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Warmlaufen für den Wahltag

Das Feld der Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2019 in Sachsen formiert sich – einige Parteien planen Mitgliederentscheide.

© kairospress

Von Gunnar Saft

Im kommenden Jahr werden ihre Konterfeis wieder monatelang in der Öffentlichkeit plakatiert: Die Spitzenkandidaten, mit denen die sächsischen Parteien zur Landtagswahl eifrig um die Stimmen der Wähler buhlen werden.

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...  Frauke Petry für die Blaue Partei ...
... Frauke Petry für die Blaue Partei ... © ronaldbonss.com
... und Martin Dulig für die SPD
... und Martin Dulig für die SPD © Robert Michael
Haben Interesse am ersten Listenplatz für ihre Partei: Rico Gebhardt (Linke), ...
Haben Interesse am ersten Listenplatz für ihre Partei: Rico Gebhardt (Linke), ... © momentphoto.de/bonss
... Holger Zastrow (FDP) ...
... Holger Zastrow (FDP) ...
... und Tino Chrupalla (AfD).
... und Tino Chrupalla (AfD). © nikolaischmidt.de

Dem Platz 1 auf einer Partei-Landesliste kommt dabei immer eine besondere Bedeutung zu. Der Frontmann oder die Frontfrau steht wie kein anderer im Fokus. Ihr Auftreten, ihre politischen Argumente und auch ihr Charisma werden in vielen Fällen darüber entscheiden, wo der Wähler letztlich sein Kreuz macht. Parteiintern gilt für eine Spitzenkandidatur zudem ein zusätzliches und letztlich nicht unwichtiges Kriterium: Wer ganz vorn steht, der führt.

Insofern gelten einige Anwärter auf die künftigen Spitzenpositionen längst als gesetzt. „Bei uns ist das natürlich Frauke Petry!“, meint der Leipziger Landtagsabgeordnete Uwe Wurlitzer. Für den einst mit Petry und anderen aus der AfD ausgetretenen Politiker, der sich heute mit ihr für die neu gegründete Blauen Partei engagiert, steht die Kür der 43-Jährigen bei der noch erforderlichen Nominierung außer Frage. Sein Optimismus scheint berechtigt. Für die neue Kleinstpartei geht es schließlich 2019 um alles oder nichts. Dass man da nicht auf Petrys Bekanntheitsgrad setzt, wäre unklug.

Aus ganz anderen Gründen ist dann der jeweilige Spitzenplatz bei den sächsischen Regierungsparteien CDU und SPD schon vergeben. Die Christdemokraten werden mit ihrem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in den Wahlkampf ziehen, der für den 42-Jährigen ein besonderer wird. So muss sich Kretschmer erstmals direkt dem Wählervotum stellen, nachdem er zuvor allein durch den Rücktritt seines Vorgängers Stanislaw Tillich und den Rückhalt seiner Partei ins Amt gekommen war. Als brisant gilt die Frage, ob er dabei 2019 allein auf den – sicheren – ersten Platz auf der CDU-Landesliste setzt oder auch als Direktkandidat in einem sächsischen Wahlkreis antritt. Letzteres gilt als ehrenvoll und üblich, in seinem Fall aber auch als riskant. So hatte Sachsens neuer Regierungschef erst 2017 seinen Görlitzer Bundestagswahlkreis an die AfD-Konkurrenz verloren und war danach notgedrungen von Berlin nach Dresden gewechselt. Ein zweites Mal soll dies nicht passieren, sodass die Frage, ob und wo der CDU-Chef 2019 direkt antritt, offen ist.

Keine Personaldebatten dürfte es ebenfalls bei der SPD geben. Dort muss sich Wirtschaftsminister Martin Dulig im Oktober zwar noch turnusmäßig von einem Parteitag als SPD-Landeschef bestätigen lassen. Alles andere als eine deutliche Wiederwahl wäre jedoch eine Riesenüberraschung. Als ausgemacht gilt, dass die Sozialdemokraten erneut auf den sechsfachen Familienvater setzen, der sie bei der Wahl 2014 trotz magerer 12,4 Prozent der Wählerstimmen zur Regierungsbeteiligung geführt hat.

Viel offener ist das Bewerbungsrennen dagegen bisher in den anderen Parteien. So haben der Landtagsfraktionschef Rico Gebhardt bei den Linken und der FDP-Landesvorsitzende Holger Zastrow öffentlich bereits ihr Interesse an einer Spitzenkandidatur angemeldet. Allerdings wird in beiden Fällen durchaus noch mit parteiinterner Konkurrenz gerechnet. Eine Situation, auf die man sich bei den Linken und den Liberalen längst eingestellt hat. So soll es in beiden Parteien rechtzeitig vor der Wahl einen Mitgliederentscheid zur Frage nach dem künftigen Spitzenkandidaten geben.

Zu Personalduellen könnte es auch bei den Grünen und der AfD kommen, aber aus unterschiedlichen Gründen. So haben die Grünen zwar mit ihrem Fraktionschef im Landtag, Volkmar Zschocke, einen potenziellen Anwärter im absehbaren Kampf, 2019 über die wichtige Fünf-Prozent-Hürde zu kommen. Dafür mit Christin Melcher und Norman Volger seit einigen Wochen aber auch eine neue Doppelspitze in der Landespartei – für nicht wenige Mitglieder Hoffnung und wichtiger Fingerzeig.

Bei der AfD sorgt unterdessen ausgerechnet der Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla für Unruhe, der dem CDU-Mann Kretschmer den Görlitzer Wahlkreis abgenommen hat. Befragt nach einer möglichen Spitzenkandidatur zur Landtagswahl ließ er sich mit dem Satz zitieren: „Ich habe da richtig Bock drauf.“ In der Partei selbst trat man sofort auf die Bremse. Das sei Chrupallas Einzelmeinung, heißt es auf Anfrage. Tatsächlich dürften Kandidaten wie Fraktionschef Jörg Urban, Landesvize Siegbert Droese oder sogar ein prominentes AfD-Mitglied der Bundesebene die aussichtsreicheren Bewerber für das Spitzenamt zur Landtagswahl sein, mit der die AfD 2019 erklärtermaßen die Machtverhältnisse im Freistaat grundlegend ändern will.

Fotos: T. Kretschel, R. Bonß (2), R. Michael, S. Ellger, N. Schmidt