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Warnstreik für mehr Geld

Über 1 000 Dresdner Erzieher haben am Freitag die Arbeit niedergelegt. Sind sie erfolgreich, müssen Eltern mehr bezahlen.

© dpa

Von Sandro Rahrisch

Dresden/Rödertal. Für junge Mütter und Väter ist jeder Morgen ein Sprint – Kind anziehen, frühstücken und ab in den Kindergarten. Wer seinen Knirps am Freitagmorgen abgeben wollte, musste allerdings noch einen Zahn zulegen. Dutzende Dresdner Kitas konnten nicht so viele Kinder aufnehmen wie sonst. Um noch einen Platz zu bekommen, waren viele Eltern gezwungen, früher aufzustehen. Der zweite Erzieher-Streik hat Familien deutlich stärker getroffen. Rund 1 200 städtische Erzieher haben am Freitag die Arbeit niedergelegt. Das ist etwa ein Drittel der Belegschaft. So mussten 52 Kitas streikbedingt schließen. Gut 90 Einrichtungen nahmen mangels Personal nur einige Kinder auf oder mussten ihre Öffnungszeiten einschränken. Reibungslos lief der Betrieb in nur knapp 30 Krippen, Kindergärten und Horten, teilte die Stadtverwaltung mit. Sie schätzt, dass etwa 16 000 Kinder vom Streik betroffen waren.

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Die Stadt hatte ab 6 Uhr ein Info-Telefon für Eltern eingerichtet. Gut 110 Familien informierten sich über den Status ihrer Kita oder wo es Ausweichplätze gab. „An der Hotline haben sich keine Dramen abgespielt“, sagte Kita-Eigenbetriebsleiterin Sabine Bibas. Die Eltern hätten sich überwiegend verständnisvoll über die schwierige Situation geäußert. „Mit weiteren Streiks wird das Verständnis abnehmen“, meint sie. Bereits am Montag hatten die Gewerkschaften Verdi sowie Erziehung und Wissenschaft (GEW) angedeutet, für Freitag einen Streik zu planen. Am Mittwoch erhielten Eltern konkretere Informationen. So konnten sie sich vorbereiten, so Bibas.

Am Freitagmittag zogen dann nach Polizeiangaben über 1 500 Menschen vom Gewerkschaftshaus am Schützenplatz zum Rathaus. Nicht nur Erzieher waren dabei, sondern auch Mitarbeiter des städtischen Klinikums. Den Beschäftigten im öffentlichen Dienst geht es um höhere Löhne. Die Gewerkschaften fordern sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro zusätzlich im Monat. Derzeit verdienen Berufseinsteiger in städtischen Kitas knapp 2 600 Euro brutto.

„Ich verspreche mir, dass den Arbeitgebern mit den Warnstreiks heute deutlich wird, wie entschlossen die Kollegen sind“, sagte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe vor der Kundgebung in Dresden. Sollte es bei den Verhandlungen am Sonntag und Montag keine Einigung geben, würden weitere Streiks folgen.

Genau davor warnt Sabine Bibas: „Die Eltern benötigen Sicherheit bei der Betreuung ihrer Kinder. Ich hoffe deshalb sehr, dass sich die Tarifparteien auf eine Lösung verständigen können.“ Zwar werden die kommunalen Kitas bestreikt. Tarifpartei ist aber nicht die Stadt, sondern der Kommunale Arbeitgeberverband. Somit hat Dresden keinen direkten Einfluss auf die Verhandlungen. Zwar erhalten Eltern dieses Jahr erstmals anteilig Geld zurück, wenn gestreikt wird.

Doch Bibas macht kein Geheimnis daraus, dass die Elternbeiträge steigen werden, wenn die Gewerkschaften höhere Löhne aushandeln. „Jegliche Tarifsteigerungen wirken sich nahezu direkt auf die Höhe der Elternbeiträge aus“, sagte sie. Wahrscheinlich im Jahr 2020 werden Eltern das Ergebnis dieses Arbeitskampfes auf der Rechnung haben.