mehr als 930 Wanderausflüge hinzugekommen. Dippoldiswalder Heide, linkselbische Täler, die Borsberge bei Pillnitz, das Gimmlitztal im Osterzgebirge. Christian Leonhardt ist mit der von ihm vor 22 Jahren in Freital gegründeten Wandergruppe jeden Mittwoch unterwegs. Die Gruppe hat mehr als 100 Mitglieder. Die SZ fragte ihn nach den schönsten Wegen, der besten Ausrüstung und was wirklich in den Rucksack gehört.

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Was beim Wandern wichtig ist

Herr Leonhardt, es ist September, der Monat gilt als klassische Wanderzeit …

Moment mal, ich gehe immer wandern, zu jeder Jahreszeit. Jeden Mittwoch bin ich mit meiner Gruppe unterwegs, außer bei Glatteis. Wir hatten Hitze, Kälte, Regen, Schnee, Nebel. Wandern kann man immer. Wie lautet doch das alte Sprichwort: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung.

Da geht es schon los: Es gibt Trekkingjacken für 500Euro und Wanderschuhe, die 300Euro kosten. Es gibt Stöcke, Schrittzähler, GPS, Powerriegel. Was braucht man wirklich?

Das kommt auf die Anforderungen, auf den Einsatzbereich an. Wer im deutschen Mittelgebirge unterwegs ist, braucht keine Bergsteigerausrüstung. Wichtig sind feste Schuhe mit griffiger Sohle und Socken, die nicht reiben, am besten sind Wandersocken. Gut sind schnelltrocknende Hosen und T-Shirts. Ganz wichtig ist eine winddichte Regenjacke. Dabei rate ich, lieber etwas mehr Geld auszugeben und auf atmungsaktive Bekleidung zu setzen, damit sich nicht der Schweiß an der Innenseite der Jacke sammelt.

Und was soll in den Rucksack?

Also ich gehe mit einer Banane, einem Päckchen Traubenzucker für den Notfall und einer Flasche Wasser los. Aber daran sollte man sich nicht orientieren, ich komme tatsächlich mit ganz wenig aus. Wichtig ist, dass man viel zu trinken mitnimmt, das ist im Übrigen wichtiger als Essen. Im Sommer am besten Wasser, im Winter etwas Warmes, zum Beispiel Tee. Zum Essen empfehle ich leichte Kost, viel Obst. Das geht schnell ins Blut über und die Nährstoffe landen dort im Körper, wo sie gebraucht werden. Ehe so ein Schweineknacker wirkt, ist doch die Wanderung vorbei.

Was ist denn am Wandern so spannend und schön?

Mich reizen zwei Dinge. Erstens die Bewegung in der Natur und zweitens die Beobachtungen, die beim Schritttempo möglich sind. Für andere wiederum hat Wandern einen rein sportlichen Aspekt. In unserer Wandergruppe erfüllt es auch einen sozialen Zweck. Etliche sind alleinstehend, für die ist unser Wandermittwoch die Gelegenheit, Leute zu treffen und in Gesellschaft zu sein – egal, wohin der Weg führt.

Wie plant man am besten eine Tour?

Man sollte die Wettervorhersage und die Jahreszeiten beachten. Wichtig ist, die eigenen Kräfte und Fähigkeiten nicht zu überschätzen. Beim Blick in die Karte oder den Routenplaner am Computer sollte man unbedingt auf die Kilometer, die Höhenunterschiede und die Art der Wege achten. Wer sich nicht sicher ist, wie weit die Kräfte reichen, sollte Wanderungen so planen, dass Abkürzungen oder Ausstiege möglich sind. Für meine Touren wähle ich überwiegend Start- und Endpunkte, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Das ist mir wichtig. Nur leider sind manche Wandergebiete mit öffentlichen Bussen oder der Bahn kaum noch zu erreichen, besonders am Wochenende.

Wo wandern Sie denn am liebsten?

Am meisten bin ich im Tharandter Wald unterwegs. Dort gibt es eine gute Mischung an bequemen Wegen und auch schönen, verschlungen, schmalen Pfaden. Sehr gerne gehe ich den Wiesenweg im Triebischtal entlang, also den Abschnitt von der Schutzhütte am Weg Hartha-Zigeunerplatz in Richtung Grund. Der Weißwangeweg ist auch sehr schön. Der zweigt vom oberen Ende des Breiten Grundes ab und schlängelt sich als schmaler Pfad nach Tharandt. Man kommt hinter dem Judeich-Bau heraus.

Und wo wandert es sich im Osterzgebirge am schönsten?

Oh je, das ist eine schwierige Frage. Es gibt dort so viele schöne Touren. Mir persönlich gefällt es im Gimmlitztal sehr, ich finde das wunderschön. Dort bin ich übrigens wieder am 4.Oktober mit meiner Gruppe unterwegs. Wir starten in Frauenstein und laufen bis zum Buschhaus in Hermsdorf, vorbei an mehreren Mühlen. Ich freue mich darauf, im Gimmlitztal war ich vier Jahre nicht mehr.

Gibt es eigentlich Gegenden, in denen Sie noch nie gewandert sind?

Na klar, man entdeckt auch nach 22Jahren immer noch neue Wege und Ziele. Kürzlich war ich mit meiner Gruppe erstmals im Käbschütztal zwischen Meißen und Nossen. Das kannte ich bisher noch nicht.

Haben Sie sich auch mal verlaufen?

Das gehört dazu. Ich teste jede neue Wanderung, bevor ich mit meiner Gruppe losziehe. Dabei habe ich hin und wieder falsche Wege genommen oder die Karte nicht richtig gelesen. Das passiert. Aber so richtig verirrt, dass ich nicht mehr wusste, wo ich bin? Nein.

Kontakt: Christian Leonhardt Telefon: 0351 6492549

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