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Warenhalle wird Notunterkunft

Bis zu 400 Flüchtlinge will der Landkreis in Zeithain unterbringen. Der Einzug steht kurz bevor.

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© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Zeithain. Eine Art Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge plant der Landkreis Meißen jetzt in Zeithain. Hier sollen die vom Land zugeteilten Asylbewerber kurzfristig ein Dach über dem Kopf bekommen, wenn keine anderen Wohnungen oder Plätze in dauerhaften Unterkünften zur Verfügung stehen. Der Landkreis hat dafür ein ehemaliges Warenlager des BTF-Elektrogroßhandels An der Borntelle zunächst für ein Jahr angemietet.

Bereits in der nächsten Woche sollen in dem Gewerbegebiet nahe der Bundesstraße 169 erst einmal 142 Flüchtlinge untergebracht werden, bestätigte Kreissprecherin Kerstin Thöns auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung. Insgesamt sei hier Platz für bis zu 400 Asylbewerber. Betreiber der Einrichtung wird laut Landratsamt das Deutsche Rote Kreuz werden. Geplant ist an dem Standort ein 24-Stunden-Wachdienst sowie eine Einlasskontrolle. Umbauarbeiten oder andere Investitionen sind im Vorfeld nicht notwendig, sagte Kerstin Thöns. Lediglich die extra aufgestellten Sanitärcontainer müssten noch angeschlossen werden.

Große Verunsicherung

In der Gemeinde Zeithain sorgte die Ankündigung erneut für große Verunsicherung. Etwa ein Dutzend Anwohner und Unternehmer forderten von Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) in der jüngsten Ratssitzung vor allem mehr Informationen über die neue Unterkunft und auch über Möglichkeiten, sich Gehör zu verschaffen. „Wir sind der Meinung, die Grenze des Machbaren ist hinsichtlich der Einwohnerzahl von Zeithain erreicht. Von Integration kann man hier ja nicht mehr reden. Aber wir wissen nicht, was wir dagegen tun können“, sagte Unternehmer Heiko Scheibner. Ralf Klukas, der mit seiner Gerüstbaufirma direkter Nachbar der neuen Unterkunft wäre, verwies zudem auf die Sicherheit: „In der Satzung steht, man darf die Grundstücke nicht einfrieden. Darf ich jetzt einen Zaun bauen? Das ist ja auch eine Frage der allgemeinen Sicherheit.“ Die Absicherung von Werten und Gefahren beschäftigt auch den Zeithainer Gewerbeverein. „Das ist ein Gewerbe- und kein Wohngebiet. Dort werden zum Beispiel Medikamente gelagert“, erinnerte Christian Wagner, CDU-Gemeinderat, Autohaus-Chef und Mitglied des Gewerbevereins. Zudem gebe es keinen Fußweg An der Borntelle, was wiederum zu Unfällen führen könnte. Auch macht man sich Sorgen um die Versorgungsmöglichkeiten.

Der Gewerbeverein fordert deshalb eine Entschädigung unter anderem für zusätzliche Sicherungsmaßnahmen und höhere Versicherungskosten sowie den Bau eines Gehweges. Zusammen mit dem Zeithainer Rathaus soll nun ein entsprechendes Papier aufgesetzt werden.

Keine Heidenauer Verhältnisse

Bürgermeister Ralf Hänsel will sich direkt beim Einzug der Flüchtlinge nun zunächst ein Bild von der Lage vor Ort verschaffen. Bei dieser Unterkunft ginge es allerdings auch in erster Linie um eine menschenwürdige Unterbringung und nicht um Integration. Die Menschen dort werden in der Einrichtung vollverpflegt, sagte Ralf Hänsel, weshalb kein Ansturm beispielsweise auf die nahen Lebensmittelmärkte zu erwarten sei. Zudem würden die Kinder und Jugendlichen nicht in Zeithain den Kindergarten oder die Schule besuchen, weil sie dafür zu kurz in der Gemeinde leben würden. „Damit wären wir hier aber auch überfordert“, so der Bürgermeister, „und wenn sich das erste deutsche mit einem ausländischen Kind um den Kita-Platz streiten muss, dann ist eine Grenze erreicht. Dann knallt’s.“ Damit rechnet er allerdings nicht und appellierte wiederholt an alle Anwohner oder Betroffenen: „Ich will hier keine Heidenauer Verhältnisse.“

In Zeithain leben derzeit knapp hundert Flüchtlinge aus zehn Nationen. Sie sind in Wohnungen in der Nikopoler Straße untergebracht.

Gerüchte an einer weiteren Großunterkunft in Zeithain wies der Bürgermeister allerdings zurück. Der ehemalige Praktiker-Baumarkt beispielsweise sei dafür nicht angedacht. Auch glaubt er persönlich nicht mehr daran, dass Flüchtlinge an den Bundeswehr-Standort ziehen werden. Der Landkreis befindet sich hier noch in Verhandlungen mit der Bundeswehr und spekuliert mit einer Unterkunft für bis zu 600 Asylbewerber. Ralf Hänsel glaubt aber, dass dies mit den Sicherheitsbedenken der Bundeswehr nicht zu vereinbaren sei.