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Warnstreik legt Produktion lahm

Die Beschäftigten des Rohrwerks ließen am Dienstagmorgen ihre Arbeit ruhen. Schon bald soll der Protest anderswo weitergehen.

Ralf Herrmann ist Betriebsrat beim Mannesmann Rohrwerk in Zeithain. Er streikte am Dienstag dafür, dass die Stahlwerker künftig mehr Lohn bekommen. Er würde es wieder tun – selbst wenn er dafür morgens um 3 Uhr aufstehen muss. ©  Sebastian Schultz

Zeithain. Fünf Uhr morgens, ein leichter Graupelschauer, das Thermometer zeigt zwei Grad Celsius. Vor den Toren des Mannesmann Rohrwerkes in Zeithain sammeln sich Männer in roten Regencapes. Viele von ihnen müssten eigentlich gerade im Werk stehen und ihrer Arbeit nachkommen. Doch an diesem Dienstagmorgen sorgen sie dafür, dass die Produktion stillsteht.

„Ich bin stolz, dass ihr heute alle hier draußen seid und für eure berechtigten Forderungen eintretet“, ruft Ralf Herrmann ins Mikrofon. Herrmann ist Betriebsrat beim Rohrwerk und kämpft derzeit mit vielen anderen Stahlwerkern für mehr Lohn und Anerkennung. „Dieser Warnstreik ist jetzt ein erstes Zeichen“, sagt er. 

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Dabei habe man sich bewusst für einen Zeitpunkt so früh am Morgen entschieden. Fünf Uhr finde der Wechsel von Nacht- und Frühschicht statt, die Folgen der Arbeitspause halten sich deshalb noch in Grenzen, so Hermann. Er rechnet mit einem Produktionsrückstand von circa drei Stunden.

Etwas mehr als 100 Beschäftigte postierten sich vor dem Werktor. ©  Sebastian Schultz

Während im Werk nur ein Notbetrieb läuft, um die wichtigsten Prozesse bis zum Ende der Produktionspause aufrechtzuerhalten, sammeln sich vor den Toren mehr als 100 Beschäftigte. Auch Mitarbeiter der Schmiedewerke in Gröditz, des Elbe-Stahlwerks Feralpi und der Teigwaren Riesa sind dabei. 

Sie stehen, eingehüllt in dicke Jacken und Mützen, in kleinen Gruppen zusammen, verspeisen Bockwürste zum Frühstück und schwenken Fahnen mit dem IG Metall-Logo. Aus den Lautsprechern singt Nana Mouskouri „Guten Morgen, Sonnenschein“.

Etwas weniger enthusiastisch fallen die Reaktionen der Stahlwerker auf die bisherigen Tarifrunden aus. „Wir hören von den Arbeitgebern immer nur das Gleiche“, sagt Willi Eisele von der IG Metall Riesa. 

Sei die Wirtschaftslage gut, heiße es von den Unternehmen, dass man nicht in die Zukunft blicken könne und schwierige Zeiten auf die Branche zukommen würden. Sei die Wirtschaftslage dagegen schlecht, würden die Unternehmen trotz guter Zukunftsprognosen argumentieren, dass die gegenwärtige Situation keine Lohnerhöhungen zulasse. „Im Fußball gibt es für Zeitspiel und Schauspielerei die Gelbe Karte. Die zeigen wir den Unternehmen heute mit diesem Warnstreik“, sagt Eisele.

Feuerkörbe mit dem IG Metall-Logo sorgten für etwas Wärme am Morgen. ©  Sebastian Schultz

Beschäftigte wollen mehr Flexibilität

Ab und zu ertönen Trillerpfeifen und Jubelrufe. Die roten Fahnen wehen im leichten Morgenwind. Die Stimmung vor dem Mannesmann-Werk in Zeithain ist auch kurz vor 7 Uhr noch immer gut. Trotz Dunkelheit und Kälte. „Viele fragen sich vielleicht, warum wir das hier machen, warum wir 3 Uhr morgens aufstehen und uns hier vor dem Werk zusammenfinden“, sagt Ralf Herrmann. „Wir kämpfen dafür, langsam ein Stück vom guten Kuchen abzubekommen.“ 

Das Geheul von Trillerpfeifen unterstützt die Forderungen nach sechs Prozent mehr Lohn und 1.800 Euro Urlaubsgeld, das auch in freie Tage umgewandelt werden kann. Außerdem wollen die Stahlwerker eine bessere Ausbildungsvergütung.

Das Argument, dass die Beschäftigten in der Stahlbranche doch verhältnismäßig schon recht gut verdienen würden, kennt Ralf Herrmann. „Ich sage den Leuten dann immer, dass wir in unserem Job Grundstoffe herstellen, mit denen andere Leute weiterarbeiten“, so Herrmann. „Wir stehen am Anfang der Wertschöpfungskette. Wenn wir jetzt vorziehen, können andere daran anknüpfen.“ 

Deshalb soll schon bald auch bei den Gröditzer Schmiedewerken die Arbeit ruhen, kündigt Betriebsrats-Chef Uwe Jahn am Dienstagmorgen an. Kommt es bei der nächsten Tarifrunde am 18. Februar dann zu keiner Einigung, drohen laut IG Metall weitere Streiks.