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Wann kommt die Pieschener Fähre zurück?

Das Projekt gerät ins Stocken. Die Stadt denkt stattdessen über Straßenbahntunnel und Wassertaxis nach.

© SZ-Archiv

Von Sandro Rahrisch

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Als die Dresdner Familie Jakob Ende des 18. Jahrhunderts den Fährbetrieb zwischen Pieschen und dem Ostragehege aufnimmt, ist die nächste Brücke über die Elbe weit weg. Die Marienbrücke führt erst 1852 über den Fluss, die Flügelwegbrücke ab 1930. Die Pieschener sind auf die Augustusbrücke angewiesen. Knapp drei Kilometer sind das, die sie zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen müssen. Selbst die Pferdestraßenbahn fährt zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Johannstädter Fähre: Die Johanna mit 75 Plätzen pendelt zwischen der alten Drachenschänke und dem Johannstädter Fährgarten. Sie wird von Ausflüglern und Pendler genutzt. © Frohberg
Niederpoyritzer Fähre: Die Elbfähre Caroline kann 75 Passagiere über die Elbe fahren. Sie verkehrt im Dresdner Osten zwischen Niederpoyritz und Laubegast. © Sven Ellger
Schlossfähre: Die größte Fähre der Verkehrsbetriebe ist die Pillnitzer Schlossfähre. 140 Personen und acht Autos passen auf das Schiff. © Ralf Hirschberger/dpa
Pillnitzer Personenfähre: Ebenfalls in Pillnitz verkehrt eine Personenfähre – ganz früh und spätabends, wenn die Autofähre pausiert. Sie wird auch bei Festen eingesetzt. © Marion Gröning

Zwar kommen die Pieschener heute deutlich schneller auf die andere Elbseite. Trotzdem sind die Rufe in den letzten Jahren immer lauter geworden, die alte Fährverbindung wieder aufleben zu lassen. Nun droht diesem Plan allerdings der Stillstand.

Knackpunkt ist der Naturschutz im Ostragehege. So müssten die Anleger und Wege im Landschaftsschutzgebiet sowie im Elbtal-Flora-Fauna-Habitat errichtet werden. Wie das Ganze umweltverträglich umgesetzt werden kann, müsste erst einmal untersucht werden. Dies sei allerdings nicht nur teuer, sondern auch äußert personalaufwendig, so Stadtsprecher Karl Schuricht. Darüber hinaus dürften die Ergebnisse nicht veraltet sein, wenn die Fähre einmal in Betrieb gehen sollte. Das heißt im Klartext: Die Untersuchungen werden erst dann durchgeführt, wenn das Projekt konkret wird. Und dort sieht die Stadt nun die Verkehrsbetriebe in der Pflicht. „Wir warten auf eine Aussage zu deren Planungsabsichten“, so Schuricht.

Einigermaßen irritiert nimmt man diese Botschaft bei den Verkehrsbetrieben zur Kenntnis. Das Stadtplanungsamt habe angefragt, wie die Landeanlagen an beiden Ufern aussehen sollten, sagt Sprecher Falk Lösch. Diese Zuarbeiten seien erledigt worden. Das sei es gewesen. „Wir können aber keine Planungsabsichten äußern.“ Denn die Verkehrsbetriebe wären lediglich Betreiber der Fähre. Auftraggeber wäre die Stadt, so wie bei allen anderen Fähren in Dresden auch. Erst wenn die Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht wurde, werde sich der Planungsprozess weiterbewegen. Dann käme der nächste Schritt: die Kostenschätzung für ein neues Boot, für den Fährmann und so weiter. Und letztendlich müsste der Stadtrat entscheiden, ob man sich die zusätzliche Fähre leisten will.

Immerhin gibt es bereits eine grobe Zahl, was auf die Stadt zukommen könnte. Sie geht derzeit von 4,2 Millionen Euro aus, um die Wege herzurichten und ein Boot zu beschaffen. So steht es in der Vorplanungsstudie, welche das Stadtplanungsamt im Mai fertiggestellt hat. Die Rechnung beinhaltet noch nicht den Fährbetrieb. Bisher war da von 250 000 Euro im Jahr die Rede. Außerdem hätte die Stadt gern einen Vergleich, ob nicht möglicherweise eine reine Brücke für den öffentlichen Personennahverkehr, ein Straßenbahntunnel, ein Wassertaxi in Form eines Amphibienbusses oder eine Seilbahn wirtschaftlicher wären.

Denn Erfahrungen mit einem Fährbetrieb an dieser Stelle haben die Verkehrsbetriebe bereits gesammelt. Vor sieben Jahren gab es einen Test. Zum Kirchentag ließen die DVB eine Fähre zwischen Pieschen und dem Ostragehege pendeln. Während der Großveranstaltung stiegen bis zu 3 000 Menschen pro Tag auf das Schiff. Als alles vorbei war, überquerten wochentags 235 Dresdner die Elbe, an einem Sonnabend waren es 605. Das entspricht etwa dem Niveau der Fähre zwischen Laubegast und Niederpoyritz. Somit rechnen die Verkehrsbetriebe wochentags mit 240 Fahrgästen täglich – etwa die Hälfte mit Rad. Eine grobe Schätzung.

Zwar betont Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne), dass sie der Wiedereinrichtung einer Fährverbindung grundsätzlich positiv gegenüberstehe. Doch SPD-Stadtrat Vincent Drews, der mit seiner Fraktion das Projekt ins Rollen brachte, findet es ärgerlich, dass die Verwaltung konkrete Umweltuntersuchungen nicht durchführen will. Wahrscheinlich im Herbst sollen deshalb weitere Planungen per Stadtratsbeschluss in Auftrag gegeben werden. Ein Antrag werde derzeit erarbeitet. Die Wassertaxi-, Seilbahn- und Tunnel-Pläne habe man dagegen im Bauausschuss ganz klar abgelehnt. „Das ist doch recht futuristisch“, so Drews.