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Wann kehrt der Alltag ins Gimmlitztal zurück?

Der große Medienauflauf ist vorbei. Doch die schreckliche Tat beschäftigt noch immer viele.

© Robert Michael

Von Regine Schlesinger und Astrid Ring

Der Medienauflauf im Gimmlitztal bei Reichenau hat sich etwas gelegt. Nur vereinzelt befragen noch Journalisten die Einwohner an Frauensteiner Einkaufsmärkten, am Marktplatz und anderen öffentlichen Plätzen danach, wie sie mit dem Wissen umgehen, dass in ihrer unmittelbarer Nähe, in einer Ferienpension im Gimmlitztal, vor Kurzem ein Mensch umgebracht wurde.

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Detlev G., der Schriftsachverständige aus dem Landeskriminalamt, der laut Staatsanwaltschaft einen Mann in seiner Pension getötet, zerstückelt und im Umfeld vergraben hat, war auch in Frauenstein und Umgebung nicht unbekannt. Als Mitglieder im Förder- und Naturverein Oberes Gimmlitztal hatten er und sein Partner, der den Verein leitet, unter anderem Wanderungen organisiert.

Bei den Bewohnern des Tales selbst stoßen Fragen nach der Tat noch immer auf Fassungslosigkeit und meist auf Schweigen. Eine Sonderkommission, die bei der Polizei nach der Tat gebildet wurde, beendete am Donnerstag ihre Suche nach Leichenteilen im Außenbereich der Pension.

Kann jetzt allmählich der Alltag wieder in das ansonsten so ruhige Tal zurückkehren oder kommen stattdessen die befürchteten Schaulustigen?

Bis jetzt noch alles normal

„Das glaube ich nicht“, sagt Frauensteins Bürgermeister Reiner Hentschel (parteilos) und fügt an: „Es wäre schlimm, wenn eine solche Tat noch dazu beflügelt, zum Tatort zu pilgern.“ Er glaubt auch nicht, dass künftig weniger Urlauber ins Gimmlitztal oder überhaupt in die Region kommen. Glücklicherweise sei bis jetzt alles normal.

Das sieht auch Reinhard Pitsch (parteilos) so, Bürgermeister von Hartmannsdorf-Reichenau. Zu seiner Gemeinde gehört das auf so schlimme Weise in die Schlagzeilen gekommene Gimmlitztal. „Ein gewisser Neugiertourismus könnte kurzfristig da sein. Aber das wird sich bestimmt wieder geben“, sagt Reinhard Pitsch. Er habe bisher noch nicht mit den Gimmlitztalern über das Geschehene gesprochen. „Sie müssen das alles erst einmal selbst verkraften und werden sicher in ihrem Verein darüber reden“, erklärt der Bürgermeister.

Wenn man sich vor Ort umhört, ist zu spüren, dass sich die meisten wünschen, es zöge wieder Ruhe ein und das Gimmlitztal würde wieder das idyllische Fleckchen, das vor allem bei Wanderern und Skifahrern ein Begriff ist. Jetzt ist es deutschlandweit bekannt geworden durch eine Tat, die Schrecken und Abscheu hervorruft, denn es steht auch der Verdacht des Kannibalismus im Raum. Den bestreitet Detlev G. allerdings ebenso wie den Vorwurf, dass sexuelle Motive hinter seinem unbegreiflichen Handeln stehen. Er räumt bislang nur eine Tötung auf Verlangen ein.

Manchem stellt sich da offenbar die Frage, ob Berichte über solche abnormen Taten überhaupt in die Öffentlichkeit gehören. Diskutiert wird das kontrovers unter anderem auch auf den Internetseiten der Sächsischen Zeitung. Doch nicht zu berichten, ob nun in Zeitungen oder anderen Medien, würde bedeuten, über solche Verbrechen der Öffentlichkeit gegenüber Stillschweigen zu bewahren, nach dem Motto, was man nicht sieht, das  gibt es nicht, „… das ist der vollkommen falsche Weg. Die Realität ist nun mal hart und nicht immer schön!“, lautet eine der gegensätzlichen Meinungen im Internet.

Hoffen auf bessere Zeiten

Fürs Verschweigen spricht sich auch im Gimmlitztal niemand aus. Das wäre in der heutigen Zeit mit ihren zahlreichen medialen Möglichkeiten ohnehin kaum drin, heißt es. Doch man hofft darauf, dass irgendwann über diese schreckliche Geschichte wieder Gras gewachsen ist und es Erfreulicheres aus dem Gimmlitztal zu berichten gibt, wie Konrad Knauthe vom Förder- und Naturverein Oberes Gimmlitztal sagt. Und das möglichst nicht erst zum nächsten Mühlentag im Juni.